Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 9 (1930-1931)
- Issue
- 3 (11.1930)
- Date
- 1930-11-01
- Page
- Seite 65 (sequence 11)
- Language
- German
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65 120 Kinder erholen sich. Der Jüdische Kinderhort, Bleichstr. 8, veranstaltete in den Sommerferien Ferienspiele für schulpflichtige Knaben und Mädchen. Die Kinder fuhren jeden Tag um %9 Uhr im Sonderwagen, den die Strassenbahndirektion mit Fahrpreisermässigung zur Verfügung stellte, hinaus. Erfahrene Hortnerinnen begleiteten den Transport. Das Städtische Luftb'ad im Rieder wal d war der Lagerplatz, sehr schön im Wald gelegen, und 'dort entwickelte sich täglich ein buntes und vergnügtes Leben. Eine Zeltfabrik hatte uns liebenswürdigerweise ein Zelt, Tische und Bänke zur Verfügung gestellt. Das Zelt war der eigentliche Sammelpunkt. Die Nebenmahlzeiten, 2. Frühstück und Vespermahlzeit wurden dort ausgegeben. Im übrigen konnten die Kinder sich herumtummeln wie und wo sie wollten. Das Luftbad besteht aus einer riesigen Wiese, auf der Turngeräte, Planschbecken und Duschen für Zerstreuung sorgten. Ein grosser Fussballplatz vor dem Luftbad bildete natürlich das Entzücken der grossen Buben. Um die Erzieherinnen bildeten sich je nach Neigmng der Kinder kleine Gruppen, die sich zu Gymnastik, Volkstänzen, Erzählen usw. zusammenfanden. Aus sich heraus veranstalten hierfür Begabte Zirkusvorstellungen, die sich des lebhaften Beifalls auch der übrigen Luftbadbesucher, erfreuten. Brettspiele und Tischtennis stellte der Hort zur Verfügung, damit auch die ruhigeren Elemente unter der sehr beweglichen Schar Beschäftigung finden ■ >,}i < V ' \ ' ' <L M*%£. ^iJ <o \ * "k-m * * konnten. Die Mittagsmahlzeit wurde in einer naheliegenden Gastwirtschaft eingenommen. Im schattigen Garten bei gutem Wetter: bei Regen assen alle in den grossen Räumen, die ebenfalls zur Verfügung standen. Das Essen wurde von der Suppenanstalt geliefert, der Obstlieferant des Hortes beförderte es in Termophoren mit dem Obst, das stets als Nachtisch gereicht wurde, per Lastauto heraus. Das nötige Geschirr hatte der Hort beschafft, die Reinigung übernahm immer eine der Erzieherinnen, sehr eifrig unterstützt durch die Kinder. Nach dem Essen war eine Stunde Lieger u h e, von den Kindern wenig geschätzt, weil der Hort keine Liegestühle besitzt und das Liegen nur auf einer Decke auf dem Boden wirklich nicht sehr bequem ist. Wir hoffen sehr stark, dass sich Gönner finden, die diesem Uebelstande bis zum nächsten Jahr abzuhelfen versuchen. Durch das feuchte Wetter wurde die Liegestunde zwar oft hinfällig, obwohl sie für die Erholung sehr bedeutsam ist. Im übrigen liessen wir uns durch das Wetter wenig stören. Wir blieben bis auf zwei halbe Tage immer draussen. Die Erholung war ausgezeichnet, vielleicht besser als sie bei grosser Hitze gewesen wäre. Die Kinder wurden abgehärtet, Erkältungen, mit denen man hätte rechnen können, kamen nicht vor. Wir liessen den Kindern grösstmögliche Freiheit; der Zwang fiel fort, und nicht Disziplinlosigkeit war die Folge, sondern das Gegenteil; das Verhalten der Kinder war in jeder Beziehung einwandfrei. Davon konnten sich die Damen und Herren des Vorstandes und der jüdischen Wohlfahrtspflege, die uns verschiedentlich besuchten, überzeugen. Alle sprachen sich stets lobend und anerkennend über die Ferienspiele aus. Ein Abschiedsfest der Kinder mit Umzug, Musik, Vorführungen und zum Schluss grossem Eisessen, beschloss die Ferienspiele. Der vielfach ausgesprochene Dank von Eltern und Kindern zeugte davon, dass die Arbeit richtig geleistet worden ist. Der Hort allein kann bei den laufenden grossen Aufwendungen, die der Betrieb erfordert, die Mittel nicht aufbringen. Durch die Zusammenarbeit der verschiedenen Stellen, die an den Ferienspielen interessiert waren, hauptsächlich durch die Abteilung Jugendfürsorge der Jüdischen Wohlfahrtspflege, gelang es, die beträchtlichen Mittel, die erforderlich waren, wenn auch unter ziemlichen Schwierigkeiten, zusammenzubringen. Auch die Isr. Gemeinde gewährte auf Anregung der jüdischen Wohlfahrtspflege hin, einen erheblichen Zuschuss, der schon dadurch gerechtfertigt ist, weil es sich, wie das Einsetzen der jüdischen Wohlfahrtspflege beweist, um die Fürsorge für die Kinder der wirtschaftlich schwächsten Gemeindemitglieder handelt. Der Hort selbst trug'einen Teil der Mehrkosten, übernahm die umfangreichen Vorbereitungen und die Organisation des Ganzen. Der Erfolg rechtfertigte alle Mühe und Anstrengung, die Kinder haben sich ausserordentlich gut erholt, sind frisch und gekräftigt, ein Beweis dafür, dass die überall propagierte örtliche Krholungsfürsorge und Luftbadpflege Förderung verdient. Annemarie Laquer, Jugendleiterin. Eine erfreuliche Statistik. In der Hauptsynagoge wurden am Versöhnungstage zu Schachris sechs Herren aufgerufen, die zusammen 512 Jahre zählten; der älteste steht im 92., der nächstjüngere im S8. Lebensjahre und ist ein Kriegsveteran von 1870/71. Der witzige Grossherzog. Im Jahre 18U hatten sich dreizehn jüdische Familienväter wegen Befreiung ihrer Söhne vom Militärdienst mit einer Bittschrift an Carl von Dalberg, den damaligen Grossherzog von Frankfurt, gewandt. Die Eingabe war dem Regierungskommissar für die jüdischen Angelegenheiten, Kübler's Hanna Die Schlupfhose der Dame reinwollen Vi gestrickt enganliegend praktisch warmhaltend kurze Beine Gr. 4-2 lange Beine Gr. 42 Meine Auswahl in Farben u. Extra¬ Grössen ist nicht zu übertreffen. Spezialgeschäft für Qualitätsware Goethestr. 17 Bergerstr. 181 Hasengasse 2