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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1930-09-01 · 1-2 (9.1930) · p. Seite 29

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
9 (1930-1931)
Issue
1-2 (9.1930)
Date
1930-09-01
Page
Seite 29 (sequence 31)
Language
German
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29 Wohlfahrtspflege. Die vorliegende Nummer enthält einen Aufruf der „Jüdischen Wohlfahrtspflege Frankfurt a. M.", auf den wir ganz besonders hinweisen; haben auch Wohlfahrtsvereine in Stadt und Gemeinde ein ganz besonderes Anrecht, in dieser Zeit der Not die Hilfe aller derer zu erbitten, die noch zu geben im Stande sind, so ist doch keine Institution der Wohlfahrtspflege unserer Gemeinde so sehr auf die tätige und weitreichende Mithilfe aller derer angewiesen, die dazu noch irgend in der Lage sind, wie die „Jüdische Wohlfahrtspflege Frankfurt a. M." Keiner, der noch, einen Rest letzten sozialen Empfindens hat, darf sich dem verschliessen. Was der Aufruf sagt, ist ein sehr zurückhaltender und milder Ausdruck für die furchtbare Lage in der sich so viele unserer Besten befinden. Wir sind dessen gewiss, dass sich namentlich in dieser Feiertagszeit keiner, der selbst in der Lage ist. die Feste würdig zu feiern, davon ausschliessen wird, einen der Bedeutung der Sache entsprechenden Beitrag zu leisten. Die Postschecknummer der „Jüdischen Wohlfahrtspflege Frankfurt a. M." ist 54S95, das Bankkonto bei der Deutschen Effekten- und Wechselbank, Kaiseistr. 30. Rabbinische Lehranstalt „Jeschiwa". Das Wintersemester an der Rabbinischen Lehranstalt „Jeschiwa" beginnt am Mittwoch, den 22. Oktober. Anmeldungen für alle vier Abteilungen (Vorbereitungsklasse, Unter-, Mittel- und Oberstufe) werden schon jetzt entgegengenommen. Die Lehranstalt verfolgt den Zweck: 1. schulentlassenen Jünglingen auf traditionell gesetzestreuer Grundlage Fortbildungsunterricht in den jüdischen Religionswissenschaften zu erteilen, 2. junge Leute, die sich dem Berufe eines Rabbiners, Religionslehrers oder Kultusbeamten widmen wollen, durch Studium des biblisch-talmudischen Schrifttums für ihren Lebensberuf vorzubereiten. Der Unterricht erstreckt sich auf Bibel, hebr. Grammatik, Talmud mit Kommentaren und Schulchan-Aruch. Den Schülern wird eventl. Gelegenheit geboten, sich in profanen Fächern unter fachgemässer Leitung fortzubilden. Anmeldungen sind an den Leiter, Timm Rabbiner Dr. J. Hoffmann, Frankfurt a. M., Börneplatz 16, zu richten, welcher zu jeder näheren Auskunft bereit ist. Das Kuratorium der Rabbinischen Lehranstalt. Talmud Thora-Verein. Der Unterricht in allen Abteilungen hat wieder begonnen. Der Talmud Thora-Verein hat es sich zur Aufgabe gesetzt, jüdisches Wissen in weitestem Ausmass unserer Jugend zu vermitteln. Es sind Unterrichtskurse für Knaben, Mädchen, junge Leute, Studenten und für Erwachsene eingerichtet. Der Unterricht wird planmässig und individuell nach modernen Lehrmethoden von bewährten Lehrkräften kostenlos erteilt Es ist daher die Gewähr vorhanden, dass ganz besonders den Kindern solide und gediegene Kenntnisse der jüdischen Lehre vermittelt werden. Das Arbeitsprogramm für das Wintersemester ist wiederum wesentlich bereichert. Neben den am Freitag, den 18. Oktober beginnenden Lehrvorträgen in den Synagogen am Börneplatz und Hermesweg wird Herr Rabbiner Dr. Hoffmann am Samstag, den 25. Oktober seinen Kursus über „Die Ethik des Judentums nach den Sprüchen der Väter" fortsetzen und ausserdem jeden zweiten Sonntag abends 18 Uhr Vorträge über die Psalmen halten. Lehrfächer': Tfillo, Chumisch, Chumisch mit Raschi, Tnach, Mischna, Gemoro, hebr. Grammatik und hebr. Schreiben. Lehrkräfte: Rabbiner Donath, Dr. Eschwege, Dr. J. Unna, M. Hes, Rosenwasser, Rothenberg. Unterrichtszeiten: für Knaben und Mädchen täglich ab 3 Uhr nachm., für junge Leute ab 7 Uhr abends. Arbeitsgemeinschaftfür Studenten: Leiter Herr Dr. Schlesinger, jeden Dienstag von 8—9 Uhr abends Theobaldstrasse 6. Anmeldungen täglich -im Büro Theobaldstrasse 6. 