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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1931-03-01 · 7 (3.1931) · p. Seite 221

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
9 (1930-1931)
Issue
7 (3.1931)
Date
1931-03-01
Page
Seite 221 (sequence 11)
Language
German
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221 liberalen Synagogen zwei turnusmässig ausgeschiedene Mitglieder wieder gewählt. Ein Schreiben des Mädchenklubs betr: die Zuständigkeit der Kommission für soziale Fürsorge bei der Behandlung von Subventionsanträgen dieser Einrichtung wird zur Kenntnis genommen. Ferner wird eine Vorlage des Vorstands über die Besprechung von wirtschaftlichen Angelegenheiten einer Sonderkommission überwiesen. Nach Schluss der Tagesordnung gedenkt der Vorsitzende in herzlichen Worten des Hinscheidens des Herrn Universitätsprofessors Dr. Joseph Horovitz: „Als Sohn des unvergesslichen Rabbiners Dr. Markus Horovitz in unserer Gemeinde aufgewachsen, hat der Verstorbene über den Kreis seiner Berufsgenossen und über Frankfurt und Deutschland hinaus als Gelehrter und Forscher auf dem Gebiet der Orientalistik, der talmudischen und targumischen Wissenschaft hohes Ansehen genossen. Seine Tätigkeit und seine wissenschaftlichen Leistungen bedeuten, abgesehen von ihrem fachlichen und pädagogischen Wert, auch eine Ehrung des jüdischen Namens, und so geziemt es der Gemeinde, die stets derer gedenkt, welche zu ihrer. Ehre und zur Ehre des Judentums Grosses geleistet haben, auch dem Dahingeschiedenen, durch dessen Tod das Judentum und die Wissenschaft einen schweren Verlust beklagt, ein dankbares Andenken zu bewahren." Die Anwesenden hatten die Ausführungen des Vorsitzenden stehend angehört. Hieran schloss sich eine nichtöffentliche Sitzung, in welcher Personalangelegenheiteh behandelt wurden. Deutschland Berlin. Der Reichsrat wies sämtliche Einsprüche, welche der thüringische Unterrichtsminister Dr. Frick gegen die von Preussen und einer Reihe anderer Länder beantragte Einbürgerung von. Ausländern erhoben hatte, zurück. — Die Sitzung des Arbeitsausschusses des „Cent raivereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" vom 25. I. diente in der Hauptsadie den Beratungen darüber, wie die Gefahr, welche dem Judentum von nationalsozialistischer Seite droht, am besten abzuwehren sei und dem Austausch von Erfahrungen im Kampf gegen diese Bewegung. — Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums hielt am 25. Februar im Logenhaus zu Berlin ihre diesjährige Hauptversammlung ab. — Gemäss einem Beschluss des Hauptausschusses der „Deutschen Studentenschaft" sollen die Studentenschaften der einzelnen Hochschulen in nächster Zeit über den „N umerus clausus" auf Volksdeutscher Grundlage, d. h. also über die Ausschliessung jüdischer Studenten von den deutschen Hochschulen beraten. — Am dritten der von der jüdischen Volkshochschule mit grossem Erfolg veranstalteten kontradiktorischen Abenden wurde das Thema „Deutschjüdische und nationaljüdische Anschauung" von den Herren Kurt Blumenfeld, Präsident der Zionistischen Vereinigung für Deutschland und Dr. Ludwig Holländer, Direktor des Centraivereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, behandelt. Die Auseinahdersetzirng soll fortgesetzt werden. —Unter dem Namen „Arewuth" Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaft für das jüdische Händwerk, E. G. m. b. H. wurde in Berlin eine Genossenschaft für sabbathtreue Handwerker des Bauhandwerks und der verwandten Gebiete 'unter dem Protektorat des Weltverbandes Schomre Sdiabbos gegründet. — 72 Jahre alt, verschied am 6. IT. der frühere Vorsitzende und jetzige stellvertretende Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Kommerzienrat Gerson Simon, Inhaber der Firmen Jacob und Richter-Siegmund Strauss jr., Vereinigte Spitzenhäuser A. G. Simon nahm eine besonders geachtete Stellung im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben der Reichshauptstadt ein. Der Trauerfeier in der Synagoge