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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1931-03-01 · 7 (3.1931) · page 3

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
9 (1930-1931)
Issue
7 (3.1931)
Date
1931-03-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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£fatttfirctev 3f?a*titif$es &tmtinbtM<tii Qimttifbtt (bvgan btt $fvatiütffbtn <8tmtinbt Die Gemeindemitglieder erhalten das Blatt unentgeltlich. Preis der Einzelnummer 50 Pfg. v Zustellung durch die Post, hrrnsprecher: Hansa 27544. Postscheckk.: Frankfurt a. M. 33521 Schriftleitung und Verwaltung: Fahrgasse 146 Anzeigenpreis für die ö-gespaltene Nonpareillezeile 40 Ptg. im Text und auf den Umschlagseiten 60 Pfg. / Bei Wiederholungen Rabatt. / Anzeigenverwaltung: Gemeindehaus Fahrgasse 146 Erdgeschoß. 9. Jahrgang Frankfurt a. M., März 1931 Nr, 7 Di« Schrütleitung übernimmt für den Inhalt des Gemeindeblatts nur die preßgesetzliche Verantwortung. Nachdruck nur mit Erlaubnis gestattet. Ans dem Inhalt Wie erwecken wir der Jugend Freude am Judentum? 213 Der hohe Rabbi Low (S. Meiseis)...... 214 Das Denkmal des unbekannten jüdischen Soldaten (J. Flörsheim) ......... 216 Das Heim der jüdischen Wanderer (A. Benjamin) . 216 Amtliche Anzeigen des Gemeinde Vorstands . . 219 Aus der Gemeindevertretung....... 220 Jüdische Chronik ■-........... 221 Nachrufe (J. Horovitz — S. Unna — A. Goldmann) . 223 Personliiie Nachrichten......... 226 Literarische Rundschau......... 226 Anstalten und Vereine, Versammlungskalender . . 227 Veränderungen im Personenstand...... 234 Gottesdienstlicher Anzeiger ....... 235 Statistische Uebersicht......... 237 Katalog der Gemeindebibliothek...... 238 Wie erwecken wir der Jugend Freude am Judentum? Bericht über einen Vortrag. In der Generalversammlung der "Vereinigung israelitischer Lehrer und Lehrerinnen zu Frankfurt a. M. hielt Herr Dr. Gustav Löffler einen Vortrag, der so starken Anklang fand, dass sein Inhalt ausführliche Wiedergabe verdient. In seinen einleitenden Worten betonte der Referent, dass eine 20jährige Arbeit an und mit der Jugend und die Erkenntnis der seelischen Situation der Jugend ihm Anlass gegeben habe zu seinem Thema. Die Lage der heutigen Jugend in ihrer grossen Mehrheit ist nothaft. Den verschiedenen Altersstufen entsprechend verhält sie sich verschieden zu Judenheit und Judentum. Kinder bis zu 9 Jahren sind als unproblematisch anzusprechen. Sobald dieses Alter überschritten ist, ergibt die Haltung des Kindes zu Judentum und judenheit ein betrübliches Bild. Ein Ueberblick über die Situation unserer Jugend im Alter von 18—20 Jahren in Bezug auf diese Frage zeigt, dass sich etwa 8—10% im konservativen Lager befinden, 15% gehören der liberalen Richtung an, 20—25% folgen dem Zionismus. Lebendig religiöse Jugend sowohl im konservativen als auch im liberalen Kreise macht aber nicht einmal die Hälfte der eben genannten Zahlen aus. Von den jungen Menschen über 25 Jahren sind 60—70% in ihrer Haltung zum Judentum als religiös indifferent anzusprechen. Der Referent wirft nun die Frage auf: „Welche Mittel und Wege können diese Lage unserer Jugend wandeln und meistern?" Um der Jugend neue Verwurzelung am Judentum zu. erwecken, muss der Akzent auf den Begriff der Freude gelegt werden, denn nur dann wird es möglich, das Judesein zu einem freudigen Erlebnis zu gestalten. Um die neue Generation dieses frohen Erlebnisses teilhaftig werden zu lassen, muss sich die Arbeit des Erziehers in fünf Sphären vollziehen, nämlich in Familie und Haus, in der Sehlde, der Synagoge, dem Jugendbund und in der Organisation der Erwachsenen, soweit diese gewillt ist; der Jugend Raum zu geben.. Von diesen fünf Sphären behandelt der Referent zuvörderst die der Synagoge. Diese kann das soziologische Bewusstsein wecken und die Zugehörigkeit zu Judentum und Judenheit neu auslösen: Die Synagoge vermittelt weiterhin jüdisches Brauchtum, sie will dem „Gesetz der Form" auch den jungen, revolutionär gesinnten Menschen unterwerfen. Das löst aber gewiss noch keine Freude am Judentum aus, und viele junge Menschen stehen der Synagoge kühl ablehnend gegenüber. Die Erwachsenen sind zum Teil schuld daran. Der Versuch des Liberalismus, die Jugend den Gottesdienst selbst gestalten zu lassen, erscheint dem Referenten als ein glücklicher Versuch, denn der junge Mensch hat ein Bedürfnis nach Gestaltung, nach eigener Formkraft. Natürlich darf man das Ergebnis einer solchen Betätigung der Jugend am Gottesdienst nicht überschätzen, denn mancher junge Mensch geht trotzdem seinen Weg später abseits der Synagoge und der religiösen Gemeinschaft. Jedenfalls sollte auch im überlieferten Judentum dieser Weg, um Freude am Gottesdienst zu vertiefen und auszulösen, beachtet werden, schon um der Verlebendigung des Gottesdienstes willen. Das heutige jüngere Geschlecht steht im Zeichen der rhythmischen Bewegtheit. Eine Steigerung der Feiern, wie z. B. am Simdias Thorafeste, bei welchem die Jugend nach eigenem Rhythmus die Umzüge und Tänze formt, ohne Einwirkung der Aelteren, könnte zu einer Verlebendigung des Gottesdienstes führen; ähnlich könnte die Jugend den Glanz des „Lichtfestes" durch Lichterreigen vor der Menora erhöhen. Das bedeutet keine „Reform", sondern ist nichts anderes als ein Zurückgreifen auf altjüdische Ue her lieferung. Warum diese Angst vor frischem Luftzug, wodurch die Jugend zurückgestossen wird, die durch eigene Gestaltung Freude am Judesein finden möchte? Neben der Sphäre der Synagoge sollte die der Familie eine gleichbedeutende Rolle spielen in ihrer Einwirkung auf die Jugend. Leider ist in unserer Zeit das Familienleben stark erschüttert, und zwar nicht nur aus Autoritätsmangel, sondern die ganze Lebenskurve von heute hat die Familie zu einem Problem werden lassen. Man darf die Familie als freudewerbenden Faktor weder übernoch unterschätzen. Jedenfalls ist es notwendig, das jüdische Heim leuchtend zu gestalten, und dazu genügt es nicht, das jüdische Leben in der Familie lediglich auf die Freitagabende zu konzentrieren. Das Freitagabend-Judentum ist unzulänglich. Neben der Freude ist die Vorfreude die Hauptsache. Die Vorbereitungen zu Schabbos und Feiertagen sind nicht von zu unterschätzender Bedeutung. Wie die Verhältnisse nun einmal liegen, hat die Schule und nicht das Haus die Hauptaufgabe in unserer deutschjüdischen Situation zu leisten, eben weil das Haus zu oft

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