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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1930-03-01 · 7 (3.1930) · p. Seite 280

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
8 (1929-1930)
Issue
7 (3.1930)
Date
1930-03-01
Page
Seite 280 (sequence 28)
Language
German
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280 Preussisdier Landesverband jüdisdier Gemeinden. Yerbändstag. Infolge unvorhergesehener Inanspruchnahme des Sitzungssaales im ehemaligen Herrenhause durch den Preussisdien Staatsrat ist eine Verlegung des Verbandstages des Preussischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden notwendig geworden. Dieser findet nunmehr am Sonntag.'den 30. und Montag, den 51. M ä r z d. J. in Berlin, Leipziger Str. 5 statt. Zuhörerkarten können in beschränkter Zahl vom Büro des Landesverbandes, Charlottenburg 2, Kantstr. 158, angefordert werden. Sitzung des Rates . Amtlich. — Die Ratssitzung, weldie zur Erledigung der in der Novembersitzung vertagten Gegenstände notwendig geworden war, hat am 9. Februar 1930 unter dem Vorsitz des Präsidenten, Kammergerichtsrat Leo Wolff, stattgefunden. Sie beschäftigte sidi im Wesentlichen mit den Verfassungsänderungen, weldie von der Verbandstagung des Jahres 1929 angeregt und alsdann von dem Reditsausschuss des Landesverbandes durdiberaten worden sind. Nachdem die von der Verfassung eingesetzten Verwaltungskörper des Landesverbandes beinahe fünf Jahre gearbeitet haben und somit die Sdiwierigkeiten der Einrichtung, und Inganghaltung des Apparates überwunden sind, soll die Vereinfachung der Verwaltungsarbeit und damit die Vermeidung jeder Ueberorganisation erreidit werden, was zugleich mit einer in der heutigen Zeit besonders zu begrüssenden Herabsetzung der Verwaltungskosten verbunden sein wird. Man ging dabei freilich davon aus. dass unter dem Bestreben nach Vereinfadiung der Charakter des Landesverbandes als der selbstgewählten Vertretung aller preussisdien Juden nidit leiden dürfe und hat aus diesem Grunde t geglaubt, die von mehreren Seiten befürwortete Herabsetzung der Zahl der Abgeordneten zum Verbandstag nicht vornehmen zu sollen. Ferner erschien es zweckmässig, den hauptsädilidisten Grundsatz der bisherigen Verfassung insofern beizubehalten, als dem Rat nidit bloss, wie vorgesdilagen worden ist, die Exekutive belassen werden soll, wodurdi er zu einem blossen die Verwaltung führenden Aussdiuss des Verbandstages werden würde. Vielmehr soll neben dem letzteren der Rat nadi wie vor als gesetzgebendes Organ bleiben, sodass ein Verbandsbesdiluss erst durch übereinstimmenden Willensakt des Rates und des Verbandstages zustandekommt. Wie auf dieser Grundlage die Verfassungsbestimmungen über den Rat, insbesondere seine Zusammensetzung, abzuändern sein werden, darüber soll zunädist ein aditgliedriger Ausschuss beraten, der bis zur Verbandstagung Beridit erstatten soll. Diese ist bereits auf den 25. März 1950 einberufen worden. Die Sitzung besdiäftigte sidi im übrigen mit der Feststellung der Aenderungen, weldie für die Ende dieses Jahres vorzunehmenden Wahlen die bisherigen für den Rat und den Verbandstag geltenden Wahlordnungen zu erfahren haben werden, sowie mit einigen dem Landesverband vorliegenden Gesudien um Zuwendung von Subventionen. Es wurde ferner über den Stand der Verhandlungen mit dem Ministerium wegen der Genehmigung der Verfassung des Landesverbandes und wegen des Gesetzentwurfs zur Regelung der Verhältnisse der Juden in Preussen eingehend Beridit erstattet. Endlidi fand noch eine Beratung über die beantragte Unterstützung des Lehrerseminars in Köln statt, weldiem im laufenden Etatsjahre Mittel nidit gewährt werden konnten. Die Meinung der Mehrheit ging dahin, dass sorgfältig zu prüfen sein wird, ob im kommenden Etatsjahre die Möglidikeit der Unterstützung des Kölner Lehrerseminars gegeben sein wird. Liberaler Kultusausschuss. Amtlich. Am 7. ds. Mts. trat in Berlin der Liberale Kultus-Aussdiuss des Preussisdien Landesverbandes jüdisdier Gemeinden unter dem Vorsitz von Rabbiner Dr. Seligmann-Frankfurt a. M. zu einer Sitzung zusammen, die sidi zunädist mit der Sdiaffung des musikalischen Anhangs zum liberalen Einheitsgebetbuch besdiäftigte. Es wurde besdilossen, durdi ein Ausschreiben möglichst viele Fadileute für die Anfertigung von geeigneten Kompositionen zu interessieren. Der Vorsitzende gab sodann davon Kenntnis, dass er mit der Ausarbeitung eines weite- Adolf Sprankel Tochter u.Solin Tanzmeister SEILER5 TRASSE 19a TELEFON RÖMER 