Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 9 (1930-1931)
- Issue
- 5 (1.1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 163 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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163 «®SSi[& DM¥IKITO^=ÄyWllglKÄy[F Seidenstoffe / Samte / Bänder / Modewaren^ zu enorm reduzierten Inventur-Preisen, ausserdem' auf alle regulären und zurückgesetzten Xwo Waren und sämtliche Reste. SCIH1W A^lSCHaiLP '©cm ROSSMARKT 13 ROSSMARKT 13 sammelten sich grosse Kinderscharen vor dem Hause an, die voll Ungeduld darauf warteten, in den Festsaal eingelassen zu werden. Zur festgesetzten Zeit öffneten sich die Türen, und die Kinder strömten in freudiger Erwartung in den Saal, in dem sie gruppenweise nach ihrem Alter Platz nahmen, betreut von einer Reihe Damen und Herren, die sich eigens hierfür zur Verfügung gestellt hatten. Eröffnet wurde die Feier mit einem Puppentheater Liesel Simons, die es in aussergewöhnlicher Weise verstand, sofort die richtige Verbindung mit den Kindern zu finden. Das lustige Ka- Eerle erweckte Jauchzen und ungeheuren Beifall bei den einen, deren Freude so ansteckend war, dass auch alle Erwachsenen, die der Feier beiwohnten, herzlichst mitlachten. Nach dem Spiel sprach Herr Rabbiner Dr. Jakob Horov i t z in warmen und zu Herzen sehenden Worten von der Bedeutung des Chanuckafestes. Darauf wurden die Chanuckalichter entzündet, und das Chanuckalied erscholl unter Führung eines Knabenchors der Synagoge am Börneplatz. Und dann kam die Besehen kung. Für 300 Kinder waren auf langen Tisdien Pakete mit Geschenken aufwiegt. Sie enthielten vor allem warme und nützliche Bekleidungsstücke. Keinem Paket fehlten zur besonderen Freude der Kinder Spielzeug oder Buch; nicht zu vergessen natürlich die Düte mit Süssigkeiten und Obst. Hochbefriedigt verliessen die Kinder den Saal und strahlend berichteten sie ihren Angehörigen von der schönen Feier. Es war das erste Mal, dass die Jüdische Wohlfahrtspflege eine eigene Chanuckafeier veranstaltete. Der Beifall, den die Feier gefunden hat, wird der Jüdischen Wohlfahrtspflege den Mut geben, sie im nächsten Jahre in vergrössertem Rahmen stattfinden zu lassen; haben doch diesmal nur 300 Kinder, und zwar nur schulpflichtige, teilgenommen, während die Jüdische Wohlfahrtspflege noch 500 weitere Schützlinge mit Geschenken bedacht hat. Mädchenklub Der Jüdische Mädchenklub hatte in seinen Räumen Langestrasse 3 zu einer Chanuckafeier geladen. Nach einem sinnigen Vorspruch (verfasst von Frau Selma Eisemann-Pappenheimer, vorgetragen von Fräulein Rosa Tennenbaum) und dem Anzünden der Liditer bot Frau Marianne Strauss in einer Gluck'schen „Melodie" und einer Romanze von Reger hohe künstlerisdie Leistungen, die sich mit Kreislers Allegro zur Virtuosität steigerten. Der Klavierpart wurde von Fräulein Oppenheimer erfolgreich durchgeführt. Dazwisdien erfreute Gesang und Rezitation. Fräulein Elsbeth Strauss' sdiöner Alt brachte die Arie aus Elias besonders wirkungsvoll zur Geltung, aber auch die schelmischen Lieder gelangen ihr trefflich. Herrn Dr. Stern's Rezitation überraschte durch interessante Stoffwahl und das warm und kraftvoll klingende Organ. Es war eine Freude, Heines „Prinzessin Sabbath" von ihm zu hören, eine der Zugaben, die das begeisterte Publikum dem Künstler