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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1931-01-01 · 5 (1.1931) · p. Seite 150

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
9 (1930-1931)
Issue
5 (1.1931)
Date
1931-01-01
Page
Seite 150 (sequence 4)
Language
German
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In Genesis Kap. 36 wird als Stammvater einer edomitischcn Königsgattin ein Mann namens „Mc-Sahäb" (= Goldwasser) erwähnt, dem der Kommentator Ibn Esra die Fähigkeit zuschreibt, Kupfer in Gold verwandeln zu können. Dieser Deutung Hegt offenbar der Anklang des Namens an das bekannte „aiirum potabile" (trinkbares Gold) zugrunde, das nach aldiemistisdicr Lehre eine wässerige Lösung des Steines der Weisen darstellt und als Panacee gegen alle Leiden angepriesen wurde. Von Abraham wissen die Bibelkommentare des aldiemistischen Schrifttums zu berichten (Dorn, Aegidius, Gutmann), dass er die Goldmacherei von Hermes in Aegypten gelernt habe, wodurdi er „zu sdiwerem Reiditum an Silber und Gold gelangt sei".3) In den Reihen der biblischen Adepten nimmt Moses eine bevorzugte Stellung ein. In Anknüpfung an den Sündenfall des israeütisdien Volkes4) wird von den aldiemistischen Exegeten die Frage erörtert, auf welche Weise wohl Moses die Verbrennung des goldenen Kalbes gelungen sei. Man wusste sdion damals, dass Gold, als Edelmetall, mit dem Sauerstoff keine stabile Verbindung bildet, also schledithin unverbrennbar ist Dem biblischen Bericht zufolge müsse also Moses der Rückbildungsprozess des Goldes zum unedlen, daher verbreuubaren Metall bekannt gewesen sein, was selbstverständlich audi seine Kenntnis vom Stein der Weisen zur Erzeugung des Goldes voraussetze. Dieser Auffassung sdiliesst sidx auch Ibn Esra an, der ein eifriger Anhänger der Alchemie war, und die Verbrennung des Goldes "durch Zusatz einer gewissen Substanz erklärlich, madien will. Es tritt wohl deutlich hervor, dass diese Auslegung ad usum delphini geschaffen wurde. Will man hier kein Bibclwunder gelten lassen, so muss man den strittigen Vorgang nicht als eine Verbrennung, sondern als einen Sdimelzprozess bezeichnen und dabei bedenken, dass in damaliger Zeit die Förderung des Goldes ausschliesslich aus Quarz- und Erzgängen erfolgte und mangels geeigneter Reinigungsverfahren die Trennung von den natürlichen Begleitstoffen (Kupfer, Arsen, Antimon) nicht möglich war. Es hinterblieb also in dem gesdimolzenen Gold eine nicht unbeträchtliche Menge der genannten Fremdmetalle, die dem Schmelzgut eine gewisse Sprödigkeit verbuchen, so dass es sidi aufs feinste vermählen liess, worauf audi in dem genannten Verse Bezug genommen wird. In späterer Zeit wird der prophetisdie Führer des jüdisdien Volkes als der Autor einer grossen Reihe magisdier Schriften gefeiert, unter denen das sogenannte 8. Budi Mosis und die „Diplosis" (Verdoppelungstedinik) eine Rolle spielen. Indessen handelt es sidi bei diesen Werken zweifellos um einen anderen, gleichnamigen Verfasser aus der alexandrinischen Epodie, von dem noch besonders die Rede sein soll. Audi König David und sein Sohn S a 1 o m o werden in den Rang der biblischen Adepten erhoben. Beide waren im Besitze geheimnisvoller Steine, die mit „Abne-Puch" benannt und von den Aldiemisten als Steine der Weisen gedeutet werden.5) Diese Steine haben sich aber als ein harmloses Erzeugnis der syrischen und palästinensischen Kosmetik entlarven lassen, das der damaligen Frauenwelt als Augcnsdiminke diente.0) Audi der im Buche der Könige7) erwähnte „Eben jekärah", der kostbare Stein, den Salomo von der Königin von Saba zum Geschenk erhielt, dürfte weniger als lapis philosophorum, denn als wertvoller Zierstein anzusprechen sein. In dieser Weise sind nahezu alle namhaften biblischen Gestalten in Beziehung zur Aldiemie gebracht worden, wenn dieses Verfahren auch mit den gewagtesten Fehldeutungen des alttestamentarischen Textes verbunden war. Wenn man die Collectaneen des Jodianan Alemanno, den Keren Hemed des I. Reggio, die Schriften des Paracelsus und vieler anderer studiert, so findet man die entsprechenden Belege für einen jeden jüdischen Propheten in Beziehung auf irgend einen Schriftvers, in welchem * von gehäuften Gold- und Silber- 3) Genesis, 13, 2. 