Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 9 (1930-1931)
- Issue
- 6 (2.1931)
- Date
- 1931-02-01
- Page
- Seite 192 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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amerikanischen Reformgemeinden, absenalten. Den Gegenstand der Beratungen bildete das Thema „Die Synagoge, ihre Beziehungen zu modernen Ideen und modernem Leben." — Tm Alter von 83 Jahren verschied der Pädagoge .und amerikanische Vertreter der ..Alliance Israelite Universelle", Nissim Behar. Behar hat im Auftrage der ..Alliance" mehrere jüdische Elementarschulen in der Türkei gegründet und war von 1882—1901 Leiter der technischen Schule der „Alliance" in Jerusalem. Er ist auch der Verfasser einer in iüdisch-spanischer Srrache geschriebenen Biosrraphie von Adolf Cremieux. — Am 14. T. vollendete Felix M. W a r b u r g. Präsident des ..Joint Distribution Commitiee" und Vorsitzender des Administrative Committee der ..Jewish Agencv". sein 60. Lebensjahr. Als Teilhaber des Bankhauses Kuhn. Loeb & Co. ist Warhnrg eine der "führenden Persönlichkeiten der New Yorker Bankwelt. — Santiago- Kürzlich, wurde die Gründung einer .jüdischen Gemeinde beschlossen. — Washington. Der Antrag des Staatssekretär Stimson. die Quote der Einwandern n g nach den Vereinigten Staaten für die Jahre 1931 und 1932 um 90% zu kürzen, wurde vom Einwafiderungsaussehuss des Repräsentantenhauses angenommen. Afrika Oran. Kürzlich verstarb der Führer der antisemitischen Bewegung in Oran. Bürgermeister Dr. Jules Molle. — Tunis. Gemäss Beschluss des Magistrats Avird das alte jüdische Viertel ..Hira" niedergerissen und an seiner Stelle ein modernes Stadtviertel errichtet. Palästina Tm November 1930 wanderten 228 Juden in Palästina ein; die Zahl der jüdischen Auswanderer betrug in diesem Monat 86. — Bis Mitte Dezember wurden ac«s Palästina 500 000 Kisten Orangen exnortiert; 115 000 Kisten gelangten nach Europa, der grösste Teil von ihnen nach Deutschland. — Bei den Wahlen zur palästinensischen Nationalversammlung (Assefath Haniwcharim) erhielten die Arbeiterpartei 32. die Revisionisten 15, die Sephardim 6. die Misrachisfen 5, die Allgemeinen Zionisten 4. die Yemenifen und die Frauenpartei ie 5. die Poale Zionisten 2 und die Liste des ..Haschomer Hazair" 1 Mandat. — Am 23. X1T. fand an der lTniversität die feierliche Immatrikulation von 100 Studenten statt. Persönliche Nachrichten 85. Geburtstag. Frau Johanna Goldschmidt, geb. Neumann, Rechneigrabensfr. IS, (Israelitische Frauenkrankenkasse) kann am S. Februar ds. Js. in körperlicher und geistiger Frische ihren 85. Geburtstag begehen. Möge der alten Dame ein schöner Lebensabend besckieden sein! 80. Geburtstag. Am 7. Februar 1931 begeht Frau Auguste Roth, geborene Mayer dahier. Brentanostrasse 2, ihren 80. Gebartstag. Ihr verewigter Gatte Hermann Roth, der Inhaber der von dem Bruder Gabriel Riessers gegründeten bekannten Firma R PJesser, war in weiten Kreisen durch sein humanitäres Walten und vor allem durch seine hervorragende Stellung innerhalb des Frankfurter Freimaurertums bekannt. Gleich ihm zeichnet sich sejne Witwe durch ungewöhnliche Güte und Menschenfreundlichkeit aus. Dem Sinne ihrer frommen Mutter folgend, ist sie ein besonders treues Mitglied der Gemeinde und hat sich in ihren hohen Jahren neben erstaunlicher körperlicher Rüstigkeit die geistige Frische und die Begeisterungsfähigkeit für alles Hohe und Schöne bewahrt. Zahlreiche Verehrer wünschen der würdigen Frau, dass ihr noch lange Jahre in Gesundheit beschieden seien. Silberne Hochzeit. Am 14. Februar 1931 feiern die Eheleute Josef Hirschberg und Frau Emma, geb. Katzenstein, Schlossstrasse 73, das Fest der Silbernen Hochzeit. Ehrung. Herr Adolf Mayer-Schottenfels, Mitinhaber der Firma Adolf Mayer sen., wurde am 1. Januar 1931 zum Konsul der Republik El Salvador ernannt. Todesfall. fn Frau Mathilde Schwab, die am 6. Januar 1951 im Alter von 78 Jahren verstorben ist, betrauert ein weit über die engere Familie hinausreichender Kreis den Hingang einer frommen und geistig hochstehenden Frau. Eine Tochter des weitbekannten Komponisten synagogaler Gesänge Israel M. Japhet wirkte sie in vorbildlicher Weise an der Seite ihres im Tod vorangegangenen Gatten* des Religionslehrers