Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 8 (1929-1930)
- Issue
- 7 (3.1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 269 (sequence 17)
- Language
- German
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1. die Uebernahme der Schule auf die Gemeinde abzulehnen; _______ 2. die Schule wieder auf ihren frühe reu Umfang zu beschränken und dementsprechend vom Beginn des Schuljahres 1930 ab den seitens der Gemeinde zu leistenden Zuschuss um den für die Obersekunda erforderlichen Anteil zu kürzen; 3. die F-r auenschule und den Kinder gar ten mit Wirkung vom Schuljahr 1930 ab nicht mehr zu subventionieren; 4t. die Volksschule weiterhin unter der Bedingung zu subventionieren, dass ein besonderer vom Schulrat unabhängiger Volksschulrat gewählt, ein besonderer Rektor der Volksschule bestellt und die Volksschule diesen Instanzen unterstellt wird. Die weiteren Beschlüsse des Vorstands betreffen die Prüfung der Frage, weldie Ersparnisse durch die Aufhebung der drei obersten Klassen erzielt werden können, die Notwendigkeit einer baldigen Umgestaltung der Schulordnung und die Feststellung, Uass eine Verpflichtung zur Subventionierung der Volksschule seitens der Gemeinde nicht besteht und nicht bestanden hat. Es liegen ferner vor eine Denkschriit des Vorstands, weldie seine .Beschlüsse eingehend begründet, ein Reditsgutaditen über das Verhältnis des Philanthropiiis zur Oeiueuiüe, ein Schriftwechsel des Vorstands mit dem Schuirat, sowie eine Denkschriit des Herrn Studiendirektors JJr. Uriesen uner „Die Zukunft des Phiianthropius" und die ausführlichen Berichte der zur Prüfung der Angelegenheit eingesetzten Sonderkommission. Die Kommission beantragt den Vorstandsbeschlüssen, soweit sie den Abbau der Übersekunda, der Frauenscnuie und des Kindergartens durch öireicuung der betreffenden /iUschussanteiie vorsehen, die Austnnwung zu versagen und la ueuereinstiininuiig mit dem V orauinuaDeschiuss die neamragie V ergememuung der dcnuie auzuiennen. rierr L»r. beiger Uib.j nat ais Berichterstatter uer Koniinission einen zusummemassenden bencut zu uen Aüteii gegeben, der im einzelnen aui die biuungsprotoKoiie der ivuuiinissiön hinweist und an Hand dessen er im Rahmen seiner Ausführungen den Gang der rkommissionsberatungen erläutert. £.r geht zunächst aui den innait und ainn der Yorstandsbeschiusse ein und erwähnt das den Beschlüssen beigegenene Outachten und sonstiges Material, weiches durch den zwischen bchulrat und Vorstand seit längerer Zeit gelunrten Schrittwechsel noch ergänzt worden ist. Die Kommission hat versucht, msDesonuere das Zahlenmaterial über etwa durcu öcuiieasung von einzelnen lenen der bchuie zu erzielenden n,rspuimsse zu ueauituien, niueia sie sowohl den weiter des rimaninropins, Herrn ötudiendireKtor ur. L>neaen zu ihren, neiatuiigen zugezogen und von ihm sowie von dem Vorsitzenden der oeineinueveruetung, Herrn Dr. Merzbach, in seiner Eigenschaft ais Vorsitzender des bchuirats ergänzende AusKuntte erbeten und erhalten hat, ais auch durch die Auitorderung an den Vorstand um Entsendung seines Referenten bezw. von Vertretern zur weiteren Klärung der Angelegenheit beizutragen. Der Vorstand hat jedoch diesem Ersuchen nicht entsprochen, sondern erKiärt, zunächst das Ergebnis der Kommissionsberatungen abzuwarten. Uer Berichterstatter berührt alsdann diejenigen Gesichtspunkte, weiche iür die Kommission bei ihren beschtüssen ausscinaggeüend waren und weist auf die grossen Schwierigkeiten und das Mass der Verantwortung hin, denen sich die Kommission gegenübergestellt sah. Massgebend war im wesentlichen die Frage, ob die Gemeinue bei ihrer missucnen Finanzlage tähig sei, die ausserordentlich schwere .Belastung, weiche in uer Erhaltung der bchuie liegt, weiterhin aui sich zu nehmen, ungesiuiis des Uinstaiides, dass sie zu einer nicht unwesentlichen Erhöhung der Kuitussteuer gezwungen war, weiche nicht gerade ireundiiche L»eiuhie, insbesondere in Kreisen derjenigen Steuerzahler hervorgeruien hat, die ein wesentliches Interesse an der Schule nicht nehmen und deren Klagen eben aut die enorme Belastung durch das Phiianthropin hinweisen. Ausserdem hat die Kommission auch Fragen