abrang. Alles in allem: Hier war eine Chanuckah- Feier, die den Wunsch „der Jugend das Beste" zur Wahrheit werden liess. Anstalten und Vereine Nobel-Vorlesung. Das Freie Jüdische Lehr haus veranstaltet seine diesjährige Nobel-Vorlesung am Samstag, dem 17. Januar 1931, abends 20 Vi Uhr pünktlich im Saal V part. des Volksbildungsheims. Frau Margarete v. Bendemann-Susmann wird über „Messias und Friede" sprechen. Der Eintritt ist unentgeltlich. Konzert der „Jüdischen Wohlfahrtspflege". Die „Jüdische Wohlfahrtspflege Frankfurt a. M." veranstaltet auch in diesem Winter ein Konzert, das am Samstag, 31. Januar 1931, abends 8 Uhr, im Kleinen Saal des Saalbaus stattfindet. Als Mitwirkende haben sich in liebenswürdiger und dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt: Herr Alfred Hoehn (Klavier), Herr Konzertmeister Hugo Kolberg (Violine), Herr Carl Rehfuss (Gesang), Frau Gert ru de Weinschenk (Gesang), FrauRosy Geiger-Kullmann (Klavierbegleitung). Ueber das Programm werden in den nächsten Tagen in den jüdischen und Tageszeitungen genaue Angaben gemacht werden. Nähere Auskunft erteilt die „Jüdische Wohlfahrtspflege Frankfurt a. M.", Langestr. 30, Anruf Hansa 26531. Schule der jüdischen Jugend. Seit November 1930 existiert im Haus der Jüdischen Jugend, Eschersheim er Landstr. 6511, die Schule der jüdisdien Jugend, die sidi zum Ziel gesetzt hat, die Jugend mit den Stoffen und Problemen des alten wie des neuen Judentums bekannt zu machen. Gegenwärtig laufen Kurse über: Gegenwartsfragen an Hand der jüdischen Motive- Friede, Kapitalismus-Sozialismus, Individuum-Gemeinschaft (Dr. Dienemann) Einführung und Fortbildungskurse für Hebräisch (A. Abrahamy) Einführung in die Philosophie als Vorarbeit zoi künftigen jüdisch-philosophisdien Problemen (Margarete von B e n d e m a n n - S u s - mann) Karl Marx (Eugen Cohn). Ab 1. Januar übernehmen wir auch die Aufgaben eiaer allgemeinen jüdischen Jugendberatung. Sprechstunde jeden Montag von 7—8>£ Uhr abends. Führerkursus. Vom 25.—28. Dezember fand in Bad Langenschwalbach ein vom Verband jüd. Jugendvereine Deutschlands veranstalteter Führerkursus statt. Trotz eisiger Kälte und gefrorenem Waschwasser war die Laune vom ersten Tage an vorzüglich. Ungefähr 70 junge Menschen aus dem Hessischen und Westdeutschen Landesverband waren zusammengekommen, um über das sdiwierigste Zeitproblem zu diskutieren, über die Arbeitslosenkrise. Die Diskussionen fanden in Form von Arbeitsgemeinsdiaften statt, die von Dr. Heinrich Ritzmann, Frankfurt a. M., geleitet wurden. „Arbeitslosigkeit und Krise" war der Obertitel, der gegliedert wurde in „Arbeitslosigkeit Struktur und Konjunktur", „Tatsachen und Ursachen der Konjunktur" und „Die Massnahmen gegen die Arbeitslosigkeit." Am 3. Tag sprach Herr Ernst Kahn, Frankfurt am Main, über Bevölkerungspolitik. Weitere Arbeitsgemeinschaften wurden abgehalten von Dr. Kurt Herz, Berlin, über pädagogische Fragen und Curt Friedmann, Düsseldorf, über die Bibel. J. H. Zelre Misrachi. Die Vereinigung veranstaltet im Lauf des Winters eine Reihe von Vorträgen, Arbeitsgemeinschaften und U n t e r r i c h t s k u r se n. Auch findet jeden Sabbat eine Stunde vor Nacht eine Zusammenkunft statt. Sämtliche Veranstaltungen werden in dem Heim, Zeil 49, abgehalten. Nähese Auskunft durch I. Weichselbaum, Ostendstr. 80 pt.