Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1930-04-01 · 8 (4.1930) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
8 (1929-1930)
Issue
8 (4.1930)
Date
1930-04-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3094266-3094348-3094355--2277-3097020
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

&tmtlfittte? 3froeiitif<t)es &tmtinMt6ii Qimttiitots (bvgan bi? Mvatütiftben <8tmtinbt Die Gemeindemitglieder erhalten das Blatt unentgeltlich. Anzeigenpreis für die 6-gespaltene Nonpareillezeile 40 Pfg. Preis der Einzelnummer 50 Pfg. im Text und auf den Umschlagseiten 60 Pfg. / Bei Wieder¬ Zustellung durch die Post. holungen Rabatt. / Anzeigenverwaltung: Gemeindehaus Schriftleitung und Verwaltung: Fahrgasse 146 Fahrgasse 146 Erdgeschoß. / Fernsprecher: Hansa 27544 8. Jahrgang_Frankfurt a. M., April 1930 Nr. 8 Die Schriftleitung übernimmt für den Inhalt des Gemeindeblatts nur die preßgesetzliche Verantwortung. Nachdruck nur mit Erlaubnis gestattet. Aus dem Judentum und Feindesliebe (J. Horovitz)........ 301 Auszug aus Aegypten (H. Sternheim) ......... 303 Der ewige Jude in Sage und Dichtung (P. Michaelis) . . 303 Die Mission des Judentums (B. Strauch)........ 305 Die Juden in Unteritalien (W. Cohn).......... 307 Drei Gedenktage — Makower — Oppenheim — Heyse . 308 Arbeiten von Berthold Wölpe (Prof. Haupt)...... 310 Der Wundermann (J. L. Perez)............ 312 Alte Geschichten................... 314 Mazzen (Anna Hagen-Treichel)............. 314 Statistik der Frankfurter Juden, (J. Unna)....... 315 Amtliche Anzeigen des Gemeindevorstands....... 319 Judentum und Feindesliebe Ein Wort zum Pessachfest Von Genieinderabbinev Pr« Jacob Horovitz Ah zwei Steilen wendet sich, die Bergpredigt mit besonderem Nächdruck gegen die Lehre des Judentums. Einmal in dem Satze: ,Jhr habt gehört, däss gesagt ist: Du sollst Deinen Nächsten lieben und Deinen Feind hassen; ich aber sage Euch: Ihr sollt Eure Feinde lieben'' . . .! Zum anderen mit den Worten: „Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Auge um Auge, Zahn um Zahn; ich aber sage Euch: Ihr sollt nicht widerstreben dem Bösen, sondern so jemand Dir einen Streich gibt auf die rechte Wange, dem biete auch die andere dar, und so jemand mit Dir rechten und Dir den Rock nehmen will, dem gib auch den Mantel!" von diesem letzteren Worte und von dem was -„Auge um Auge" im Sinne des Judentums bedeutet, sei in einem folgenden Aufsatz die Rede. Dieses Mal wenden wir uns dem ersten Satze zu. Auch die christlichen Erklärer des Neuen Testaments stimmen darin überein, dass mit jenem Angriff •die schriftliche Lehre des Judentums nicht gemeint sein könne. Reden doch die gesetzlichen Bestimmungen der Thora „Wenn Du den Ochsen Deines Feindes oder seinen Esel umherirren siehst, bringe ihn ihm 2)urück. Wenn Du den Esel Deines Hassers unter seiner Last erliegen siehst, so sei ferne davon, ihm's zu überlassen. Abladen sollst Du zusammen mit ihm", <(2. B. M. 25 4~5), die Sprüche, „Wenn Dein Hasser hungert, gib ihm Brot zu essen, und wenn ihn dürstet, gib ihm Wasser zu trinken." „Wenn Dein Feind fällt, freue Dich nicht, und wenn er strauchelt, frohlocke nicht Deine Seele", (Spr. 24 17 u. 25 21) , ein berühmtes Wort Inhalt Verwaltungsordnung für das Krankenhaus....... 321 Haushaltsplan 1930/31 ................. 325 Aus der Gemeindevertretung............. 326 Aus den Gemeinden.................. 328 Aussprache . . •................... 331 Anstalten und Vereine, Versammlungskalender..... 331 Bücherschau ..................... 337 Veränderungen im Personenstand........... 340 Personliche Nachrichten................ 340 Gottesdienstlicher Anzeiger.............. 341 Statistische Uebersicht................. 343 Katalog der Gemeindebibliothek ... ,........ 344 Hiobs (31 20) und andere Schriftstellen mehr — eine Sprache, die nicht missverstanden werden kann. Das allerdings verlangt unsere Heilige Schrift nicht, dass man den Feind lieben solle, weil er ein Feind ist. Sie begnügt sich damit zu verhindern, dass dieser persönlich Fernste von dem Throne des Nächsten gestürzt werde. Auch ihm gegenüber gelten die Gesetze der Humanität. Auch ihm gegenüber findet das Wort Anwendung: Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst. (5. B. M. 1918). Ist es danach aber überhaupt möglich, dass die Rabbinen sich in Widerspruch setzen mit dem Geiste, der aus den angeführten Mahnungen und Geboten spricht? Strack und Bill erb eck, die in ihrem vierbändigen „Kommentar zum Neuen Testament aus Talmud und Midrasch" alle Stimmen zu Gehör bringen, die in der jüdischen Literatur je als Widerhall unsäglichen Leids ertönt sind, wissen doch am Ende jenen Satz quellenmässig nicht zu belegen. Sie greifen darum zu der Ausflucht, dass das Ganze eine „volkstümliche Maxime sei, nach der der Durchschnittsisraelit in den Tagen Jesu sein Verhalten gegen Freund und Feind eingerichtet5' habe. Nicht glücklicher scheint mir ein Erklärungsversuch, den neuerdings B. Jacob bietet. Er meint, der Ausspruch der Bergpredigt wolle „die antike heidnische vulgäre Moral" treffen, von der mancher Jude nicht unbeeinflusst sein mochte. Beide Auslegungen scheitern an dem vorliegenden Texte. Was denn ist gemeint? Befragen wir erst einmal die Quellen des Judentums selber, ehe wir auf jenen Satz zurückkommen. Brauche ich den Leser an das Gebet eines berühmten AmoräeiS zu erinnern: „Auch denen gegenüber, die mir fluchen, schweige meine Seele, und meine Seele sei wie Staub allen gegenüber" (Berachoih 17b), das zum dreimal täglichen Gebet des

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.