Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 8 (1929-1930)
- Issue
- 12 (8.1930)
- Date
- 1930-08-01
- Page
- Seite 471 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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471 Darf man da noch fragen: Was ist das Jüdische an diesem Künstler, an diesem Menschen? Ist es wirklich — wie Cohn- Wiener meint — nur die Fähigkeit zur Selbstkritik, die er mit Israels und Liebermann gemein hat? Es ist doch in seinem gesamten Schaffen auch eine Beweglichkeit, eine Sensibilität, es ist in seiner Naturliebe ein grossartiger pantheistischer Zug, wie er sich ähnlich bei den beiden andern Grossmeistern offenbart, und schliesslich spricht aus seiner Menschendarstellung, wenn auch noch so leise nnd verdeckt, jenes soziale Mitempfinden, wie es aus Israels Fischerbildern ergreifend klingt. Durch all dies hat Pissarro mit seinem Werk, mit seinen beseelten Landschaften und Menschen, dem französischen Impressionismus ieine besondere Nuance hinzugefügt: das edle Menschentum ist im letzten Grunde sein schaffendes Prinzip. Was er von Giotto oft zitierend gesagt, gilt auch von ihm: „Ii renouvela l'art, parce cju'il y mit plus de bonte", („er hat die Kunst erneuert, weil er mehr Güte in sie legte.") Yon Lehrern und Kindern Zwei Berichte. Zuviel Religionslehrer? Die Vereinigung israelitischer Lehrer und Lehrerinnen hielt am 7. Juli in den Räumen des Jüdischen Jugendheimes ihre 200. Sitzung ab. Herr Dr. Hoex. t e r eröffnete die Sitzung mit Begrüssungsworten für den auf der Durchreise anwesenden 2. Verbandsvorsitzenden Herrn M. Steinhardt und die zahlreichen anderen Gäste, Er betonte, dass die 200. Sitzung keine Veranlassung zu einer Feier böte, sie solle aber eine Mahnung sein, weiter zu arbeiten und zu bauen für die Gegenwart und Zukunft des Judentums. Herr Steinhardt führte in eingehenden Darlegungen aus, dass die jüdische Le hrerausbildungsfrage durch ein besonderes Ereignis wieder sehr aktuell geworden sei. Nach einem Zeitungsbericht sei von unverantwortlicher Seite beim Minister für Volksbildung die Umwandlung des Kölner Seminars in eine jüdisch-pädagogische Lehrerakademie angeregt worden. Ein Bedürfnis hierfür liege nicht vor, für Preussen genüge fast schon die Frankfurter Akademie zur Ausbildung von jüdischen Volksschullehrern, ausserdem bestehe die sichere Aussicht, dass an einer anderen Akademie Preussens, wahrscheinlich Berlin oder Breslau, jüdische Lehramtskandidaten vorgebildet werden können. Der Referent wendet sich gegen die herrschende Ueberprod u k t i o n jüdischer Lehrerkandidaten. Das Märchen von Hunderten fehlender Lehrer in Deutschland werde die Wirklichkeit bald ad absurdum führen. Für Preussen ergebe sich etwa folgendes Bild: dem Landesverband sind 700 Gemeinden angeschlossen, davon haben 200 keine Beamten mehr, etwa 100 können keine mehr anstellen. Wohl haben in den letzten Jahren einige Dutzend jüdischer Lehrkräfte gefehlt, aber da das Kölner und Würzburger Seminar mehr als genug junge Leute ausgebildet haben, ist bereits ein Ueberfluss vorhanden. Die Frankfurter Akademie besuchen 15 Hörer, darunter 9 Damen. Nach den Ausführungen des Dozenten für jüdische Religionswissenschaft an der Akademie werden die jungen Leute in 9 Wochenstunden in jüdischem Wissen (dazu gehört auch