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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1930-08-01 · 12 (8.1930) · p. Seite 478

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
8 (1929-1930)
Issue
12 (8.1930)
Date
1930-08-01
Page
Seite 478 (sequence 14)
Language
German
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478 bekannte Berliner Architekt ErichMendelsohn zum Ehrenmitglied der „Ardiitecturale Association" ernannt. — Für seine verdienstvollen Arbeiten auf dem Gebiet der Bibelexegese hat die Britische Akademie dem hervorragenden jüdischen Gelehrten und Philanthropen Claude Goldsmid Montefiore die „Medaille für biblische Studien" verliehen. — Zum Präsidenten des neu gegründeten „Komitees zur Förderung des wirtschaftlichen und physischen Wohles der Juden Osteuropas" wurde Lord Lionel Walter Rothschild ernannt. — Der Sekretär der englischen Kolonialregierung in Sierra Leone, Mark Aitchison Young, wurde anstelle von H. C. Luke zum Chef Sekretär der Palästinaregierung ernannt. — Lublin. In Anwesenheit von mehr als 10 000 Personen wurde die „J-eschiwoth Chochme Israel" eröffnet. — Mailand. Zum Nachfolger des verstorbenen Generaldirektors der Scala wurde Anita Colombo, eine bekannte jüdische Violinistin und ehemalige Sekretärin des berühmten Kapellmeisters Toscanini, ernannt. — Melbourne. Im Alter von 100 Jahren verstarb Mrs. Morris Jacobs, die Begründerin der für die Erforschung der australischen Provinz Victoria wichtigen Stadt Geelong. — Moskau. Die Getreideernte in den jüdischen Kolonien der Ukraine wird in diesem Jahre auf 5 Millionen Pud geschätzt; im Jahre 1929 betrug sie nur eine Million Pud. — Zwecks Schaffung grosser industrieller Unternehmungen, in denen im Laufe des Jahres 1951 etwa 175 000 Juden aus den verarmten jüdischen Städten der Ukraine beschäftigt werden sollen, hat die Sowjetregierung eine Summe von 5 Millionen Rubel zur Verfügung gestellt. — Bis zum Ende des Jahres 1929 wurde in der Sowjet-Union (ausser Biro Bidschan) 529 400 Hektar Boden der jüdischen Kolonisation zugewiesen. Dieses Gebiet ist für 38 464 Familien (ca. 190 000 Personen) bestimmt. 30 058 Familien wurden bereits angesiedelt. Zusammen mit den aus der zaristischen Zeit bestehenden jüdischen Kolonien beläuft sich die Zahl der auf dem Gebiete der Sowjet- Union in der Landwirtschaft beschäftigten Juden auf 240.000 Personen. — Paris. Kürzlich beging die „Societe des Etudes Juives" das Jubiläum ihres 50jährigen Bestehens. Das in Metz begründete Rabbiner-Seminar, aus dem die hervorragendster. Vertreter des französischen Judentums, u. a. der jetzige Oberrabbiner von Frankreich Israel Levi hervorgegangen sind, konnte in diesem Jahre auf ein lOOjähriges Bestehen zurückblicken. — Im Alter von 66 Jahren verstarb DanielPasmanik, einer der Führer der zionistischen Bewegung in Russland und Verfasser des Werkes „Die Seele Israels". — Sidney. Der jüdische Stadträt Joseph Marks, Führer der bürgerlichen Reformpartei, wurde zum Lord Mayor von Sidney, der Hauptstadt Australiens, gewählt. Palästina. Mit Erlaubnis des britischen Oberkommissars von Palästina dürfen die verboten gewesenen arabischen Zeitungen „Feiestin" und „AI Jamea el Arabia" sowie die hebräische Tageszeitung „Doar Hayom" wieder erscheinen. — In der „Vereinigung palästinensischer Arbeiterinnen (Moazath hapoaloth)" sind ungefähr 11000 jüdische Mädchen und Frauen organisiert. — Zur Errichtung eines Schlachthauses hat der Magistrat der Stadt Tel Aviv eine Anleihe aufgenommen. Verständigung. Nachstehender Vorschlag soll ein tastender Versuch sein, die thoratreuen Kreise der verschiedenen- Richtungen in Frankfurt a. M. einander zu nähern. Es existieren in Frankfurt a. M. zwei Gemeinden, die Israelitische Gemeinde und die Synagogengemeinde „Israelitische Religionsgesellschaft". Bei der ersteren kommt das Prinzip der Einheitsidee im Judentum zum Ausdruck, während die Religionsgesellschaft auf der von Samson Raphael Hirsch s. A. vertretenen Forderung des Austritts aufgebaut ist Obwohl eine Zugehörigkeit zu beiden Gemeinden durchaus möglich ist, wird man bei Würdigung beider Ideen verstehen müssen, dass ein überzeugter Anhänger der