Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 9 (1930-1931)
- Issue
- 5 (1.1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 162 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Schule und Erziehung Aus der Arbeit des Vereins isr. Lehrer und Lehrerinnen. Bericht von J. Flörsheim. Sprachunterricht. Der Sprachlehrer Herr Lazar Messerer berichtete über sein Unter richtssystem, das durch Hinzuziehung technischer Hilfsmittel die Erlernung von Sprachen wesentlich erleichtern will. Die bisherigen Methoden leiden nach Auffassung des Referenten an wesentlichen Mängeln. Sie übersehen, dass das Gedächtnis von einem gewissen Zeitpunkt an abnimmt, während die Fähigkeit zu logischem Denken zunimmt. Mit dieser individuellen Entwicklung halte die Methodik, die gleichzeitig den mechanischen Gedächtnisstoff und die ideelle Seite des Unterrichtsfaches berücksichtigen muss, nicht Schritt. Auch die häufige Wiederholung des gleichen Sprachstückes sei verfehlt. Schliesslich sei der Unterricht zu einseitig auf das Gehör eingestellt, während die Sehkraft des Schülers nicht genügend ausgenutzt werde. Um diesem Mangel entgegenzuwirken, benutzt der Referent technische Hillsmittel, insbesondere eine grosse Anzahl von Zeichen, die ganze Begriffskomplexe darstellen und einen patentierten Apparat, der den inneren Bau eines Lehrfaches in kurzer Zeit erfassen lässt. Die Hilfsmittel, die zueinander in Beziehung stehen, wurden vom Referenten an dem Beispiel der hebräischen Sprache demonstriert. Die neuartige Methode hat bereits vielfache Anerkennung gefunden. Quellenwerk, In der Dezembersitzung referierte Herr Rabbiner Dr. Lazarus über den ersten und fünften Teil des von Dr. Julius Höxter herausgegebenen Quellenwerks für den jüdischen Religionsunterricht. Der erste Teil habe das Verdienst, die der Schuljugend meist unzugängliche talmudisch-midraschische Literatur, ebenso das jüdiseh-alexandrinische Schrifttum näherzubringen, während der fünfte Band die Gegenwart mit all ihren Problemen objektiv darstelle. Durch das Werk und die ihm beigegebenen ausführlichen Literaturnachweise werde die Selbsttätigkeit des Schülers weitgehend gefördert. In der gleichen Sitzung referierte Herr Dr. Höxter über die Emanzipation der Juden in Frankreich. Das Referat zeigte, wie durch die ständige Verbindung mit den Quellen die Uebertragung der Methode des Arbeitsunterrichts auf den Religionsunterricht diesen lebensvoll und anregend gestalten kann. Erziehungsschwierigkeiten. Aus der Praxis der Erziehungsberatung referierte Frau Dr. Alice Schaumburg. Sie führte etwa aus: Erziehung bedeutet heutzutage nicht so sehr ein Kind prägen und formen, als ihm eine Entwicklungshilfe angedeihen zu lassen, durch welche die kindliche Eigenart erhalten werden soll. Sobald ein Kind die Schule besucht, haben Eltern und Lehrer gemeinsam an dieser Aufgabe zu arbeiten. Es ist klar, dass einzelne Kinder bei der Erziehung besondere Schwierigkeiten bereiten. Ihre Beseitigung erstrebt die Erziehungsberatung. Doch ist zu bemerken, dass das schwer erziehbare Kind nicht mit dem anormalen verwechselt werden darf. Körperliche Gebrechen, ungünstige Familienverhältnisse, Fehler in der Erziehung, Verzärtelung und Lieblosigkeit, formen das schwer erzielibare Kind. Wenn aber schon organisdie Minderwertigkeiten ausgeglidien und überkonipensiert werden können, wie das Leben mancher bedeutender Männer beweist, — die Referentin wies auf Beethoven und andere hin — so ist es verständlich, dass man weit geringere Schwierigkeiten durch geeignete Massnahmen beseitigen kann. Die Referentin erläuterte zunächst die Hauptbegriffe der Adlersdien Individualpsychologie und gab sodann interessante Beridate über die Arbeitsmethode der von ihr geleiteten jüdischen Erziehungsberatungsstelle. Es klingt oft einfach, wenn man hört, wie erziehungssdiwicrige Kinder von ihrem Leiden befreit wurden. Es ist jedoch klar, dass nur tiefe psychologische Kenntnisse und ein starkes Einfühlungsvermögen den Weg zur Heilung aufdecken können. So erfuhr man z. ß. wie ein Kind, das trotz Begabung im Unterricht völlig apathisch war, nichts leistete