aiigemein-poiitischer, hnanzielier, organisatorischer und schuitechnisch-pädagogischer Art, die naturgemäss von den zur Beratung stehenden Gegenständen nicht zu trennen waren, eingehend erörtert. Bei allen diesen Fragen ergab sich im Endresultat in der Stellungnahme zu den \orstandsbeschiüssen weitgehende Uebereinstimmuug unter den Mitgliedern der Kommission, wenn auch in Emzelfragen je nach dem politischen und weltanschaulichen Standpunkt verschiedene Meinungen zum Ausdruck kamen. Ein Teil der Kommission, darunter auch der Berichterstatter selbst, bekannte sich als Gegner jeder Konfessionsschule, wie auch jeder nach bestimmter konfessioneller Richtung geführten Schule und war der Auffassung, dass die Schule über den 269 heutigen veränderten Zeitverhältnissen nicht als notwendig anzusprechen sei, und dass sich daher — auch in Betracht der Besuchs/Ufer zahlreicher anderer höherer Schulen mit starker jüdischer Schülerzahi — die Autrechterhaltung der Schule auch vom finanziellen Standpunkt aus nicht verantworten lasse. Dieser Teil der Kommission, eine kleine Minderheit, war daher aus politischen, finanziellen und pädagogischen Gründen für die vollkommene Schliessung der Schule. Dies war die weitestgehende Auffassung. Ein anderer Teil der Kommission hielt es aus Gründen der Pietät und aus gemeindepolitisdien Gründen für notwendig und zweckmässig, eine seit 125 Jahren bestehende Schule mit einer ruhmreichen Geschichte fortbestehen zu lassen, und der dritte Teil hielt den Fortbestand deshalb für unumgänglich, weil gerade in der jetzigen Zeit, in der der Radikalismus auch in den Schulen sich Eingang verschafft habe, eine jüdische Schule zur Erziehung und Ertüchtigung jüdischer Kinder notwendig sei. Einstimmig hat sich die Kommission gegen den Abbau der Obeisekunda erklärt. Sie war dabei nach den ihr gewordenen Auskünften zu der Ueberzeugung gelangt, dass eih Abbau der Oberstufe eine Rumpfschule hinterlasse, weiche nicht mehr lebensfähig sein könne, nachdem derartige Rumpischuien fast nirgends mehr in Preussen existieren und hat sich die Ansicht des Sachverständigen zu eigen gemacht, dass die vom Vorstand beabsichtigte Ersparung von M. 30 000.— sich nicht etwa im Wege der Schliessung der Ubersekuuda, sondern nur im Wege der Durch!ührung emes allgemeinen Sparprogramms in der Schule erzielen lassen könne. In der Tat sei auch bereits in dem inzwischen eingegangenen Schuietat für ly30 eine Verminderung des Zuschusses in dieser Höhe vorgesehen. Die Kommission hat die Ansicht vertreten, dass, wenn man überhaupt abbauen wolle, es nicht von oben her geschehen dürfe, sondern dass alsdaun an einen Abban der Schule als Ganzes gedacht werden müsse, weil dies die einzige Möglichkeit einer wirklichen finanziellen Ersparnis sei. Gegen einen solchen Abbau hat aber die Mehrheit der Kommission gestimmt, die, wie sdion erwähnt, der Ansicht war, dass die Schule fortbestehen solle. In diesem Falle müsse sieaber durch gleiche Eeistungen wie die übrigen infolge der eingetretenen Veränderung des Unterrichtswesens in Preussen zu Volianstalten ausgebauten Realschulen konkurrenzfähig bleiben, was eben nur dadurch erzielt werden könne, dass man ihnen den Oberbau belässt. Die Kommission war ferner der Ansicht, dass durch die Schliessung der Frauensdiule und des Kindergartens wesentliche Ausgabeneinschränkungen aus deu in dem schriftlichen ßeridit niedergelegten Gründen und angesichts der in den Kommissionsprotokollen enthaltenen Ziffern nicht erzielt werden könnten und hat infolgedessen auch hier sich den Vorstandsbesdilüssen ablehnend gegenüber gestellt. In Bezug auf die Vorstandsbeschlüsse betr. ^tu6^ Abteilung I Allgemeine Fürsorge Unterstützungen, Mietbeihilfen, Krankenhausfürsorge, Erholungsfürsorge Abteilung II Jugendfürsorge Kinderschutz, P f 1 e ges t e 11 en w e se n, Erholungsfürsorge, Sammelvormundschaft Abteilung III Sonderfürsorge Studentenhilfe, Tuberkulosenfürsorge, Gefangenenfürsorge Abteilung IY Wanderfürsorge Unterkunft und Ve r p f 1 e gung der Durchwanderer, Ausgabe von Fahrkarten, Produktive Arbeitsfürsorge Jüdische Wohlfahrtspflege Langestraße 30 Postscheckkonto 54893 Fernsprecher Hansa 9548