Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 8 (1929-1930)
- Issue
- 8 (4.1930)
- Date
- 1930-04-01
- Page
- Seite 310 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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310 Arbeiten von Berthold Wölpe. Von Prof. Dr. Haupt Direktor des Hessischen Gewerbemuseunis. Bei den Bauten des neuen Friedhofs, die Regierungs- Baumeister Nathan in so feiner und würdiger Weise gestaltet hat, ist der Schrift eine sehr beachtenswerte Rolle zugefallen. Am Eingang zu dem „Haus des Lebens" tönen die heiligen Worte mit besonderer Gewalt. So wird auch die Aufgabe der Inschriften an dieser Stelle zu gestalten, zu einem Vertrauensamt. Wer die Gabe hat, in der Schrift den Text erklingen zu lassen, dass er in der Seele wiedertönt und dass keine Körperlichkeit den Eindruck dieser Sprache stört, wird der beste Friedhofskünstler sein. Die Bauleitung hatte* dafür einen Mitarbeiter der Werkstatt von Professor Rudolf Koch in Offenbach berufen, B e r t - Abb. 1. Raddisdi-Teppidi in d. hold Wölpe, der durch seine Beteiligung an den Arbeiten für die von Dr. Guggenheim herausgegebene Haggadah und durch manche andere Arbeiten seine besondere Befähigung auf dem Gebiet jüdischen Schriftwesens erwiesen hat. Unsere Abbildungen 1 und 2 geben Proben von den gestickten Schriftteppichen, die nach seinem Entwurf wiederholt für Gemeinden und Privatgebrauch zu rituellen Zwecken ausgeführt worden sind. Die Teppiche sind in Hand gesponnenem und Hand gefärbtem Leinengarn gestickt und von ausserordentlich grosser Wirkung. In dem grossen Teppich, dem die zweite Abbildung entnommen ist, wechselt zeilenweise hebräischer und deutscher Text und die beiden Schriftarten ergänzen sich mit dem Ornament Synagoge zu Offenbach a. M. zu einem ausserordentlich eindrucksvollen Gesamtbild. Auch das Kupferbecken mit der zugehörigen Kanne (Abb. 3) gibt eine Vorstellung von welcher Bedeutung die würdige Gestaltung der Schrift in Verbindung mit handwerklicher Arbeit sein kann. Schüssel und Kanne sind von Wölpe selbst getrieben. Bei den Beschriftungen der Friedhofshalle handelt es sich um vier grosse Inschriften an den äusseren und inneren Langseiten des Hofs und um die Sprüche an der Eingangstür zum Versammlungsraum. Die. Buchstaben für die Inschriften an den Langseiten (Abb. 4 und 5) sind aus Kupferblech montiert und heben sich mit steilen Flächen kräftig von den Klinkern der Mauer ab. Besonders die he-