4) vgl.: Exodus Kap. 32. s) vgl.: Chronik I, 29,2. *) vgl.: Könige II, 9,30, Jeremias 4,30. Ezediiel 23,40. 7) vgl.: Könige I, 10,2. ' sdmtzen und kostbaren Steinen die Rede ist. Als Kuriosura sei nodi eine Auslegung der Namen der Töditcr von lliob erwähnt, nämlidi „Keziah" und „Keren Happuch", womit zwei Gerätsdiaften der aldiemistisdien Werkstatt bezeidinet wurden. Auf greifbarere, historisdie Unterlagen stossen wir aber, wenn wir in der ägyptischgriechischen Epoche (1.—8. Jahrh.) nach jüdischen Aldiemisten fahnden. So finden wir nadi Berichten der Sdiriftsteller Zosimos und Georgios Synkellos, dass um diese Zeit eine Jüdin Maria, Maria Hebraica, im Kreise der Adepten hohes Ansehen genoss. Sie wird mit Mirjam, der Sdiwester des Moses identifiziert, was aber zweifellos eine Mystifikation der gleidien Tendenz ist, wie sie den aldiemistisdien Bibelkommentaren zugrundeliegt. Dass sie Jüdin war, beweist Berthelot8) auf- Grund ihres eigenen Ausspruches in einem ihrer Werke: „Berühre nicht den Stein des Philosophen mit deinen Händen, denn du bist nidit vom Stamme Abraham". Maria wird als eine reidie und gelehrte Frau geschildert, die bei den Tempelpriestern von Memphis in die Lehre ging. Ihr werden im besonderen tedinologisdie Fälligkeiten zugesprochen, die sie im Bau von Kodi- und Dcstillationsapparaten aus Metall, Ton und Glas erfinderisdi betätigt. Auf sie wird auch die Entdeckung des Wasserbades zurückgeführt, das nodi heute als Balneum Mariae, „Marienbad" angeblich nach ihr benannt ist. Auch erwähnt sie zum ersten Male die chemische Verbindung der Salzsäure. Von gleicher Bedeutung, wenn auch weniger praktisch als theoretisch veranlagt, ist Marias Namensbruder Moses, ein Vertreter der alexandrinisdien Epodie. Der historische Zufall, der die beiden gesdiichtlidi miteinander verbundenen Namen in dem gleidien Zeitalter gepaart hat, lässt wohl die oben erwähnten Identifizierungen mit den biblischen Gestalten verständlidi ersdieinen. Von dem Moses der ägyptisch-griediisdien Periode, meistens „Pseudo-Moses" genannt, kennen wir auf Grund griediischer Handsdiriften aldiemistisdie Werke. Seine Bedeutung hat er als Verfasser der sogenannten „Diplosis" oder Verdoppelungstedinik, einer Schrift, in der ein Verfahren zur Verdoppelung einer gegebenen Goldmenge besdirieben ist. Die Arbeitsweise mutet uns etwas sonderbar an, wenn wir hören, wie durch Behandlung von> persischem Kupfer, sowie einer Legierung von Blei mit Kupfer, Sdiwefel, Arsen, Rettigöl und etwas Gold das Verdoppelungswunder vollführt worden sei. Dieses AVerk trägt audi vielfadi den Namen: „Sdilüssel des Mose" oder „adites Budi Mose" und weist jedenfalls einen starken jüdisch-monotheistischen Einsdilag auf, so dass der jüdische Ursprung seines Autors ausser Zweifel steht Unter den jüdisdien Adepten der arabischen Periode (8.—13. Jahrh.) sind Kalid ben Jazidii, Isaac Israeli und Artepius hervorzuheben. Von Kalid ben Jazidii kennen wir eine Schrift, die sich „Sodoth Hasahab" (Geheimnisse des Goldes) betitelt und uns nur in arabischer und lateinischer Uebersetzung vorliegt, da der hebräisdie Urtext verloren ge-' gangen ist. Isaacus verdient als Autor eines aldiemistischen Werkes der Erwähnung, welches von dem bekannten Botaniker Linne zitiert wird. Artepius lebte im 12. Jahrhundert und war angeblich ein getaufter Jude. In seinen Sdiriften rühmt er sich als Besitzer des Steines der Weisen, durch dessen geheimnisvolle Kraft er das unwahrsdieinlidie Alter von über 1000 Jahren erreicht haben will. Bemerkenswert ist ein von ihm geschildertes und angeblich erfundenes Verfahren der Goldgewinnung, das sich durdiaus den Prinzipien einer moderneren Technik anschliesst Ihm zufolge wird das Gold des oberen Nils in haarigen Ziegenfellen aufgefangen und mittels Quecksilber, mit dem es sich zu dem bekannten Amalgam verbindet, angereichert. Gegenüber allen diesen Berichten aber ist kritische Zurückhaltung geboten, da uns die Urschriften der Autoren fast niemals vorbegen und sich alle historisdie Kenntnis auf Uebertragungen ins Lateinische aus einer späteren Zeit beruft Dass dabei mit einer exegetischen Freizügigkeit zu Werke gegangen wurde, die nicht im- B) Berthelot, les origines de 1'Alchimie, Paris 18S5.

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