Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 9 (1930-1931)
- Issue
- 4 (12.1930)
- Date
- 1930-12-01
- Page
- Seite 121 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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121 und den Haushalt der rituell lebenden Gemeindemitglieder doppelt schwer belasten. Die Fraktion hält es für möglich, namentlich den Preis für rituell geschlachtetes Fleisch erheblich zu senken und fragt, waa der Vorstand in dieser Sache zu tun gedenkt. Herr Dr. Frenkel begründet die Interpellation und weist darauf hin, dass es dringend erforderlich ist, die Monopolpreise der unter Ritualaufsieht stehenden Betriebe mit allen Mitteln zu drücken, nachdem sich diese freiwillig zu einem fühlbaren Preisabbau bisher nicht verstehen konnten. Gemeindevertreter Levita erläutert hierzu die Schwierigkeiten bei der rituellen Fleischversorgung namentlich dann, wenn geschlachtete Tiere in grösserem Masse trefo werden und versichert, dass ein Preisabbau in dem rituellen Metzgergewerbe so bald als irgend möglich kommen werde. Namens des Vorstands erklärt sich Herr Willy Mainz zur sofortigen Beantwortung der Interpellation bereit. Die Angelegenheit sei seit einer Reihe von Jahren sowohl im Vorstand als auch in der Ritualkommission Gegenstand eingehender Beratungen, bisher mit negativem Erfolg. Die Aufsichtsmetzger hätten zwar die Verpflichtung übernommen, für Koseherfleisch, keine höheren Preise als die Innungspreise zu nehmen und diese Verpflichtung auch eingehalten. Sie seien jedoch im Gegensatz zu ihren übrigen Fachkollegen nicht unter die von.der Innung vorgeschriebenen Maximalpreise heruntergegangen. Es werde seit langem erwogen, wie diesem Zustand abzuhelfen sei. Bei den Pessachwaren sei ein Preisabbau besonders schwierig, weil hier zwei Firmen für ganz Deutschland die Preise bestimmten und es bisher verstanden hätten, ihre Monopolstellung auszunützen. Vorstand und Ritualkommission seien bemüht, eine Lösung dieser Fragen zu erzielen. Nadidem Herr Emil Carl Oppenheimer vom Gemeindevorstand noch den Standpunkt der rituell geführten Anstalten, besonders des Krankenhauses der Gemeinde dahingehend präzisiert hatte, dass das Krankenhauspflegamt künftig zur Selbsthilfe schreiten werde, wenn sich die in Frage stehen-' den Lieferanten nicht zu weitgehenden Preisermässigungen bereit finden würden, wird auf Antrag des Herrn Rechtsanwalt Simon zur Prüfung dieser Angelegenheit eine gemischte Kommission mit dem Rechte der Zu wähl von Sachverständigen und Interessenten eingesetzt und der Vorstand gebeten, seine Delegierten in diese Kommission zu entsenden. Hieran schloss sich eine nichtöffentlicheSitzung. Aussprache. Die Preise ritueller Lebensmittel. Es ist bekannt geworden, dass in der letzten Sitzung der Gemeindevertretung (vgl. auch den Sitzungsbericht in dieser Nummer. Schriftl.) über die Preise der rituellen Lebensmittel verhandelt wurde. In weiten Kreisen der rituell lebenden Gemeindemitglieder herrscht seit langem Erregung über die Preispolitik, die auf diesem Gebiet von einigen Monopolfirmen getrieben wird. Der von der Gemeinde eingesetzten Kommission kann nur empfohlen werden, einmal eine statistische Erhebung darüber zu veranstalten, wie sich die Preise der Aufsichtsfirmen zu denen der nicht jüdischen Firmen verhalten. Einsender dieses hat z. B. festgestellt, dass in einem Auf Sichtsgeschäft das Pfund Pökelfleisch mit RM 4.40 und das Pfund gesalzene Zunge mit RM 6.40 beredinet wird, während die. entsprechenden Preise in einem e r s t k 1 blas i g e n nid^j wüschen Geschäft RM 2.80 für das Pökelfleisch und RM. 4.80 für die Zunge