4^»f*£ Das einzige Brot aus gewaschenem und enthülstem Getreide. Daher seine überaus große Bekömmlichkeit. Arbeitsgemeinschaft. Die Ortsgruppe des Jüdischen Frauenbundes hat in den letzten Jahren wiederholt ihre Mitglieder zu Arbeitsgemeinschaften vereinigt; selten aber hatte sie wie diesmal das Glück, einen für diese besondere Form der Mitteilung von Wissen so hervorragend geeigneten Leiter zu finden wie Herrn Dr. Ernst Simon (Jerusalem). Das Thema „Philosophie d e r B i b e 1" sollte auf die hohen Feiertage vorbereiten und den Teilnehmerinnen die Grundhaltung der Bibel zu den Fragen der Schöpfung, Erlösung und Offenbarung klar machen — ein in drei Stunden vor einem ungleiehmässig vorbereiteten Hörerkreis kaum zu bewältigendes Thema! Und es wurde auch nicht „bewältigt"; sondern Dr. Simon gab eine scharf durchdachte Disposition mit den entscheidenden Belegstellen, die — möglichst im Urtext gelesen — den gewaltigen Stoff so gruppierten, dass in nachschaffender Arbeit vor dem Hörer sich die einheitliche Grundhaltung der Bibel offenbarte. Zuweilen dienten auch Zitate aus dem nachbiblischen und dem nichtjüdischen Schrifttum dazu, die spezifisch biblische Auffassung etwa des Erlösungsbegriffes noch klarer herauszuarbeiten und seine Entwicklung zu zeigen. Wohl jeder Teilnehmer hat gefühlt, was es bedeutet, wenn ein geborener Pädagoge solch eine Arbeitsgruppe leitet und mit Bedauern daran gedacht, dass es nur kurze drei Stunden waren, die er dem Frauenbund widmen konnte. Für jeden Teilnehmer ergab sich aber auch die innere Verpflichtung, den angeschlagenen Gedankenreihen an der Hand der so besonders gut ausgewählten Textstellen weiter nachzugehen — was dann die rechte Vorbereitung auf die hohen Feiertage sein soll. Dr. Dora E d i n g e r. Arbeitsgemeinschaft für jüdische und kulturelle Interessen. Die Arbeitsgemeinschaft, die sich zum Ziele setzt, ideale Weiterbildung und allgemeine Wissensverbreiterung unter jungen Menschen zu fördern, feierte am 30. Juli ihr einjähriges Bestehen. Herr Max Hahn gab als Gründer und Leiter einen Ueberblick über die verflossene Tätigkeit, er skizzierte den Kernpunkt und den Sinn der lehrreichen Abende, die stets den Besuch einer grossen Anzahl junger Menschen aufwiesen, die nach schwerer Alltagsmühe diese anregende geistige Ausspannung mit lebendiger Diskussion dankten. Gesangverein. Der Jüdische Männergesangverein ,.H a s o - m i r" hat mit dem 16. August seine regelmässigen Proben wieder aufgenommen, die jeden Samstag abend im Vereinslokal Zeil 44 T. stattfinden. Die Proben der nächsten Wochen dienen der Vorbereitung eines grossen jüdischen Konzertes, das noch im Herbst unter der Leitung des Dirigenten Leo Rosenblüth im Saalbau stattfinden soll. — Neuanmeldungen nur Merianstr. 53 II. Jüdischer Turnerbund. Das Winterprogramm 1930/31 sieht folgende Veranstaltungen vor: Herren: Sonntags, von 8—9 Uhr vorm. städt. Schwimmbad, Sonntags, von 9—12 Uhr vorm. kleine Ostparkwiese, Donnerstags, von 8.30—10 Uhr abends Annaschule, Rechneigrabenstrasse. — Jugend: Donnerstags, von 8.30 bis 10 Uhr abends Annaschule, Rechneigrabenstrasse. — Alte Herren: Mittwochs von 8.30—10 Uhr abends Annaschule, Rechneigrabenstrasse. — Knaben: Dienstags von 6—7.30 abends Annaschule. Rechneigrabenstrasse. — Damen : Donnerstags von 8.50—10 Uhr abends Liebfrauenschule, Schäfergasse. — Mädchen: Abteilung I. bis 11 Jahre: Mittwochs von 4.30—5.30 Uhr nachm. Abteilung II. ab u Jahre Mittwochs von 5.30—7 Uhr nachm. Annaschule, Rechneigrabenstrasse. — Frauen: Mittwochs von 7.30—9 Uhr abends S. R. Hirschschule am Tiergarten. Ferner Heimabende und Wanderungen. Vereinsadresse: Hermannstr. 17. Berufsberatung und Arbeitsnachweis für Juden E. V. Langestrasse 50pt. Telefonruf jetzt: Hansa 26162 Arbeitsvermittlung. Wir richten an alle Arbeitgeber die dringende Bitte, offene Stellen aller Berufe uns sofort zu melden. Es melden sich bei uns ständig in grosser Zahl tüchtige kaufmännische Angestellte aller Branchen, sowie gelernte und ungelernte Arbeiter. Hilfsarbeiter aller Art.

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