für die Herren die" kantorale Ausbildung) unterrichtet. Ausserdem werden nur solche Studierende aufgenommen, die im Jüdischen genügende Vorkenntnisse nachweisen können. Sollten diese nicht vorhanden sein, so werde ein einjähriger Vorkursus etwa an der Jeschiwa verlangt. Herr Rabb. Dr. Horovitz berichte, dass einzelne Kandidaten sich entschlossen haben, nach bestandener Prüfung die Jeschiwa ein weiteres Jahr zwecks Weiterbildung zu besuchen, gewiss ein Zeichen, dass es an Ausbildungsgelegenheit für jüdisches Wissen in Frankfurt nicht fehle. Das Kölner Seminar habe Ostern 23 Kandidaten entlassen, wovon ein Teil noch ohne Stellung sei. Das Würzburger Seminar besuchen mit den 5 Präparandieklassen 120 Schüler (Bayern hat noch die alte Seminarvorbildung), also stelle diese Anstalt pro Jahr etwa 20 jumge Leute zur Verfügung, die wahrlich nicht alle in Süddeutschland unterkommen können und als Religionslehrer, Kantoren und Schächter gerne anderweitig Stellungen annehmen. Hinzu komme noch, dass in Berlin eine Schächte rschule bestehe, deren Schüler gleichzeitig als Religionslehrer und Kantoren für Kleingemeinden ausgebildet werden. Auch an den beiden Frankfurter Jeschiwas werde nebenher Ausbildung von Religion«Lehrern betrieben. Nun bestehe noch der Plan, eine jüdische Religionslehrerakademie zu begründen, hier sollen junge Leute als Religionslehrer, Kantoren und Prediger für Mittelgemeinden ausgebildet werden. Die Idee einer eigenen Akademie fand bei der Mehrheit der Versammlung entschiedene Gegnerschaft. Es wurde darauf hingewiesen, dass wir für unsere Gemeinden nicht nur Leute mit jüdischen Kenntnissen brauchen, sondern auch Menschen, die die heranwachsende Jugend und den älteren Gemeindemitgliedern Führer sein können. Leider Gottes seien ja in den Kleingemeinden kaum noch Schulkinder vorhanden, sodass das Lehramt dort keine befriedigende Beschäftigung gewähre. Wir brauchten Bezirkslehrer mit voller akademischer Ausbildung für die Kleingemeinden. Eine von Herrn Steinhardt in Aussicht gestellte Statistik soll den Nachweis bringen, wie gross etwa der jüdische Lehrernachwuchs sein muss, den wir in Deutschland brauchen, ferner wieviel Stellen mit dem Lehramt, dem Kantorat und der Schechita verbunden sind und inwieweit unsere Kleingemeinden in der Lage sind, überhaupt noch Beamten halten und bezahlen zu können. Wie die tatsächlichen Verhältnisse beweisen, wird der Andrang von Kandidaten der verschiedensten Vorbildungsgrade sich sehr bald katastrophal KTOltWERO< v —* * Kakao Schokolade i Pralinen Gasthaus zum „Udler" Ginnheim. Aeltestes Haus am Platze. Ginnheimer Hohl 2 Telefon 94810 Empfehle den verehrlichen Besuchern meinen nerrlidi gelegenen, vollkommen staubfreien, großen Garten Große und kleine Collegs Erstklassige Küche Selbstgekelterter Aepfelwein Gut gepflegte Weine Lager- und ExporuBier aus der Brauerei Henninger. Der Besitzer JACOB GLOCK H. TREITZ FEINE MASS-SCHNEIDEREI ENGL, und DEUTSCHE TUCHE HOCHSTRASSE 5011. Telefon 22330 (unter Freyeisen) Bitte notieren Sie OPTIK—FOTO TELEFON 27119 SEIT 1847 Ab1. August: GOETHESTRASSE 34 (am Opernplatz) Auch im neuen Geschäft: Alles zu Ihrer Zufriedenheit! Pension ROSlM 7aiI 4/11. Unter Aufsder ^* Ritualkomm, der Isrl. Gemeinde, Frankfurt a. M. 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