Lützowstrasse wohnten neben Vertretern sämtlicher Berliner jüdischen Organisationen und Vereine auch zahlreiche Nicht juden bei. — Im Alter von 67 Jahren verstarb der hochverdiente Organisator des jüdischen Wohlfahrtswesens in Berlin, Eugen Casoary. Der Verstorbene war Begründer und Leiter des Wohlfahrts- und Jugendamtes der Jüdischen Gemeinde; auch die „Zentral wohlfahrtsstelte der deutschen Juden", deren Vorsitzender er von 1919—1926 war; verdankt ihm seine Entstehung. — Der jüdische Ingenieur Bergmann, der die Motoren für die elektrotechnische Zentralstation im päpstlichen Staate installiert hat, wohnte der in Rom in Gegenwart des Papstes stattgehabten Eröffnung der Station bei. — Braunschweig. Der;Rechtsausschuss. des Braunschweigischen Landtages hat den 'ynatipnalsozialistischen Antrag auf Erlass eines Schächtyerbotes. angenommen. — Gotha. Der Magistrat der Stadt Gotha hat mit 17 gegen 14 Stimmen den nationalsozialistischen Antrag auf Erlass eines Schächtverbotes angenommen. — Hamburg. In der letzten Sitzung des Repräsentantenkollegiums der jüdischen Gemeinde wurde der Antrag des Vorstandes, die Kultussteuer für 1951/32 auf 12% der Reichseinkominensteuer festzusetzen, angenommen. — Kassel. Am 26. I. verstarb im Alter von erst 43 Jahren der Chefredakteur des ..Kasseler Tageblattes", Druckereibesitzer Carl Gotthelft. Als Vorsitzender der Kasseler Ortsgruppe der „Vereinigung für das liberale Judentum" sowie als stellvertretender Vorsitzender der dortigen Ortsgruppe des „Centraivereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" leistete er dem Judentum wertvolle Dienste. — Liegnitz. Zum Nachfolger des verstorbenen Rabbiner Dr. Peritz wurde der Rabhinutskandidat Joseph Schwarz vom Breslauer Seminar ernannt. — München. Auch in München wurde jetzt eine Ortsgruppe des „Vereins zur Abwehr des Antisemitismus" gegründet. — Dr. Salomo Birnbaum, Lektor für Jiddisch an der Hamburger Universität, legte der Akademie zur wissenschaftlichen Erforschung und zur Pflege des Deutschtums den Entwurf eines Programmes für die neuzugründende ..Jiddische Abteilung des Nahsprachen-Institutes" vor. — Oberhof. Auf der kürzlich stattgehabten Tagung des „Vereins jüdischer Hotelbesitzer und Restaurateure" wurde mitgeteilt, das* auch die jüdischen Gaststätten sehr unter der wirtschaftlichen Not zu leiden haben. Im Vergleich zu 1929 habe sich in diesem Jahre der Umsatz um etwa 40—60% verringert. — Plauen. Die Kultussteuer für 1931 wurde auf l?fA% der Einkommensteuer von 1929 festgesetzt. Ausland Eu-opa Oesterreich. Wien. Aus den vom Matrikelamt der Israelitischen Kultusgemeinde vorgelegten statistischen Ausweisen über die Bevölkerungsbewegung im Jahre 1930 ergeben isich die folgenden Ziffern. 1920_1929 _J930_ 1. Sterbefälle 28S6 2709" 2597 2. Geburten 2744 1544 1214 5. Trauungen 2955 1246 1244 4. Austritte 1271 S95 742 5. Eintritte bezw. Rücktritte 576 305 2S6 Im Alter von 85 Jahren verschied am 14. II. der bekannte Talmud forscher und langjährige Rektor der Wiener Israelitisch-Theologischen Lehranstalt, Hofrat Professor Dr. Adolf Schwarz. Belgien. Im Alter von 69 Jahren verstarb der jüdische Generalleutnant Louis Bernheim, Kommandant des 1. belgischen Armee-Corps im Weltkriege und Inhaber des höchsten belgischen Ordens. Frankreich. Paris. Andre Citroen, der bekannte Automobilfabrikant, wurde zum Grossoffizier, Baron Robert de Rothschild, Vizepräsident des Israelitischen Konsistoriunis, zum Offizier der Ehrenlegion ernannt. — Nach einer neuen Verordnung der französischen Regierung werden in Zukunft solchen Personen, die nach dem 1. VII. 1950 in Frankreich eingewandert sind, keine Arbeitsbewilligungen mehr Für das Frühjahr die moderne HEMDEN-BLUSE aus feinen Popeline-Sfoffen in erstklassiger Verarbeitung alle neuen Pastell färben. 9.75 7.50 5. 90 Pullover ohne Ärmel, Westen, Plisseröcke in großer Auswahl Spezialgeschäft für Qualitätsware Goethestrasse 7 Bergerstrasse 181 Hasengasse 2

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