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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1930-05-01 · 9 (5.1930) · p. Seite 375

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
8 (1929-1930)
Issue
9 (5.1930)
Date
1930-05-01
Page
Seite 375 (sequence 19)
Language
German
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und Namslau. Zum Bezirksrabbiner ist von dem Landesverband Herr Dr. Feinberg, bisher Rabbiner in Heilbronn, bestellt worden. Am 16. März fand die feierliche Amtseinführung des neuen Rabbiners durch den Vertreter des Landesverbandes, Herrn Dr. Freund, statt. Der feierliche Akt vollzog sich unter Anteilnahme der staatlichen, städtischen und kirchlichen Behörden. Nach Ansprachen der Herren R.-A. Naumann namens der Gemeinde Gross-Strehlitz, Dr. Freund-Berlin namens des Landesverbandes, Justizrat Kochmann-Gleiwitz namens des Provinzialverbandes Oberschlesien, Rabbiner Dr. Kaatz-Hindenburg namens der oberschlesischen Rabbiner, bestieg Herr Dr. Feinberg die Kanzel zu seiner Antrittsrede. Der Einführung ging das Minchagebet voraus. Psalmrezitationen und Liturgien, in die sich Rabbiner Dr. Kaatz und Kantor Zewas teilten, umrahmten die Feier, die einen würdigen und eindrucksvollen Verlauf nahm. Eine gesellige Veranstaltung vereinigte daran anschliessend einen grossen Teil der auswärtigen Teilnehmer mit der Gemeinde. Hilfsverein der deutschen Juden. Am 30. März 1930 fand in Berlin die 23. Jahresversammlung des Hilfsvereins statt. In seiner einleitenden Ansprache berichtete der Vorsitzende, Herr Dr. James Simon, dass die Zahl der Mitglieder und die Einnahmen gestiegen seien und dadurch auch die Möglichkeit bestehe, kulturelle und humanitäre Arbeit in ausgedehnterem Masse zu leisten. Hierauf erstattete der Generalsekretär Dr. Mark Wischnitzer den Tätigkeitsbericht für das Jahr 1929. Im Mittelpunkt der Arbeit stand nach wie vor die Auswand e r e r f ü r s o r g e. Durch Erschwerung der Einreisebedingungen und Sperrung einer Anzahl überseeischer Länder ist eine schwere Hemmung der Auswandererbewegüng eingetreten. Im Jahre 1928 umfasste die Zahl der jüdischen Auswanderer nach den Haupteinwanderungsländern und einzelnen europäisdien Staaten etwa 40 000 Personen, während im Jahre 1914 nach den Vereinigten Staaten allein 138 000 Juden ausgewandert sind. Unter Fürsorge des Hilfsvereins passierten im Jahre 1929 Berlin rund 40 000 Aus- und Einwanderer; unter diesen waren 16 400 Nichtjuden. Ihren Wegnahmen über: Stentch (Bahnhofsdienst) 8 500, Osnabrück (Bahnhofsdienst) 1 250, Hamburg uud Bremen 8 700. Im Büro der Berliner Zentrale fanden 1000 Personen Rat und Hiife. Bei der Einschränkung der AuswanderungsmöglichkeLen muss mehr denn je danach gestrebt werden, den Juden des Ostens an Ort und Stelle zu helfen. Der Hilfsverein hat für den Bau von Ambulatorien in den russischen Kolonien Mittel zur Verfügung gestellt. In Rumänien fördert der Hilfsverein kulturelle Arbeit in erheblichem Umfang. Anlässlich der Hungersnot in Bessarabien wurde 1929 eine Sondersammlung durchgeführt. Weitere Mittel hat der Hilfsverein für das Kinderhaus in Kowno und das Hilfswerk jüdischer Studenten zur Verfügung gestellt. Von Mitte 1924 bis Ende 1929 wurden für jüdische Studenten etwa RM. 177.000.— aufgebracht und verausgabt. Vom Sommersemester 1924 bis zum Sommersemester 1929 wurden 1471 Studenten unterstützt. 814 Studenten haben ihr Studium beendet. — Das Fürsorgewerk für Ukraine-Waisen wird fortgeführt. — Aus dem von Herrn Joachimssohn erstatteten Finanzbericht ging hervor, dass die Einnah- | men RM. 300.000.— überschritten haben. Auch die Jahresbei- I träge des Hilfsvereins haben sich erhöht. Anschliessend fanden Wahlen für das Zentralkomitee und den Geschäftsführenden Ausschuss statt. Der Vorsitzende Dr. James Simon und die stellvertretenden Vorsitzenden Generalkonsul Eugen Landau, Max M. Warburg (Hamburg) und Willy Dreyfuss wurden wiedergewählt. — Im Anschluss an die Jahresversammlung hielt Herr Dr. Ernst Feder einen Vortrag über „Politik und Humanität". Schumann-Theater s BHHHBHmBBBBBBHHBBHHBMBIHHHBai Monat Mai ■ 2 orofle interBolionsle Vari^-Programme 1 MiMli»^ Täglich abends 8.15 Uhr. ■ Samstag- und Sonntag-Nachmittag 4 Uhr FAMILIEN VORSTELLUNG. B Verband russischer Juden. Unter dem Vorsitz des russischen Rechtsanwalts Dr. Frumkin hielt der „Verband russischer Juden in Deutschland*, der auf sein lOjähnges Bestehen zurückblicken