Hermann Schwab, dessen Tätigkeit in der Religionsschule und im Talmud Thora-Verein unvergessen ist. | Ei?ie ungewöhnlich, starke Beteiligung bei der Beerdigung zeugte von der Beliebtheit und Verehrung, deren sich die Heimgegangene erfreute. Herr Rabbiner Dr. Hoffmann wid: mete ihr den letzten Nachruf. Ein grosser Wohltäter. Mit Nathan St ran«, der in seinem 83. Lebensjahr am 11. Januar in New York verstarb, ist einer der grössten Wohltäter der Menschheit dahingegangen. Er war 1848 in Ottersberg in der Rheinpfalz geboren, die Familie wanderte 1854 nach Amerika aus", einer der Brüder ging mit der Titanic unter, der andere Bruder war Oskar Straus, Mitglied des Kabinetts der Vereinigten Staaten und Botschafter in der Türkei. Die elterliche Familie lebte zunächst in ärmlichen Verhältnissen in einem kleinen Ort in Georgia, aber nach wechselvollen Schicksalen kamen die Brüder als Warenhausbesitzer zu grossem Reichtum. Das Lieblingswerk von Nathan Straus war die Versorgung der ärmeren Bevölkerung mit pasteurisierter Milch, ein Werk, dem er sich seit 1892 widmete. Es war, wie die New York Times berichtet, nicht zuletzt sein Verdienst, dass in New York die Sterblichkeitsziffer der Kinder unter 5 Jahren von 96,2 vom Tausend in 1892 auf 28,3 in 1920 sank." Seine Tätigkeit beschränkte sich aber nicht auf Amerika, er schuf in einer ganzen Reihe anderer Länder ähnliche Einrichtungen. Auch auf zahlreichen anderen Gebieten der öffentlichen Wohlfahrt leistete er Vorbildliches und jahrelang spendete er mehr als sein jährliches Einkommen für philanthropische Werke der verschiedensten Art. Während des Krieges und nachher konnte dieser grosse Wohltäter vielerorts zur Linderung der Not beitragen. Dem Palästinawerk hatte er schon früh sein Interesse bezeugt, schon 1925 wurden seine Leistungen für Palästina auf nicht weniger als Dollar 750 000.— beziffert, um 1929 bereits die hohe Summe von Dollar 2 000 000.— aufzuweisen. Die Schaffung des „Nathan und Lina Straus-Gesundheitszentrums" mit einem Kapital von Dollar 500 000.— wird seinen und seiner Frau Namen erhalten. Die beste Charakteristik dieses grossen und stolzen Juden hat vielleicht ein hoher amerikanischer Richter geliefert, der von ihm sagte: „Der gute alte Nathan Straus ist ein grosser Jude und der grösste Christ von uns allen". Sein Andenken sei gesegnet! Literarische Rundschau Ein Buch über Buber. Hans Kohn, Martin Bub er. Sein Werk undseine Zeit. Ein Versuch über Religion und Politik. Verl. Jakob Hegner, Hellerau 1930. 414 S. geb. RM 14.—. Die Biographie hatim jüdischen Schrifttum nicht annähernd die gleiche Bedeutung wie in anderen Literaturen. Zwar gab es auch früher, von Autobiographien, wie denen der Glückel von Hameln und des Salomon Maimon abgesehen, vereinzelte Lebensbeschreibungen grosser Männer, aber wir haben weder einen Plutarch oder Sueton noch einen Einhart. Das Herausheben des Einzelwesens scheint in einem tiefen Sinn dem Geist der jüdischen Gemeinschaft und ihrer Geschichte zu widersprechen. Man kümmerte sich weniger darum, wann und wie die grossen Gestalten des Judentums gelebt, als darum, was sie gesagt, wie sie das Empfangene weitergegeben haben. Dies ihr Wort war von einer Zeitlosigkeit umfangen, die jeder „Vita" spotten musste. Das neue Buch über Buber verdient zunächst und vor allem das Lob, dass es seinen Helden nicht „an und für sich" betrachtet. Er steht zwar durchaus im Mittelpunkt, aber eben doch im Mittelpunkt eines Kreises. Und indem dieser ganze Kreis sorgsam abgeschritten wird, wandelt sich das Porträt des Einzelnen zum Bildnis einer Zeit und ihres Geschlechts. Kein Zweifel, Bubers Wort ist über den jüdischen Kreis hinausgedrungen, er gehört zu den repräsentativen Persönlichkeiten dieses Zeitalters. Und vielleicht geht es sogar an, ihn als einen der „Bahnbrecher des 20. Jahrhunderts und seiner Religiosität" zu bezeichnen, wenn auch so säkulare Feststellungen für den Zeitgenossen immer gewagt sind. Wie er zu dieser Bedeutung gelangt ist, darüber liegt nunmehr in Hans Kohns Buch eine Untersuchung vor, die man als endgültig bezeichnen möchte, wenn dies bei einem kaum mehr als Fünfzigjährigen zulässig wäre. Anfänge, Durchbruch und Sammlung im Leben Bubers werden mit einer fast verschwenderischen Fülle von