Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 9 (1930-1931)
- Issue
- 5 (1.1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 159 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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sdieheu soll, wenn der Ueberbrückungskredit nicht bewilligt würde. Die Zwangslage erfordere Zustimmung zum "Vorstandsbesdiluss. Das Amendement Wolf berge die Gefahr der moralischen Verpflichtung zur Bewilligung weiterer Mittel in sich für den Fall, dass der Ueberbrückungskredit nidit ausreiche. Auch wenn der Unterriditsbetrieb der Religionsschule vergemeindet würde, müsse dieser konservativ bleiben und es könne von einem paritätischen Religionsunterricht unter keinen Umständen die Rede sein. .Rechtsanwalt Simon: Der Wunsch nach Vertiefung auch des liberalen Religionsunterrichts ist ein von uns längst fehegter Wunsch. Anstelle der im Antrag Wolf getroffenen brniulierung sollte man besser zum Ausdruck bringen, dass: von den Beträgen, die die Gemeinde der Religionsschuie zur Verfügung stellt, nur Ausgaben des laufenden Betriebs, aber keine Kapitalschulden gedeckt werden. Syndikus Dr. Mayer ist, ohne einer Besdilussfassung des Vorstands vorgreifen zu wollen, der Ansicht, dass dieser sich dem Antrag Wolf nicht entgegensetzen wird. Er betrachtet diesen als eine Art tedinisdier Bestimmungen zu dem vom Vorstand gefassten grundsätzlichen Besdiluss. Man brauche darüber garnicht zu debattieren. Es handle sich hierbei genau genommen um eine Sache der Exekutive. Deshalb könne man den Antrag Wolf vorbehaltlich der Zustimmung des Vorstands annehmen. Dr. Mayer geht alsdann auf einige Im Laufe der Debatte geäusserten Ansichten ein und bemerkt, dass die Lehranstalten und die Synagogen nidit voneinander getrennt werden können, sie bilden zusammen ein Ganzes. Von diesem Gesiditspunkt aus betraditet müsse -gesagt werden, dass die Gemeinde insofern einen Schaden erlitten hat, als sie sich bisher bei ihrer Zusdiussbewilligung nicht um die Ueberschüsse der Synagoge gekümmert hat." Eine Schliessung der Schule könne nidit in Betradit kommen, da man sie in diesem Fall an eiuer anderen Stelle wieder eröffnen müsste. Die Gesamtlage des Vereins müsse paniert werden, nur dann gelinge es, mit dem Zusdiuss für die Religionsschule die Lehranstalten als solche sidierzustellen.; Herr Dr.. Wolf erklärt sich mit den Ausführungen des Herrn Dr. Mayer einverstanden. Herr Dr. Hoffman n befürwortet gleichfalls Zustimmung zum Vorstandsbesdiluss mit Annahme des Amendements. Der Vorstandsbesdiluss wird mit dem Zusatzantrag der Herren Dr. Wolf und Gen. von der Gemeindevertretung angenommen, wonach der Vorstand bereditigt ist, die Durchführung der Aufsicht über die Geschältsführung des Vereins und die Auszahlung der Zuschussbeträge vorzunehmen. Die Jahresrechnungen der Gemeinde für 1927/28 und 1928/29 werden nach vorheriger Prüfung durch die Herren Cohen und Felix Meyer genehmigt. — Auf die hypothekarische Eintragung des für den Ausbau des Durchwandererheims bewilligten Darlehens von M. 5000.— wird unter der Bedingung verzichtet, dass in § 16 der Statuten des Israelitischen Hilfsvereins ein zweites Absatz dahingehend eingefügt wird, dass zur Aenderung dieses Paragraphen die Zustimmung des Vorstands der Israelitischen Gemeinde erforderlich ist. — Dem Mädchenklub wird für das laufende Rechnungsjahr zu den bereits bewilligten M. 300.— noch eine Subvention von M. 100.— aus den etatmässigen Mitteln der Jugendorganisationen genehmigt. Für die Folge sind die Subventionsanträge des Mädchenklubs an die Kommission für soziale Fürsorge zu verweisen. Der Vorsitzende gibt davon Kenntnis, dass der Verein Hau ptsynagoge die Mitglieder der Gemeindevertretung zu der am Freitag, den 19. Dezember stattfindenden Chanukkab-Feier der Jugend zu Ehren des 70. Geburtstages des Herrn Rabbiners Dr. Seligmann einlädt. Der Vorsitzende teilt sodann mit, dass die heutige Sitzung voraussichtlich die letzte in diesem Jahr und auch die letzte in der nunmehr abgeschlossenen Legislaturperiode der Gemeindevertretung sei. Er stellt mit Befriedigung fest, dass die Gemeindevertretung in diesen Jahren in Frieden und Eintracht zusammengearbeitet habe mit dem besten Willen für die gedeihliche Entwicklung der Gemeinde. Wenn auch die Mehrzahl der Gemeindevertreter in der neugewählten Gemeindevertretung wieder erscheinen werde, so müsse man doch mit Wehmut feststellen, dass mancher, den man in dieser Körperschaft gern gesehen habe, nicht wiederkehren werde. Allen Ausscheidenden spricht der Vorsitzende den Dank für ihre opferfreudige Mitarbeit aus und hofft, dass sie in irgend einer Form der Gemeinde weiter dienen werden. Herr