kann, seine diesjährige Generalversammlung in Berlin ab. In dem ausführlichen Tätigkeitsbericht wurde mitgeteilt, dass die Ausgaben des Vereins im Jahre 1929 etwa 200.0U0 Mark betrugen. Lehrerfortbildung. Unter der Leitung von Stadtrabbiner Dr. Rieger-Stuttgart fand vom 30. III. bis 1. IV. der diesjährige 1' ortbildungskursus für die Rabbiner und Religionslehrer Württembergs in Stuttgart statt. In seinem Vortrag über das ihema „D.e Idee und die Geschichte des Pessachfestes in der Bibel und im Schrifttum der Tradition" wies Dr. R i e g e r nach, dass das Pessachfest und das Fest der Mazzoth ursprünglich zwei verschiedene Feste gewesen sind und dass sich erst von der Zeit des Ezechiel an ein Zusammenwachsen beider Feste nachweisen lässt. In eingehender Weise behandelte sodann Rabbiner Dr. B e e r m a n n-Heilbronn den Auszug aus Aegypten, wie sich derselbe im Midrasch und in der Predigt auswirkt, während Rabbiner Dr. K r o n e r -Oberdorf die religionsgesetzlichen Bestimmungen über das Pessachfest einer genaueren Betrachtung unterzog. Dem Referate von Oberlehrer B e r 1 i n g e r-Buttenhausen über das Thema „Der Seder und seine Bräuche im Unterricht" folgte der gedankenreiche Vortrag von Rabbiner Dr. Kahn -Mergentheim über „Geschichte und Entw icklung der Haggada", der durch die Ausführungen von Heligionslehrer Kahn-Heilbronn über die Liturgie des Pessachfestes ergänzt wurde. Rabbiner Dr. Auerbach -Stuttgart bot eine Auslese besonders interessanter Stellen aus dem Talmudtraktat Pessachim, denen Rabbiner Dr. Beermann -HeLbronn sachliche Erläuterungen hinzufügte. Der Kursus wurde beschlossen durch eine Aussprache über Standesfragen, die durch den Vortrag von Rabbiner Dr. Cohn-Ulm über das Thema „Die geschichtliche Entwicklung des Rabbineramtes bis zur Gegenwart" und durch Darlegungen von Oberlehrer Spatz -Rexingen eingeleitet wurde. Gartenbauschule Ahlem. Am 1. April ist der Direktor der Israel. Gartenbauschule Ahlem, Herr Albert Silberberg, aus Gesundheitsrücksichten in den Ruhestand getreten. 33 Jahre hatte er die Leitung der Anstalt und hat in aufopfernder, hingebungsvoller Weise die Anstalt aus kleinsten Anfängen zu ihrer jetzigen Grösse und Bedeutung gebracht. Gleichen Strebens mit dem Gründer, Herrn Konsul A. Simon, hat er stets darauf hingewiesen, dass Ahlem innerhalb der deutschen Judenheit und der Gesamtjudenheit berufen ist, eine führende Rolle zu spielen in der Rückführung und Umschichtung zu Ackerbau und Handwerk. Fast 1200 Lehrlinge sind in dem etwa 80 Morgen umfassenden Betriebe ausgebildet und gehen in aller Welt ihrem Berufe nach, zeugend von der gewaltigen Kulturleistung Ahlems. — Zum Direktor der Anstalt wurde Herr Leo Rosenblatt, bisher im Schuldienst der Stadt Berlin, berufen. VEREINSa. VERSAMMLUNG*)-KALENDER (Mitteilungen für die nächste Nummer müssen spätestens am 20. Mai bei der Schriftleitung vorliegen.) Hinweis. Aus Raumgründen können Vereinsanzeigen nur in beschränktem Umfang aufgenommen werden, insbesondere werden Arbeitsprogramme einzelner Vereine höchstens zweimal jährlich veröffentlicht. Auf einzelne Veranstaltungen wird in der Regel nur dann hingewiesen, wenn sie auch für Nichtmitglieder zugänglich sind. Mai. Talmud Thora-Verein. Vereinslokal Synagoge Börneplatz, Büro Theobaldstr. 6. Fortbildungsunterricht für Knaben und Mädchen täglich in kleinen Abteilungen. Anmeldungen werden jederzeit im Büro Theobaldstr. 61, entgegengenommen. Unterrichtsfächer: Tfillo, Chumisch mit Raschi, Mischna und Gemoro, hebr. Grammatik und hebr. Schreiben. Lehrkräfte: Rabb. Donath, Dr. S. B. Eschwege, Dr. J. Unna, Rosenwasser, Rothenberg u. a. Fortbildungsunterricht für junge Leute täglich von 19—22 Uhr. Lehrfächer: Mischna und Gemoro. Lehrkräfte: Rabb. Donath, Rabb. Kirschbaum, Rackow, Rosenwasser u. a. — Während der Sefira-Zeit täglich in der Synagoge Börneplatz Vi Std. vor Nacht Schümm. Sonntag: Josif Omez (Rabb. Kirschbaum). — Montag: Agadische Stellen aus dem Talmud (3. Unna). — Dienstag: Abot de Rabbi Natan (Dr. A. Braun). — Mittwoch: Propheten (S. Unna). — Donnerstag: Abot de Rabbi Natan (Dr. A. Braun). — Allgemeine Schiurim: Täglich nach dem Morgengottesdienst in der Synagoge Börneplatz Schiur. Sonntag: 9K—10K Theobaldstr. 6, Gemoro (Dr. J. Unna); Dienstag: 1 Std. vor Nacht, Börneplatz, Gemoro (Rabb. Dr. Hoffmann); 20^ Uhr Krankenhaus Gagernstr. Gemoro

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