Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1931-01-01 · 5 (1.1931) · p. Seite 157

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
9 (1930-1931)
Issue
5 (1.1931)
Date
1931-01-01
Page
Seite 157 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/3094266-3094360-3094365--2654-3097402
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Aus der Gemeindevertretung Sitzungsbericht von Bürotlirektor I. Meyer. Sitzung vom 17. Dezember 1930. Der Vorsitzende, Herr Dr. Richard Merzbach eröffnet in Anwesenheit von 26 Gemeindevertretern und 4 Mitgliedern des Vorstands die Sitzung. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedenkt der Vorsitzende des schweren Verlustes, den die Gemeinde durch den Tod des Herrn Fritz Sond heimer erlitten hat. Ueber \Y? Jahrzehnte, so Führt der Vorsitzende aus, hat der Verstorbene im Dienst der Gemeinde gestanden, zunächst noch im alten Gemeindeausschuss, sodann nach Inkrafttreten der neuen Gemeindeverfassung als Mitglied des Vorstands. Seine Tätigkeit hat sich vor unser aller Augen abgespielt. Wir haben Gelegenheit gehabt, sein starkes Interesse für alle Aufgaben der Gemeinde, seine grossen Fähigkeiten und seine Arbeitskraft zu bewundern. So hat er in erster Reihe seine Dienste dem Krankenhauspflegamt zur Verfügung gestellt, aber auch auf allen anderen Gebieten der Gemeindeverwaltung, besonders im Etat- und Finanzwesen sich unvergesstiche Verdienste erworben. Sein scharfer Verstand, seine Kenntnis der Verhältnisse, seine Liebe zur Gemeinde haben ihn befähigt, Grosses für das .Wohl der Gemeinde zu leisten. Sein Andenken wird von •der Gemeindevertretung in Erinnerung behalten werden. Mögen der Gemeinde stets Männer von seiner Art erstehen. Die Anwesenden haben sich zu Ehren des Verstorbenen von ihren Sitzen erhoben. Ferner gibt der Vorsitzende Kenntnis von der offiziellen Glückwunschabstattung aulüsslich des 70. Geburtstags des Herrn Rabbiners Dr. S e 1 i g m a n n, welche, da der •Vorsitzende verhindert war, ia seiner Vertretung namens der Gemeindevertretung durch Herrn Fromm erfolgt ist. Der Vorsitzende betont hier nochmals, welche Wertschätzung Herr Rabbiner Dr. Seligmann sidi seitens der Gemeindevertretung erfreut und wie seine Arbeit, welche er nunmehr seit fast drei Jahrzehnten im Dienste der Gemeinde leiste, anerkannt werde, besonders von denjenigen Persönlichkeiten, welche seinen religiösen Anschauungen nahestehen, und auf die er in ausserordentlichem Masse befruchtend gewirkt hat. Aber auch andere, welche mit seinen religiösen Anschauungen nicht übereinstimmen, achten seine kraüvolle Persönlichkeit, sein uneigennütziges Stieben und seine reine Liebe für das Judentum. Möge es dem Jubilar vergönnt sein, in der bisherigen frische und Schaff eusheudigkeit uoch lauge zu wirken. Für die Neuwahl der Gemeindevertretung hat nur ein gültiger Wahlvorschlag dem Vorstand vorgelegen, der mit dem Namen Dr. Ridiard Merzbuch beginnt. Die in diesem Wahlvorschlag bezeichneten Personen gelten ohne Vornahme einer Wahlhandlung als gewählt Ein weiterer Vorschlag, beginnend mit dem Namen (Jhaim 1. Kothenbelg ist reditzeitig eingegangen, aber am Tage der Einreidmng gemäss § Ii der Wahlordnung wieder zurückgezogen worden. Die Vornahme der Ersatzwahlen in den Geuieindevorstand, in den Vorstand der Synagoge am Börneplatz und in das Pllegamt des Krankenhauses wird vertagt. Die Vorlage des Vorstands betr. das Philanthropin wird zur Vorberatung der gemisditen Finanzkommission überwiesen. — Der Verein Israelitische Religionsschule benötigt einen Ueberbrückungskredit von M. 25 000.—. Der Vorstand hat beschlossen M. 10 000.— zu diesen Betrag zu bewilligen." Herr Mainz befürwortet die Annahme des Vorstandsbeschlusses, den er im einzelnen erläutert. In der sich ansdiliessenden Debatte erklärt zunädist Herr Dr. Wolf, dass eine rasdie Entscheidung dieser Angelegenheit wegen der ungünstigen Finanzlage der Gemeinde nidit möglich sei. Es sei klar, dass eine Vergemeindung der Religionsschule, wie sie früher vorgesdilagen worden ist, gleichfalls zunächst nidit in Betradit komme. Die Vergemeindung brächte ein weiteres starkes Passivum und keinerlei Aktiva. Der jetzt geforderte Ueberbrückungskredit sei ein weiteres Zuschussbedürfnis, von dem man nidit einmal wisse, ob er ausreiche. Wenn es richtig sei, was die Prüfungskommission der Finanzkommission festgestellt habe, dass nämlich zur Finanzierung des laufenden Jahres M. 25 000.