und daher nur ungern zur Schule ging, durch körperlidie Strafen und Tadel entmutigt war und nidit an seine Leistungsfähigkeit glaubte. Nach eingehender Beratung und Aussprache mit der Mutter wurde das häuslidie Erziehungssystem geändert, die Strafen wurden eingestellt, das Kind ermutigt, seine Lücken durch Nachhilfe beseitigt. Das Kind wurde bald ein brauchbarer Schüler. Einzige und jüngste Kinder madien, weil sie verwöhnt sind, öfters Schwierigkeiten, sobald sie der Schulgemeinsdiaft eingegliedert werden, weil sie ja nicht mehr, wie in der Familie, den Mittelpunkt bilden. Solche Kinder suchen oft durch Störungen des Ünterridits die Aufmerksamkeit des Lehrers und der Mitschüler auf sich zu lenken und werden zu schwer erziehbaren Kindern. Auch hier hat die Arbeit der Erziehungsberatung in segensreidier Weise Abhilfe geschaffen. Recht interessant waren auch die Beridite, die zeigten, wie die Arbeitsmethode der Erziehungsberatung bei Stottern, Anfällen, Bettnässen und Platzangst Hilfe und Heilung brachten. Die Ausführungen der Referentin wurden in einer regen Diskussion erweitert und ergänzt. Chanuckafeiern Philanthropin Die am 15. Dezember veranstaltete Schulfeier kann in der Gestaltung des Programms und seiner Durchführung alseine ungewöhnliche Leistung bezeichnet werden, die über den üblichen Rahmen weit hinausgriff. Nach einem geschickt gewählten musikalisdien Teil, in dem vor allem die Chöre sich auszeidineten, folgte die Anspradie eines Unterprimaners über „Judentum und Hellenismus", die in klarer Gliederung und erfreulich gutem Deutsch die geistesgesdiiditlidien Probleme, die sich aus dem Zusammentreffen zwischen Judentum und Hellenismus ergaben, aufzuzeigen versuchte. Ein Sprechchor der Obersekunda trug sodann den.Schöp f ungsberieht der Bibel nadi der Verdeutschung von Buber-Rosenzweig vor. Eine bedeutende, ja bahnbrechende Leistung, die audi dadurch nidit beeinträchtigt wurde, dass die Stimme des Schöpfers modulierte, statt in der gleidien Tonlage zu verharren. Die gewaltige Wucht des Bibelwortes und die Sprachkunst der neuen Uebertragung kamen bei diesem Vortrag zu stärkster Wirkung. Nach diesem Höhepunkt konnte eine weitere Steigerung nicht erwartet werden, aber es sprach für die hohe Stufe der Feier, dass auch die folgenden Darbietungen keineswegs abfielen. Die in Kostüm aufgeführten Szenen „Jona und die Schiffer" (Sexta) und „König Salomo und die Königin von Saba" (Quinta und Sexta) gehen vermutlich auf Anregungen zur Veranschaulichung biblischer Erzählungen zurück, die Dr. Henry Philipp in der vorjährigen Festsdirift „Bausteine praktischer Pädagogik" entwickelt hat Der besondere Reiz lag darin, dass die erwachsenen „Helden" von kleinen Kindern dargestellt wurden, deren natürliche Unbefangenheit den historischen Vorgang nur umso deutlicher und reiner vermittelte; gleichzeitig aber wird für die Kinder selbst ein innigeres Erleben, eine wahre Vergegenwärtigung des religiösen Unterrichtsstoffes erreicht. So wurde die.kleine Schaubühne, deren einfache Dekorationen und geschickte Inszenierung alles Lob verdienen, nidit nur zu einer moralischen, sondern sogar zu einer religiösen Anstalt. Den Schluss bildete eine dramatische Skizze „Der Golem" (Untersekunda), nicht ohne Erfolg im Stil der Habima gehalten und von bemerkenswerter Schauspielkunst erfüllt. Die ganze Feier hinterliess einen starken'Eindruck, der den an der Vorbereitung beteiligten Lehrkräften schönster Lohn sein wird. Es ist sehr zu wünschen, dass ein weiterer Kreis Gelegenheit erhalte, bei einer öffentlichen Wiederholung diese vorbildlidie und im besten Sinn junge Leistung des alten Philanthropie kennen zu lernen. Jüdische Wohlfahrtspflege Am 16. Dezember hatte die Jüdische Wohlfahrtspflege ihre kleinen Schützlinge zu einer Chanuckafeier in den Saal der Liederhalle eingeladen. Schon lange vor Beginn der Feier Brumliks berühmter M GR9SSTES Teppichu. Gardinen-Spezialhaus SÜDDEUTSCHLANDS INVENTUR-AUSVERKAUF die grösste SENSATION TEPPIC H-GARDIN EN-H Neue Kräme 28 30 Branche ■■■■ Meine 25 Schaufenster zeigen die unerhörten Preisherabsetzungen in sämtlichen Artikeln. MiyjMyK;