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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1931-02-01 · 6 (2.1931) · page 3

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
9 (1930-1931)
Issue
6 (2.1931)
Date
1931-02-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Stantfmtev BStatüttfthcs ®cmtinbtbtott glmtJfc&e* (bvgan t>tv Ztftatüitffbtn iStmtinbt Die Geuieindemitglieder erhalten das Blatt unentgeltlich. Preig der Einzelnummer 50 Pfg. Zustellung durch die Post rrrnsprecher: Hansa 27544. Postscheckk.: Frankfurt a. M. 33521 Scliriftleilung und Verwaltung: Fahrgässe 146 Anzeigenpreis für die ü-ge>jwlleue lNuiipHivilU-Zfile 40 l'lg. im Text und auf den Umschlagseiten 60 Pfg. / Bei \\ iederholungen Rabatt. / Anzeigenverwaltun g: Gemeindehaus Fahnrasse 146 F.rdjre»<-hoß. 9. Jahrgang Frankfurt a. M., Februar 1931 Nr. 6 Di»; Nohriflleilung übernimmt für den Inhalt des Gemeindeblatts nur die preßgesetzlü-he Verantwortung. Nachdruck nur mit trlaubni.-* geblattet. Die Ursprünge des neuzeitlichen Judentums (IL Kohn)........ . Ur und die Sintflut (J. Ilorovitz) Das Purim von Bobowno (B. Segel) Biblische Rätsel (A. Hngen-Trcichel) . . Jadlowker als Kantor (N. Fleischmann) Amtliche Anzeigen des Gemeindevorstands . Aus der Gemeindevertretung . Aus dem Inhalt Jüdische Chronik ....... 181 Persönliche Nachrichten....... 182 Literarische Rundschau....... 183 Anstalten und Vereine, Yersnmmlungskalcnder 185 Veränderungen im Personenstand .... 185 Gottesdienstlicher Anzeiger...... 186 Statistische Ucbersidit....... 187 Katalog der Gemeindebibliothek .... 189 192 192 195 201 202 204 205 Die Ursprünge des n Aufklärung u Von Dr. Das mittelalterliche Judentum findet seinen Absehluss in der Bewegung um Sabbatai Zewi. Hier fasst es i.\ einem grossen Aufschwünge noch einmal alle seine Kräfte zusammen, um sich endgiltig zu verzehren. Um die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts hatte Joseph Caro, der letzte grosse Kodifikator des rabbinischen Judentums und die größte Autorität'-seit Maimonides, von mystischen Visionen sein leben hindurch begleitet, in Safed sein bedeutsames Werk ..Schulchan Aruch" verfasst. damit es in der herannahenden Messiaszeit ein Zentrum der Lehre und ein Führer für Israel sei; das Haupt der Kabbalisten jener Zeit, Isaak Lurie, der in Palästina und Aegypten lehrte, glaubte noch selbst den Anbruch der messianischen Zeit zu erleben. Um Sabbatai Zewi, der im Jahre 1648, das von kabbalistischen Quellen als Jahr des Erscheinens des Messias vorausbestimmt war, sich in Smyrna als Messias und Erlöser des jüdischen Volkes verkündete, entbrannte in dem gesamten Judentum jener Tage ein alle Kreise umfassende Bewegung voll Glaubens in die nahe bevorstehende Erlösung, wie kein „Messias" sie vorher zu entfachen gewusst hat. Der Messianismus Sabbatai Zewis hatte sich wie jede Sehnsucht nach baldiger politischer Erlösung als ein Frevel erwiesen, dem nur Enttäuschung und Verfall folgen konnten; künftige Aufschwungszeiten des Judentums, steigende Flut jüdischer Lebensbejahung konnten sich als Zeiten der Sammlung und Bereitung erkennen, nicht als endzeitliche Erfüllung und Befreiung. Die Geschichte des Judentums ist ein nicht abgeschlossener Prozess, den kein Enthusiasmus zum Absehluss bringen kann. Der allzu gespannte Bogen der Erwartung zerbricht, und der Pfeil, der in Kraft das nächste Ziel hätte erreichen können, sinkt schwächlich zu Boden. Aber in dem mittelalterlich erstarrten und hoffnungslos zurückgebliebenen Judentum, das nach dem Scheitern des Sabbatainismus sich immer mehr in sich abschloss, waren Kräfte wirksam, die die bisherige Hülle sprengen und eine neue Zeit herbeiführen sollten. Diese Revolution, der Anhub der Neuzeit für das Judentum, sollte eine viele Jahrzehnte dauernde und heute noch nicht abgeschlossene Zeit von Wandlungen und inneren Wirrnissen herbeifüheuzeitlichen Judentums i d Chassidismus. Hans Kohn. reu, ähnlich wie Renaissance und Aufklärung in Enropa. Die festen Bindungen der Gemeinschaft lockerten sich und zerbrachen, der in sich geschlossene harmonische Kosmos, worin jeder einzelne Punkt in steter Wechselwirkung mit allen anderen und in unlösbarer Beziehung zum Absoluten stand, öffnete sich nach allen Seiten ins Unendliche und Unbekannte, aus dem die Ströme des Chaos einbrachen. Das Individuum wurde frei und gewann mit dem Verlust seiner Sicherheit neue Würde und Kühnheit. Eine Zeit rastlosen Suchens hob an, der Wanderschaft nach fernen Morgenröten, und die Dämmerung des von Zweifel und Sehnsucht Getriebenen gewann höheren Wert als der klare Tag des ruhig Besitzenden. Das seine Gestalt wandelnde Judentum durchläuft von da an viele Wege, von denen manche absonderliche Irrwege sind; aber seine Substanz, sein inneres Wesen bleibt unverändert und ringt sich immer wieder durch; nun ist es wieder eingereiht in die grossen Heerstrassen der Menschheit, mit ihr suchend, sich verlierend und sich findend, in mancherlei Weise im Gefolge allgemeiner Ideen, aber hier und dort auch als Vortrab der gemeinsam einem unbekannten Ziel entgegengehenden Völker. Die Revolution im Judentum des achtzehnten Jahrhunderts, die sich erst im nachfolgenden vollenden sollte, vollzog sich in zwei auf den ersten Blick vollständig verschiedenen, ja entgegengesetzten Bewegungen, deren beider Träger die aschkenasische Judenhei't in ihren mittel- und osteuropäischen Heimatländern war, die von nun an allein der geistig führende Teil des Volkes wurde. Die eine dieser Bewegungen stand noch völlig unter der Herrschaft des religiösen Prinzips. Die andere Bewegung war aus dem Einfluss der Aufklärung hervorgegangen und bedeutete den Beginn der Verweltlichung des Judentums. Die eine dieser Bewegungen, der Chassidismus, eine mystisch-religiöse Sekte, entstand um die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts im süd-östlichen Teil Polens, die andere Bewegung, die Aufklärung oder Haskala, die später zur Assimilation und zum Reformjudentum führte, nahm ihren Ursprung in den grossen Städten, vor allem in Berlin. Beide Bewegungen aber waren ein Protest gegen

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