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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1930-05-01 · 9 (5.1930) · p. Seite 378

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
8 (1929-1930)
Issue
9 (5.1930)
Date
1930-05-01
Page
Seite 378 (sequence 22)
Language
German
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ziplinen immer Erstarrung bedeutet. Ihre Rechtfertigung fand diese Haltung bis zu einem gewissen Grade darin, dass neue Kompositionen von starkem Eigenwert verhältnismässig selten auftaudien. Wobei aber zu berücksichtigen ist, dass jeder Sdiaffende von seinem Milieu, das ihn beflügeln oder lähmen kann, weitgehend abhängig ist. Und für die Anregung der ihnen zu Gebote stehenden schöpferischen Kräfte haben die Kultusgemeinschaften nach der grossen Belebung im 19. Jahrhundert sehr wenig getan. Man zehrte einfadi ohne Initiative von dem vorhandenen, chorisdi in angemessene Form gebrachten Melodiengut. Mit dem Erstarken des religiösen Lebens nach dem Kriege hängt es zusammen, dass auch die synagogale Musik der liberalen Gemeinden neue Antriebe erhalten hat. Aus dem Geist dieser Aufwärtsbewegung ist auch die vorliegende Publikation entstanden. Der im April 1926 erlassene Aufruf ist, nadi dem Sammelband zu urteilen, hauptsächlich nur in die Kreise der musikalischen Funktionäre der Synagogen gedrungen. Denn sonst wäre wohl die Beteiligung noch des einen oder anderen begabten jüdischen Tonsetzers erfolgt, der den inneren Kontakt mit dem Ritual behalten hat. Unter den Autoren, die vor dem Urteil der Jury bestanden haben, besitzt ein sdion zahlenmässig grosses Uebergewicht Julius Kaufmann, der mit nicht weniger als elf Nummern erscheint. Wer nicht das gesamte eingereichte Material kennt, kann sidi natürlidi nur bedingt ein Bild davon machen, wie weit diese Ausnahmestellung gerechtfertigt ist. Ein Vergleich mit den anderen Werken legitimiert jedenfalls eine starke Berücksichtigung der Kompositionen Kaufmanns. Er baut melodisch vielfach auf gutem traditionellen Boden stehend, mit sicherer Hand. Seine Chorsätze haben Schwung und Wohlklang, die rezitatorischen Partien des Kantors besitzen Stimmungsgehalt und vokalen Reiz. Besonders anziehend sind unter den grossangelegten Chornummern der „Tow l'hodos" und die pompöse „Kedduscha". Sehr ansprediend sind auch der Kiddusch und W'schomru. Von dem Bestreben harmonisch und modulatorisch farbiger als ihre Vorgänger im 19. Jahrhundert zu gestalten, werden auch S. Lampe 1 und L. Kornitzer geleitet. Beide sind mit gediegen gearbeiteten, repräsentativen Werken vertreten. Von Lainpel fällt ein mit Chor im Sinne der Meschorerim durchgeführter Kiddusch besonders vorteilhaft auf. Kornitzer steuert ein schwungvolles, harmonisch interessant aufgelockertes Chorwerk für das Aus- und Einheben an den Feiertagen und einen* feinsinnigen, lyrisch betonten Rezitativabschnitt bei. Zu einem vokal recht ansprudisvollen, mehr konzertmässigen Chorwerk mit Solo gestaltet Josef Ziegler satztechnisdi sattelfest „Adonoj moh odom" wirkungsvoll aus. Das östliche Kolorit findet bei Arno Nadel Ausdruck. Seine beiden „W'schomru" "und der gehaltvolle Chor „Wajj'chullu" können ebenso wie der Abschnitt „Hasdikiwenu" der Bereicherung des in den meisten Gemeinden viel zu wenig variierten gesanglichen Teils der Gottesdienste dienen. Damit sind die bevorstehenden Talente der Sammlung gebührend gekennzeichnet. Die Beiträge von Badrian, Peissachowitsch, Katzenstein, Dworzan-Später, Meisel und Sokosowsky können trotz mancher hübscher Melodien nicht die gleichen Anrechte auf Aufnahme in den kultischen Rahmen geltend machen. Artur Holde. Simon, Ernst, Ranke und Hesel (Beiheft 15 der Historischen Zeitschrift) Verlag R. Oldenbourg, München und Berlin 1928 (XVI und 204 S.). Dieses Budi ist ein gescheiter Beitrag zur deutschen Geistesgeschichte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Es ist weder eine nur geistreichelnde Gegenüberstellung des Geschichtsphilosophen und des Geschichtsforschers, noch eine im Stoff erstickende, nur dem Spezialisten sprediende gelehrte Arbeit. Vielmehr wird hier auf Grund wirklicher Studien die deutsche Geistesbewegung vom späteren Goethe bis zur linken Hegeischen Schule als lebendiger Hintergrund für die vergleichende Darstellung Hegelscher und Rankescher Ideenwelt verwertet. In doppeltem — geschichtlichem und systematischem — Anlauf will der Verfasser zeigen, wie sich gegenüber der starren Systematik und vor allem „dem Zentralismus des Systems" bei Hegel, gegenüber seiner sophistischen Haltung, die sich im Besitz der absoluten Wahrheit glaubt, in Leopold von Ranke die Haltung des Historikers verkörpert, der nicht etwa in ideenlosem Empirismus, aber in einer fortschreitenden Erfahrung geöffneten idealistischen Haltung den ..ewigen Krieg der Kritik gegen