Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 8 (1929-1930)
- Issue
- 6 (2.1930)
- Date
- 1930-02-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Stan&mtev Sitatütifäts <&emeittbef»(att SgtniJfcfte? tetgan bt?$fvatMföcn <8tmtinbt [Die Gemeindemitglieder erhalten das Blatt unentgeltlich. II Anzeigenpreis für die 6-gespaltene Nonpareillezeile 40 Pfg. Preis der Einzelnummer 50 Pfg. im Text und auf den Umschlagseiten 60 Pfg. / Bei Wieder¬ Zustellung durch die Post. II holungen Rabatt. / Anzeigen Verwaltung: Gemeindehaus S'chriftleitung und Verwaltung: Fahrgasse 146 || Fahrgasse 146 Erdgeschoß. / Fernsprecher Hansa 1527 u. 7085 '8. Jahrgang Frankfurt a. M, Februar 1930 Nr. 6 Die Schriftleitung übernimmt für den Inhalt des Gemeindeblatts nur die preßgesetzliche Verantwortung. Nachdruck nur mit Erlaubnis gestattet. Aus dem Inhalt. Programm der Rosenzweig-Feier............217 Eine Zeitpredigt (J. Hoffmann).............217 Ueber den Einfluss des Judentums auf die Entwicklung der theoretischen und praktischen Medizin (S. Isaac) 219 Frankfurter jüdische Aerzte des 19. Jahrhunderts (R. Kaufmann)....................221 Ein Hilferuf für Leopold Zunz (S. Hirsch).......224 Zum Frankfurter Fasttag am 24. Tebets (I. Posen) ... 225 Statistik der Frankfurter Juden. Fortsetzung. (J. Unna) . 226 Einladung zu einer Gedenkfeier für FRANZ ROSENZWEIG Sonntag, den 2. Februar 1930, vormittags 11 Uhr, im grossen Saal der Frankfurt-Loge, Eschersheimer Landstrasse 27. V PROGRAMM 1. ) Andante con moto aus dem Trio Es dur op. 100 von Schubert Klavier: Herr Erich Itor Kahn Geige: Herr Adolf Rebner Violincello: Herr Ary Schuyer 2. ) Rezitativ „So geh herein zu mir" au» der 140. Kantate von Bach Gesang: Herr Naumow Fleischmann Begleitung: Herr Erich Itor Kahn 3. ) Ansprache des Vorsitzenden des Gemeindevorstands. 4. ) Gedenkrede. Herr Rabbiner Dr. Leo Baeck (Berlin) 5. ) Der leidende Knecht Gottes. Herr Dr. Martin Buber: Vorlesung aus dem Manuskript des Jesaja-Bandes der Schrift-Uebersetzung von Martin Buber und Franz Rosenzweig. 6. ) Largo con espressione aus dem Trio G dur op. 1 No. 2 von Beethoven. (Die Herren Kahn, Rebner, Schuyer) Vorstand der Israelitischen Gemeinde Amtliche Anzeigen................. 220 Aus der Gemeindevertretung ............. 230 Aus den Gemeinden.................. 231 Anstalten und Vereine, Versammlungskalender..... 237 Bücherschau ..................... 240 Gottesdienstlicher Anzeiger.............. 242 Veränderungen im Personenstand........... 241 Personliche Nachrichten................ 241 Statistische Uebersicht.............. . . 244 Eine Zeitpredigt. Von Gemeinderabbiner Dr. Jakob Hoffmann. Zahlreichen Anregungen folgend, veröffentlichen wir diese am Sabbat „Chaje Sara" (30. Nov. 1929)) in der Synagoge am Börneplatz gehaltene Predigt. Die hebräischen Schriftstellen sind nur in der deutschen Fassung wiedelgegeben. Scnriftl. Von der Thora sagt der Mischnalehrer: „sie behütet den Menschen vor jedem Unheil in seiner Jugend und sichert ihm Zunkunft und Hoffnung in seinem Alter." Von der Jugendzeit gilt das Prophetenwort: „Die des Ewigen harren, erneuen die Kraft." Und von dem Alter sagt der Psalmdichter: „Noch blühen sie im Greisenalter, bleiben saftvoll und frisch." Und so heisst es auch von unserem ersten Stammvater: „Abraham war alt, gekommen: in die Jahre, und Gott hatte Abraham in allem gesegnet" (Kidduschin IV, 14). Dieser Ausspruch, der sich an der kraftvollen und majestätischen Gestalt unseres Stammvaters Abraham emporrankt, soll uns heute Führer und Mahner sein. Er soll uns zeigen, dass der Gott zustrebende und im Judentum wurzelnde Mensch sich nicht niederbeugen lässt von des Lebens Last und Bürde. Er bewahrt vielmehr seinen Lebensmut und seine Lebenskraft und seine furchtlose Zuversicht und Erneuerungsfähigkeit in allen Bewegungen und Gestaltungen seines Geschickes und in allen Prüfungen und Heimsuchungen, die das Leben ihm auferlegt. I. Meine lieben Freunde! Der Kampf ums Dasein ist recht schwierig geworden. Angst beschleicht viele Gemüter. Sorge wohnt auf vielen Gesichtern. Klage wird laut in vieler Munde. Man klagt über die krisenhafte Zuspitzung der wirtschaftlichen Verhältnisse, über die Unzulänglichkeit der Erwerbs- und Verdienstmöglichkeiten, über die Verringerung des Wohlstandes und über den Zusammenbruch vieler, selbst wirtschaftlich gut fundierter Existenzen. So berechtigt auch diese Klagen sein mögen, sollte doch kein Zweifel darüber bestehen, dass der moralische Zusammenbruch, den wir in unseren Tagen vielfach erleben, weit beängstigender und verhängnisvoller ist als der noch so häufig vorkommende wirtschaftliche Zusammen-