2115 Zu meinem neuen Kursus werden noch Anmeldungen entgegengenommen. Privatunterricht in modernem T. nz, sowie Gymnastik z. jed Zeit ren Bandes, der ein häusliches Andachtsbuch darstellen soll, beschäftigt sei. Darüber hinaus plane er die Schaffung eines für Rabbiner und Kultusbeamte gedachten Bandes, der als Hahdbudi für alle vorkommenden Kasualfälle dienen soll. Für die Ausgestaltung der religiösen Weihestunden in Grossgemeinden wurden alsdann zwei Kommissionen gebildet, die ddr nädisten Vollsitzung Vorschläge unterbreiten sollen, die geeignet sind, das Interesse weiter, heute dem Gottesdienst entfremdeter Kreise zu wecken. Schliesslich besdiäftigte sidi der Aussdiuss auf Grund der von der Vereinigung der liberalen Rabbiner geführten Verhandlungen mit Fragen des jüdischen Ehe rechts, dessen kodifizierte Bestimmungen unter den heutigen Verhältnissen sehr schwierige Situationen sdiaffen. Nachstehende Resolution wurde einstimmig angenommen: „Der Liberale Kultus-Aussdiuss des Preussisdien Landesverbandes jüdisdier Gemeinden begrüsst mit Dank die Verhandlungen der Vereinigung der Liberalen Rabbiner Deutschlands vom Mai 1929, in denen die sidi aus dem überlieferten jüdisdien Ehescheidungsrecht häufig ergebenden Sdiwierigkeiten und Tragödien geschildert und um der Heiligkeit der jüdisdien Ehe willen Wege zur Ueberwindung dieses Notstandes gesucht werden." Rabbinerseminar Breslau. Das jüdisdi-theologisdie Seminar Fraenckel'sdie Stiftung zu Breslau, Wallstr. 14, beginnt das Sommersemester 1930 am 24. April 1950. Die Aufnahmeprüfungen finden am 23. April 1930 vormittags 9 Uhr statt. Das Vorlesungsverzeidinis wird durch das Sekretariat übersandt. Liberale Tagung. In dem einleitenden Referat, welches der Vorsitzende der „V e r e i n i g u n g für das liberale Judentum in Deutschland", Rechtsanwalt Dr. Heinrich S t e r n-Berlin, auf der diesjährigen Hauptversammlung dieser Vereinigung hielt, gab er zunächst einen historisdien Rückblick auf die Entwicklung des liberalen Judentums in den letzten Jahren und führte aus, dass die Neigung zu Orthodoxie und Mystizismus in der heutigen Zeit "eine Gefahr für den Liberalismus bedeute. In seinen weiteren Darlegungen behandelte der Redner praktisdie Fragen innerhalb des Liberalismus und streifte audi das Verhältnis zwisdien Liberalismus und Reformgemeinde. Den Höhepunkt der Tagung bildete das Referat von Rabbiner Dr. Caesar Seligmann-Frankfurt a. M. über das Thema: „D a s Judentum als W e 11 r e 1 i g i o n '. Sdion am Beginn seiner Gesdiidite und namentlich zur Zeit der Propheten habe das Judentum universaiistisdie Tendenzen gezeigt, die sidi in der Entfaltung einer ausgedehnten Bekehrungstätigkeit, besonders in den letzten vordiristlidien Jahrhunderten bemerkbar maditen. Trotz der Unterdrückung des Judentums durdi die römischen Kaiser und der zahlreidien Judenverfolgungen habe sich die jüdisdie Religion erhalten und versudit, sich Geltung in der Welt zu versdiaffen. In der sidi ansdiliessenden Generaldebatte, an der sich die bedeutendsten Führer des heutigen jüdisdien Liberalismus beteiligten, wurde von versdiiedenen Rednern Kritik am liberalen Judentum unserer Tage geübt und betont, dass die „Vereinigung für das-liberale Judentum" audi anderen ( Strömungen innerhalb des Judentums Gehör verleihen 1 müsse; das sei in der „Jüdisdi-liberalen Zeitung", dem Organe der Vereinigung, bisher nidit der Fall gewesen. Das liberale Judentum müsse, um in die Welt zu dringen, statt allgemeiner Religiosität jüdisdie Religiosität pflegen, und „Vereinigung in der Freiheit" sollte die Devise der „Vereinigung für das liberale Judentum" sein. Jüdisdie Tuberkulosefürsorge. Dem Beridit über den „offenen Fonds" der Arbeitsgemeinsdiaft „Jüdisdie Tuberkulose-Fürsorge" für das Jahr 1929 ist zu entnehmen, dass im vergangenen Jahr in 142 von 238 Fällen Zuschüsse zu Heilstättekuren gewährt werden konnten, davon 70 Inländer und 72 Ausländer. Die Aufbringung der Mittel begegnet ausserordentlidien Schwierigkeiten, obwohl die Arbeitsgemeinsdiaft sidi mit hödistens einem Drittel der entstehenden Kosten beteiligt und die übrigen zwei Drittel von den in Betradit kommenden öffentlidien und privaten Körpersdiaften getragen werden müssen. Anschrift der Arbeitsgemeinsdiaft: Berlin-Charlottenburg 2, Kantstr. 158. Llndau-Frisler-Solon A. OSTERMANN Spez. Dauerwellen, Neuesfes Susrem F-^tbi n u. WasscrwHlen. Spr/. Hut ikopfshnti en UNTERLINDAU 78 FERNRUF MAINGAU 73u3S

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