— notwendig seieu, so müsse mau bekennen, dass man ein Fass ohne Boden vor sich habe und die Frage stellen, ob man den Verein nicht seinem Sdiicksal überlassen soll. Hiergegen sprächen zwei Argumente, nämlich die Verpfliditung der Gemeinde, für einen ausreichenden Religionsunterridit zu sorgen und die. Tatsache, dass, wenn die Religionsschule ihre Pforten schliessen müsste, die Gemeinde alsdann mit einem erheblichen Celdanfwand eine neue Schule zu eröffnen hätte. Das zweite Argument ist die Erwägung, dass es sich bei der Religionssdiule um eine sehr verdiente Einriditung handelt, die man nidit fallen lassen könne. Was hiernach bei der gegenwärtigen Finanzlage der Gemeinde getan werden könne, sei lediglidi die Erhaltung des Unterrichtswesens. Die übrigen Aufgaben des Vereins Israelitsdie Religionssdiule müssten anderweitig durdigeführt, mindestens die Gemeinde von geldlidien Anforderungen hierfür verschont bleiben. Zu verlangen sei, dass sich Sdiuleund Synagoge audi in finanzieller Hinsicht voneinander trennen und dass Kautelen dafür gesdiaffen werden, dass, was von der Verwaltung bisher anscheinend nur in ungenügendem Masse gesdiehen ist, die Redinungsaufstellung und die sich daraus ergebenden Konsequenzen mit aller Klarheit durdigeführt werden. Eine solche Kontrolle werde, wenn sie riditig benutzt wird, für den Verein Vorteile mit?idi bringen, insofern als nicht nur die Schuldentilgung planmässig vollzogen, sondern audi die bewilligten Zuschüsse für die laufenden Unterrichtslasten verwendet werden würden. Demcemäss beantragt Herr Dr. Wolf mit Unterstützung der Herren Dr. Hofmann, Dr. Stranss und Dr. M n i uzer dem Vorstandsbeschluss mit der Massgabe zuzustimmen, dass die dem Vorstand vom Verein Israelitische Relfgionsschule einzuräumende Aufsicht und Kontrollbefugnisse nicht nur dazu benutzt werden, für alsbaldisre Aufstellung eines Schuldentilsrunc'srdnnes zu sorsren. sondern auch dazu, eine Neuresrelnn? des Zuschussverfnhrens für die Erhaltung des laufenden Betriebs vorzubereiten. Es soll vom nächsten Etatjahr an nidit mehr ein Pausdinlbetrag an die Relfgionssdiule eezahlt werden, sondern die Gemeinde soll im entsnrerhpnden Umfansr die D^dcnn«* der für den laufenden Untprr'rhMietrieb erwachsenden hosten direkt übernehmen ITie^pfen wende* sieb Herr Fromm, der besonders anf dfp Tafsarhp pin<*pfit. dass die Svunsrn<rp Unferlind.in wHrtrprirl rlnr ~f> Tahrp ihr?1? Bestehens die fnttesdienstllrlien Bedürfnisse dpr Vonservntivpn Gpmeindelcrptse erfüllt und deshalb der Gemeinde bedeutende Ersparnisse vprnrsarht hiitte Wptiti sie nirht srewpspn wäre, hü'te die Gpmpinde eine Svnnrrn«re rinnen müssen, sodass die 7msjrhücQe. wpJrhp die Gemeinde seit pinirren Tahren für die Relin-innsor+Mile bewillige, in?ar keinem Verhältnis rn den voti rW ReliiionscdinTe "etrnn-enen 5>vna£rn?en Tasten stehen. Herr Fromm wendet eich insbesondere die von Herrn. T>r Wolf s-eüMe Kritik an der OesrhnftsfMhriinsr der Reli- 2-ionssrhnTe nnr] betont die ausserordentlich snn rsnmp Aussahen Wirtschaft, indpm er auf die einzelnen Lasten der T(o]trrionqc;chn1o eingeht und besonder«? erwähnt. dass von M. 50Dnn.— Bandnrlehen für die Vergrössernnsr der Svnn<rno-e Unterlindan bereits M 40 nnn— 7iirr»rk"P7nhH seien. Die Annahme des Antrags Wn!f heden+e die Unterstellung des Vprpins nntpr Geschäftsnnfsieht. Herr Fromm bittet dorn Vorstandsbeschluss zuzustimmen. Herr Redisanwnlt Simon srhKessf sieh dpn Ansführunn-pn des TTerrn Fromm an Die Fraktion dpr iüdisrnon Vollcsnartei so? nirht bereit, die Relifionssrhnle ihrem CAieksnl zu überessen, sondprn ihr im P^mpn des Mö<rlifhen über d?e SrhwieritrVoiten hiriwpn-rnhpTFpn. "Deshalb werde sie dem Vorstandsbesphbtss und nidit dem Amendementsnntrnsr der Herren Dr. Wolf und Gen. zustimmen. Die Synagoge TJnterlindan erfülle FRANKFURTER BANK Neu© MRinzftrsfr. 69 **** Toi ftfo«.MeS I ll (!• «amnnnlnii»i«»«r U-»n*a <>0101 W,rS4,„» U-,n«tt Pos'nohPOk-Konto: 154 F>«nVfur*a W. Hinterlegungsstelle für MUnrfefvermöaftn Annahm» v»r*ln.Ur.»-or noHp- . | B.if. 7olt nanh Vnrolnha-imn . CHIn«*!«* V»'?'.....1 - Prrl»h»u>«n w«n H^,.<,Un„*~~ r-lf r.«r>«»-»"<»n JxhrtmnannMrüi«!«. Q»a--I-Iaian 0«»«n Ona-Hunh Pln«ri,n RiV„ «oln»-«. üri'MiMh"«''*« *orn-non »»* im«»"«!! Nomon ppf-.lh.-n ii V—wMt.mn rfor. 8olS~n. . Vo-«.««.-an U«'«ii>»°n u-4 p«|olh«n von Wor'nanl«™n. Va-m'*t. |„nn ollor In i»a<i Bnnkfn»». <-ln«»h|. P».-h3*»o 7„ <•>•»*»>*«» 0»Hln»iin««fJ. WookanflMh» DK-non. und Wlrr>rh*«t*. boplohtn. DI*kontl«riinn v-H Fln. kasslerung von Woohseln.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.