die Ueberlieferung" (ein von Simon zitiertes Wort Niebuhrs) ausficht. Da die Arbeit geistesgeschichtlich angelegt ist, wird es begreiflich, wenn der Verfasser unter Verzicht auf eine soziologisch orientierte Analvse, die die Stellung und Wirkung Hegels und Rankes in der Entwicklungsgeschichte des deutschen Bürgertums aufzuzeigen hätte, die letzten und prägnantesten Unterschiede Rankes und Hegels in ihrer religiösen Haltung finden zu können glaubt: der Philosoph („Hegel hat Gott gekannt"), gehört ihm in die Reihe der voreiligen Zerstörer des göttlichen Geheimnisses, der Historiker („Ranke hat an ihn [Gott] geglaubt"). der nur soviel von den Rätseln der Welt aussagt, als ihm gelöst zu sein scheint, ersteht damit auch als der wahre Philosoph. — In der grossen, von Jahr zu Jahr wachsenden Literatur um Hegel und seine Umgebung wird Ernst Simons immer anregend und sdiöngeschriebene Studie ernster Beaditung erhalten bleiben. L. L. Gesellschaft für jüdische Faniilienfors c h u n g. Das neueste (21.) Heft der von der Gesellschaft herausgegebenen Zeitschrift enthält u. a. Beiträge von Prof. Schumann in Rom über italienische Judenfamilien und ihre Stellung in Staat und Gesellschaft. Dr. Sik-Zagreb bereitet ein umfassendes Werk über die Juden in Jugoslavien vor und erbittet Angaben aller Art. Arturo Bab-Riveia erzählt auf Grund eines holländischen Reiseberichtes von 1685 sehr interessant von den wenig bekannten Judenfamilien in Indien, wo 800 Jahre hindurch in Cranganor ein unabhängiges jüdisches Königreich bestand, in das Juden aus allen möglidien Ländern, auch aus Deutschland einwanderten. Prof. Kisch-Köln stellt Eduards Hanslicks jüdische Abstammung mütterlicherseits, die dieser selbst verleugnete, urkundlich richtig. Studienrat Blach-Berlin gibt die dankenswerte Anregung, eine Bibliographie der deutschen Literaturwerke zusammenzustellen, in denen jüdisches Familienleben geschildert wird. Als ein Beispiel dieser Art gibt Dr. C z e 1 - 1 i t z e r vom Standpunkte des Familienforschers eine ausführlidie Analyse des Lewisohnsdien Romans „Das Erbe im Blut". (Geschäftsstelle Dr. A. Czellitzer, Gesellschaft für jüdische Familienforschung, Berlin W 9, Potsdamerstr. 5). Die in der vorstehenden Bücherschau besprochenen Werke sowie alle wichtigen Neuerscheinungen finden Sie stets in der Jos. Strauß'schen Buchhandlung Bieber gösse 13 Frankfürt a. M. Fernsprecher Hansa 26313 Persönliche Nachrichten. Erich Herzfeld. Ganz überrasdiend kam die Nachricht vom Tode dieses jungen hodibegabten Jugendführers. Der am 2. April im Alter von 30 Jahren Verstorbene war als Vorsitzender des Verein „Montefiore" Gründer und erster Vorsitzender des Hessischen Landesverbandes im Verband der Jüdischen Jugendvereine Deutsdilands. Unter Hintansetzung seiner Person ist es ihm gelungen, diese Organisationen zu grosser Blüte zu bringen. Als widrige Umstände ihn zwangen, den liebgewonnenen Kreis zu verlassen, schuf er mit seinen Freunden eine Gemeinschaft der Persönlichkeitsgestaltung auf freier jüdischer Grundlage. Der Jüdische Jugendbund Frankfurt a. M., dessen Vorsitzender er von dessen Gründung an war, wird seinem toten Führer kein besseres Gedenken bewahren können, als wenn er dessen Pläne zu verwirklichen sucht. Die letzte Tat des kaum Dreissigjährigen war die Mitgründung der „Schule der jüdischen Jugend" und die Eröffnung des Frankfurter Jüdischen Jugendheims. Jüdischer Jugendbund. Silberne Hochzeit. Herr Wilhelm Wolfgang und Frau Frieda, geb. Schiff, Gwinnerstr. 42, feiern am 25. Mai das Fest der silbernen Hochzeit. Geschäftsjubiläum. Die bekannte Schuhinstandsetzungsfirma Fuld, Allerheiligenstrasse 72, die zu den ältesten Schnellbesohlungsanstalten Frankfurts gehört, feierte am 26. Anril ihr dreissigjähriges Geschäftsjubiläum. Herr Fuld ist langjähriges Mitglied des Vereins selbständiger israelitischer Handwerker und Gewerbetreibender. Veränderungen im Personenstand vom 15. März 1930 bis 15. April 1930 Barmizwa-Feiern. Synagoge am Börneplatz: Theo Oschinsky, Eschersheimer Landstr. 27. Hauptsynagoge: Max Schwarz, Schnurgasse 41. Synagoge Unterlindau: Günther I s a y, Friedrichstrasse 50. Trauungen. Siegmund Hesekiel, Obermainstr. 45 mit Rosa Grünebaum, Weberstr. 25. — Max Schmidt, Am Tiergarten 18 mit Irmgard Urbansky, Hegelstr. 7. — Julius Meyerberg, Berlin mit Jenny Hen 1 e, Kl. Obermainstrasse 19. — David Reissner, Burgstr. 53 mit Rahel Jeret, Langestr. 61. — Willi Bürk, Niedermörchel mit Betty Wind ecke r, Leerbachstr. 36. — Christian Kuch, König i. O. mit Lina B e. e r m a n n, König i. O. — Max Rothschild, Witten a. d. R. mit Use Rothschild, Elkenbachstr. 14. — Siegfried Kösterich, Börnestr. 39 mit Irene Wölpe, Jahnstr. 54. — Willi Löwenberg, Burggräfenrode mit Martel Salomon, Beerfelden. — Erna

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