Dr. Geiger dankt dem Vorsitzenden für seine objektive und tatkräftige Geschäftsführung in den letzten 4 Jahren, in denen schwerwiegende und weittragende Beschlüsse zu fassen gewesen seien, insbesondere bemerkt er die vorbildliche technische Art der Leitung der einzelnen Sitzungen. Er knüpft hieran auch den Dank für die stellvertretenden Vorsitzenden, die Schriftführer und die Beamten. Auch jnüsse anerkannt werden, dass das Verhältnis zwischen Vorstand, und Gemeindevertretung, wenn auch nicht immer un- 159 getrübt, so doch im ganzen stets auf das Interesse der Gemeinde gerichtet gewesen sei. Was das Verhältnis der einzelnen Fraktionen untereinander betreffe, so sei bei aller Unterschiedlichkeit der Anschauungen ein gegenseitiges Verständnis und der Wille erspriesslichen Zusammenarbeitens zum Wohl der Gemeinde vorbanden gewesen. Möge diese Zusammenarbeit auch in den folgenden Jahren der Leitstern der Fraktionen sein. Herr Reditsanwalt Simon schliesst sich den Ausführungen des Herrn Dr. Geiger an und dankt gleidifalls dem Vorsitzenden, den stellvertretenden Vorsitzenden, den Schriftführern und Beamten. Er dankt ferner den Kommissionen und ihren Vorsitzenden, besonders der Finanzkommission und ihrem Vorsitzenden für die geleistete Arbeit, ebenso den Mitgliedern des Vorstands, welche sich bei den Beratungen der Gemeindevertretung in grosser Zahl beteiligt haben. Wenn in der letzten Zeit von einer Entgiftung des Parteikampfes gesprochen worden sei, so könne man mit Befriedigung konstatieren, dass diese Bestrebung in Frankfurt verwirklicht sei. Redner verspricht für seine Fraktion, dass diese auch an Zukunft den ernsten Willen zur sachlichen Arbeit zum Wohle der Gemeinde zeigen wird. Herr Fromm dankt gleidifalls dem Vorsitzenden, welcher durch seine obiektive Geschäftsführung den Erfordernissen der Einheitsgemeinde Rechnung getragen und damit den schönsten Beweis für das gegenseitige Verständnis geliefert habe und snricht den Wunsch aus, dass diese Toleranz auch künftig die Beratungen der Gemeindevertretung leiten und dass die Gemeinde weiter blühen, wachsen und gedeihen möge Der Vorsitzende dankt für die ihm von den einzelnen Fraktionen ausgesprochenen Dankesbezeugungen und spricht seinerseits den Beamten den Dank der Gemeindevertretung für ihre Mitarbeit aus. Hieran schloss sich eine nichtöffentliche .Sitz u n g. fNachtrag. Dem in der letzten Nummer veröffentlichten Sitzunffsbericht vom 12. November 1910 ist narh zu tragen, dass bei der Beratung iiT>er Preicermössisrungen für rituelle Lebensmitte 1 auch H*»rr Felix Mever namens der konservativen Fraktion'der Gemeindevertretung dem Antrag der Herren Dr. Frenkel und Gen. beigetreten ist. Deutschland. Berlin. Zur Erinnerung an die vor 50 Jahren von Samuel Poljakoff, Baron Horace Günzburg u. a. erfolgte Gründung der „Gesellschaft zur Förderung des Handwerks und der Landwirtschaft unter den Juden (ORT)" fand kürzlich unter dem Vorsitz von Dr. Leo Bramson eine Festsitzung statt. — Zugunsten der Jüdischen Altershilfe wurde vor einigen Tagen Beethovens „Fidelio" aufgeführt; auf dem anschliessenden Gesellschaftsabend hielt u. a. Reichsinnenminister Dr. Severing eine bedeutungsvolle Ansprache, in der er betonte, dass in der heutigen Zeit schwerster wirtschaftlicher Not die private Wohlfahrtspflege mehr denn je am Platze sei. — Bei den am 30. XI. stattgehabten Wahlen errangen für die Repräsentantenversammlung d?e Liberalen 24 und die Jüdische Volkspartei f4 Mandate. Ueberr>arteilirhe Vereinigung. Religiöse Mitteloartei und Poale Zion erhielten je 1 Mandat. Für den Verbandstag des Preussischen Landesverbands Indischer Gemeinden erhielten die Liberalen 35. die Volksparteiler 22 und die Mitglieder -der TTeberparteilichen Vereinigung 2 Mandate: Religiöse Mittelnartei. Konservative Parfex und Poale Zion mnssten sich mit ie t Mandat hemiisren. Auch die vom ..Verbände nationaldeutscher Juden" aufgestellte Deutsche Liste erhielt 1 Mandat. — AnlässHrh der Erstaufführung der Verfilmung des Romans „Im Westen nicht Neues" von Erich Maria Remarcrue kam es zu schweren Judenfeindlichen Ausschreitungen. Herr Carl Lnmmle. der Präsident der „Universal Pictures Corporation", der Hersfellerin dieses Films, ist ein ans Launheim in Württemberg stammender Jude. Lämmle hat für seine württembergischen Glaubensgenossen verschiedene Stiftungen errichtet u. a. auch das hiesige Krankenhaus der israelitischen Gemeinde mit einer Summe von 5000.— Mark bedacht. — Am 25. und 26. XII. tagte unter dem Vorsitz von Wladimir Jabotinsky der Parteirat der revisionistischen Union — Am 25. XII. verstarb der bekannte Physiker und Ent- DIAISN-Puder bewahrt Ihren Liebling vorWundsein.