betragen. Bei derartigen Preisunterschieden darf man sich in heutiger Zeit nicht wundern, wenn der eine oder andere Familienvater sich beim Bezug seiner Waren nicht mehr auf Aufsichtsgeschäfte besdiränken kann. Auch ist bekannt, dass man in der näheren Umgebung Frankfurts in Orten mit durchaus zuverlässiger Schechita prima Ochsenfleisdi für 0.90 das Pfund beziehen kann, während es hier RM 1.30 kostet. Ebenso krass liegen die Dinge auf dem Gebiet der Pessachwaren, wo das Monopol noch viel stärker in die Ersdieinung tritt. , Wäre es nicht möglich, durch irgendeine Organisation nach Art der Konsumvereine diesen unhaltbaren Zustanden ein Ende zu machen? Wenn eine soldie Organisation grosszügdg. und für ganz Deutschland aufgebaut würde, dann wäre zugleich auch mandier tüchtige z. Zt. stellenlose Kaufmann, unterzubringen. Die Führer des konservativen Judentums haben alles Interesse daran, dieser Frage ihre ernsteste Aufmerksamkeit zu widmen und anstelle jahrelanger Verhandlungen einmal energisch durchzugreifen. Ein Familienvater. Aus den Gemeinden Deutschland. Berlin. Da der Anregung angesichts der Not der Zeit und der ungeheuren Mittel, die der Wahlkampf versdilingt, die Wahlen für die Rcpräsentautenversuinmlung und den „Preussischen Landesverband Jüdischer Gemeinden'* zu verschieben, nicht stattgegeben wurde, linden die Wahlen nun doch statt. — Die Konferenz des lnitiativkommitees der „J e w i s h A g e n c y", weldie am 18. XI. in Berlin stattfand, war von Mitgliedern aus allen Teilen des Reiches, sowie von zahlreichen Gästen besucht. — Unter dem Vorsitz von Reditsanwalt Dr. Oskar Cohn hielt der Reichsvorstand der „H a u p t s t e 11 e für jüdische Wanderfürsorge" und der „Vereinigten Zentrale für jüdisdie Arbeitsnadiweise" am 16. XI. seine diesjährige Tagung ab. — Die von der „Jungjüdischen Friedensgemeinschaft" unter dem Namen „Hillel-Schule" begründete „Schule des Friedens" will zur Verwirklidiuug des prophetischen Friedensideals beitragen. Sie wurde kürzlich durch eine kleine Feier eröffnet. — Die Ausstellung „Kunst und Form", bei deren Eröffnung Professur Dr. Paul Tillich- Frankfurt a. M. einen Vortrag über die Beziehungen zwischen religiösem Erleben und künstlerischem Gestillten hielt, enthält auch eine Anzahl moderner jüdisdier Kultgeräte. — Mit einem Nachruf auf den kürzlich verstorbenen Professor Dr. Eduard Baneth eröffnete Dr. Chanoch Albeck, der Vorsitzende des Dozentenkollegiums der „Hochschule für die Wissenschaft des Judentums" das neue Semester. In seiner Ansprache betoute Dr. Albcck, das^ die ausserordentlidie Zunahme der Hörer augenblicklidi 140 — das so notwendige Zusammenarbeiten von Dozenten und Hörer stark beeinträditige. — Kürzlich wurde das Olga Stern-Haus des Jüdisdien Frauenbundes, eine von Direktor J. Stern zum Andenken an seine verstorbene Gattin — zu ihren Lebzeiten eine bekannte Sozialarbeitern und Wohltäterin — in feierlidier Weise eingeweiht. — In einer vom „Deutschen Bund zum Sdiutze der abendländischen Kultur" einberufenen, von etwa 5000 Personen besuchten Versammlung spradi gegen den Bolschewismus nach Vertretern christlicher Konfessionen Rabbiner Dr. Rosenthal-Köln. Seine Ausführungen ernteten grossen Beifall. — Am 28. X. hätte Hugo P r e u s s, der vor 5 Jahren verstorbene Schöpfer der Verfassung des Deutschen Reiches, seinen TO. Geburtstag begehen können. — Aus Anlass des 60. Geburtstages Jacob R o s e n h e i m s, des Präsidenten der Weltorganisation „Agudas Jisroel", veranstaltete die Berliner Ortsgruppe der Aguda eine Feier, in deren Mittelpunkt ein Vortag von Dr. Maximilian Landau KAISERSTRASSE 27 Ecke Neue Mainzerstrasse.