Einheitsidee nicht Mitglied der Austrittsgemeinde werden will, während man andererseits begreifen kann, dass ein Verfechter der Austrittsidee nicht Mitglied der Einheitsgemeinde werden will. . - Trotz der nun einmal bestehenden Divergenz dieser beidenAuffassungen wird man jedoch einen Weg finden müssen und . können, um die doppelten Einrichtungen der Gemeinden wie z. B. Wohltätigkeitsinstitutionen, Talmudsorgt für geregelte Verdauung! Tkora-Unterrieht, Schechita, Krankenhaus und evtl. Schulwesen zu vereinigen, ohne dass die Selbständigkeit einer der beiden Gemeinden darunter leidet. Warum soll es z. B. nicht möglich sein, einer unabhängigen Ritual kommission die Schechita für ganz Frankfurt zu übertragen? Es unterliegt doch gar keinem Zweifel, dass die Einhaltung der Vorschriften des Sdrulchan Aruch hinsichtlich der Schechiita mit der Verschiedenheit der bestehenden Auffassungen in der Gemeindepolitik absolut nichts zu tun hat. Es finden allerorts Besprechungen statt, um der katastrophalen wirtschaftlichen Lage, die sich bei sabbathaltenden Juden besonders stark bemerkbar macht, Herr zu werden. Vorschläge, wie etwa die Errichtung von Leihkassen, scheitern meistens an dem Mangel des hierzu notwendigen Kapitals. Die infolge der gemeinsamen Arbeit gewonnenen Ersparnisse könnten zum Wohle wirtschaftlich schwacher Kreise verwandt werden. Wie ein derartiges Zusammenarbeiten vor sich gehen niüss, unter Berücksichtigung aller Ansichten, muss von Berufeneren untersucht werden. Die Mitglieder der jüdischen Gemeinden haben aber ein Redit darauf, von ihren Führern zu verlangen, dass sie zum mindesten den Weg zu einer Verständigung suchen. Von einer solchen Verständigung auf Basis einer gemeinsamen Arbeit, die die Möglichkeit der Selbständigkeit der Gemeinden zulässt, kann nur Segen erwachsen. Von Seiten der Austrittsorthodoxie wird zu obigem Vorschlag entgegnet werden, dass man ein Werk von Samson Raphael Hirsch s. A. von der geringsten Annäherung an Organisationen, die die Austrittsidee nicht vertreten, fernhalten müsse, weil sonst diese Idee an Reinheit verliere. Niemand kann aber beweisen, dass nicht Hirsch heute zu Konzessionen bereit wäre. Die Rücksicht auf die wirtschaftliche Lage und der Hass, den der dauernde Kampf zwischen beiden Parteien erzeugt, hätte ihn vielleicht zu einer Aenderung seiner Ansicht geführt, nadidem sein Ziel bereits erreicht ist. Dieses bestand darin, darzutun, dass die Verselbständigung der Orthodoxie möglich ist. Es ist audi nodi eine Frage, ob er überhaupt eine Verständigung unter den heutigen Verhältnissen als eine Konzession betrachtet hätte. Ist nicht vielmehr heutzutage eine Zusammenarbeit eine Pflicht, um dadurch die verschiedenen Institutionen vor dem beinahe unvermeidlidien Untergang zu retten? Gelingt es zwischen den Parteien eine Verständigung herbeizuführen, so wird hieraus ideeller und materieller Segen erstehen. Was wir aber unbedingt von den Führern verlangen müssen, ist das Streben nadi Verständigung und Frieden, damit audi unsere täglichen Gebete um Frieden eine praktische Konsequenz erhalten. Carl Weil. Nachbemerkung. Wir veröffentlichen die vorstehenden Darlegungen an dieser für Aussprachen bestimmten Stelle, weil der behandelte Gegenstand seit einiger Zeit vielfach erörtert wird. Ohne irgendwie zu der Anregung selbst Stellung zu nehmen, möchten wir feststellen, dass die Behauptung von einem; „dauernden Kampf" und dadurch erzeugtem „Hass" zum mindesten eine Uebertreibung ist. Sdiriftl. Rabbinische Lehranstalt „Jeschiwa". Das Wintersemester beginnt am Mittwoch, dem 22. Oktober 1930. Anmeldungen für alle vier Abteilungen (Vorstufe, Unter-Mittel- und Oberstufe) werden schon jetzt entgegengenommen. Die Lehranstalt verfolgt den Zweck, schulentlassenen Jünglingen auf traditionell gesetzestreuer Grundlage F o r tbildun gsunter rieht in den jüdisdien Religionswissenschaften zu erteilen und junge Leute, die sich dem Berufe eines R a b b i n e r, R e 1 i g i o n s 1 e h r e r s oder Kultusbeamten widmen wollen, durch Studium des biblischtalmudischen Schrifttums für ihren Lebensberuf vorzubereiten.

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