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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1931-04-01 · 8 (4.1931) · p. Seite 442

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
9 (1930-1931)
Issue
8 (4.1931)
Date
1931-04-01
Page
Seite 442 (sequence 20)
Language
German
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262 Todesahnung erfüllt waren. Seit 1926 gehörte er zu unseren regelmässigen Mitarbeitern, und wir verdanken ihm zahlreiche (zum Teil auch Pseudonym erschienene) Beiträge der verschiedensten Art. So viele hervorragende jüdische Journalisten es auch geben mag, so gering ist die Zahl derjenigen, die ihre journalistische Begabung auf den jüdischen Umkreis beschränken. Binjamin Segel gehörte ohne Zweifel zu den hervorragendsten jüdischen Publizisten. Tiefe, ja leidenschaftliche Liebe zum Judentum, ausgebreitetes jüdisches Wissen, ein scharfer und kämpferischer Geist, ausgesprochene schriftstellerische Begabung befähigten ihn zu ungewöhnlichen Leistungen. Es ist tief bedauerlich und zum Teil in den trostlosen Verhältnissen der jüdischen Publizistik begründet, dass ein solcher, jedem Kompromisslertum abholder Mann noch in vorgerückten Jahren Mühe hatte, sein tägliches Brot zu verdienen und seinen geschwächten Körper ausreichend zu pflegen, wenn auch wohlmeinende Freunde gelegentlich seine Lage zu erleichtern sich bemühten. Sehr zum Unterschied von manchen seiner Fachgenossen in der jüdischen Presse war Segel nicht auf das mehr oder weniger verbrämte Abschreiben aus Enzyklopädien und Handbüchern angewiesen, sondern alle seine Arbeiten tragen den Stempel einer eigenartigen Persönlichkeit, die stets aus dem Vollen zu schöpfen vermochte, ob es sich nun um literarische oder folkloristische, um dogmatische oder historische und politische Arbeiten handelte. Für die geistvolle und kenntnisreiche Art seiner Polemik ist die kleine Schrift „Morija und Golgatha" ein schönes Beispiel, von seiner wissenschaftlichen Gründlichkeit wird die Entlarvung der „Protokolle der Weisen von Zion" für immer Zeugnis ablegen. Mit dieser literarischen Tat hat er dem Judentum der ganzen Welt einen unschätzbaren Dienst erwiesen. Ehre seinem Andenken! Josef Horovitz Die Hebräische Universität in Jerusalem veranstaltete am 24. Februar eine Trauerfeier für Prof. Horovitz, den Leiter ihres ürientaiistisdien Institutes. Von den bei diesem Anlass gehaltenen Ansprachen können wir nachstehend, dank der Freundlichkeit der Universitätsverwaltung, die Gedenkworte von Dr. M. Schioessinger, einem der Mitglieder des Universitäts-Kuratoriums, in deutscher Uebersetzung wiedergeben. „In ihrer kurzen, aber inhaltsreichen Geschichte hat kein Ereignis bis jetzt die Hebräische Universität so tief getroffen, wie der Tod von Joseph Horovitz. Auf dem Wege zur Universität Frankfurt, wo er seit 1915 die ordentliche Professur für semitische Philologie und Islamkunde bekleidete, ist er plötzlich an Herzschlag im Alter von 57 Jahren gestorben. Mit seiner Frau, der treuesten Mitarbeiterin und Kameradin, die er hatte, trauert die Hebräische Universität und alle, die ihn kannten, um den Heimgang dieses prächtigen Mensdien und Freundes unserer Sache. Als Dr. Magnes zum ersten Male im Jahre 1924 daran dachte, ihn für die Universität zu gewinnen, wurde er von den Fachleuten auf die Aussichtslosigkeit dieses Beginnens hingewiesen: Horovitz sei kein Zionist, ja manche sagten, er sei an jüdischen Dingen überhaupt nicht interessiert. Die Wirklichkeit hat von letzterem das Gegenteil erwiesen. In seinem Interesse an dem Gedeihen und dem Fortschritt unserer Universität wurde er von keinem anderen Mitglied des Kuratoriums und des Akademischen Rates übertroffen und von nur wenigen erreicht. Sein besonderes Interesse hatte natürlich unser orientalistisches Institut, das Kind seines Geistes und seines Herzens, das er von Anfang an nicht als einen Annex zu irgend etwas anderem, sondern als ein selbständiges Institut im Rahmen der Universität konzipierte und postulierte. Horovitz kannte den Orient, er kannte den Islam und die Araber. Er wollte in dem Institut, das er von Anfang an leitete und dem er Ziel aind Richtung gab, einen Mittelpunkt schaffen für die Erkenntnis orientalischen Wesens und orientalischen Geistes in Vergangenheit und Gegenwart und er erhoffte von solchem innigen Verständnis die Möglichkeit eines friedlichen und gedeihlichen Zusammenlebens zwischen Juden und Arabern in der Zukunft. Unserem Institut hat Horovitz zwei grosse und schwere Aufgaben gestellt, die während der nächsten 12 Jahre den Einsatz der vollen geistigen Kraft und Energie der Mitglieder des Instituts und seiner begabtesten Schüler dn der Zukunft erfordern werden: die kritische Herausgabe des Historikers Beladhori, eines Werkes, das ca. 12 Bände umfassen wird und die Schaffung einer Konkordanz der klassischen arabischen Poesie, soweit sie in Drucken und Handsdiriften uns erhalten ist — eine Vorarbeit, ohne welche kein vollständiges Wörterbuch der arabischen Sprache denkbar ist, ein Werk, das uns erst das volle Verständnis altarabischer Geschichte und Kultur ersdiliessen wird. , Wenn die wissenschaftlichen Mitarbeiter des Instituts dem toten Führer mehr als mit dürren vergänglichen Worten danken wollen für all das Viele, das er für uns und unsere Zukunft getan, so müssen sie mit ihren Schülern diese beiden grossen und schwierigen Aufgaben zu Ende führen, mit der wissenschaftlichen Ehrlichkeit und Exakt- ALFRED WALLER Telefon: 29279 Markthalle I, Gallerte Stand 29/32 Geflügel - Spezialitat: Wetterauer Gänse Gänsefett :: Eier Rituelle Schlachtung jede Woche ab Dienstag Gasi&ous zum „Udler Ginnheim Aellesles Haus am Plalze. 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