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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1930-01-01 · 5 (1.1930) · p. Seite 198

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
8 (1929-1930)
Issue
5 (1.1930)
Date
1930-01-01
Page
Seite 198 (sequence 26)
Language
German
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Ortsgruppe des Jüdisdien Friedensbundes. * Der im März ds. Js. gegründete „Jüdische Friedensbund" ist mit der Aufforderung hervorgetreten, dass sich in verschiedenen deutschen Städten Ortsgruppen resp. Arbeitsgemeinschaften bilden sollen, die die lokale Arbeit des in Berlin zentralisierten Jüdischen Friedensbundes zu übernehmen hätten. Die Ortsgruppe Frankfurt des Jüdisdien Frauenbundes berief darauf für den 12. Dezember eine Zusammenkunft ein, die von Vertretern einer Anzahl jüdischer Organisationen (Logen, Jugendbünden, Frauenvereinigungen etc.) besucht war. In Vertretung der erkrankten Vorsitzenden, Frau Paula Nassauer-Niedermayer, eröffnete Frau Ella Werner als stellv. Vorsitzende der hiesigen Ortsgruppe des jüdischen Frauenbundes die Versammlung und vermittelte den Erschienenen den Wunsch des Jüdischen Friedensbundes, eine Ortsgruppe zu gründen. Sie skizzierte in kurzen Umrissen die Wichtigkeit intensiver Arbeit für den Frieden. Sie begründete den Zusammenschluss einer speziellen jüdischen Friedensorganisation damit, dass in nicht allzuweit gespanntem, sondern enger umgrenzten Kreise eine erhöhte Möglichkeit persönlicher Beeinflussung und Erfassung gegeben sei und führte aus, dass dieser jüdische Friedensbund dann als solcher mit den entsprechenden Organisationen der anderen Konfessionen zusammenarbeiten werde. Frau Werner betonte weiter, dass nicht etwa nur die Frauen, sondern die ganze jüdische Gemeinschaft sich zur Mitarbeit bereit finden sollte und verlas dann einige Hauptpunkte der vom jüdischen Friedensbund provisorisch herausgegebenen „Richtlinien". An diese Verlesung schloss sich eine recht lebhafte Diskussion, in der von verschiedenen Seiten die nicht genügend präzisierte Formulierung der in Aussicht genommenen Satzungen kritisiert wurde: in einer abschliessenden Rede führte Frau Werner aus, dass die neu zu gründende Ortsgruppe die Möglichkeit haben werde, an der Präzisierung der Satzungen mitzuarbeiten, und dass der Wille zum gemeinsamen Werk am Frieden primär sei gegenüber der endgültigen Einigung über die Art und Weise der Arbeit. Hierauf wurde die Gründung der Ortsgruppe Frankfurt a. M. des Jüdischen Friedensbundes in aller Form ausgesprochen. Einige Organisationen, wie Frauenbund, Frauenvereinigung der Frankfurt-Loge, Jugendgruppe des Jüdisdien Frauenbundes, Jüdische Liberale Jugendgemeinsdiaft, Bund Jüdischer Pfadfinder usw. traten der Ortsgruppe sofort korporativ bei, desgleichen eine Anzahl von Einzelpersönlichkeiten. E. F. „Pazifismus und jüdische Jugend". Der Jli-Heimabend vom 10. 12. war dem Friedensgedanken gewidmet. Herr Rabbiner Dr. Gottschalk und Frau Thea Wolff, die bekannte mutige Frankfurter Vorkämpferin für Frauenfriedensarbeit, hatten die Aufgabe übernommen, uns in die pazifistische Ideenwelt einzuführen. Wenn der Friedensgedanke geeignet ist, junge Menschen zu begeistern, so erreichte dieser Heimabend in ganz besonderem Masse sein Ziel; denn die Worte der beiden würdigen Repräsentanten der Friedensaibeit drangen zum Herzen; sie zeigten die gewaltigen positiven Kräfte, die unaufhörlich an der Völkerversöhnung schaffen und andererseits die grausigen Sdi recken eines Krieges der Zukunft. Herr Dr. Gottschalk begann mit Gedanken der jüdischen Beste: er stellte Betrachtungen an über den immer wiederkehrenden Friedensgedanken in unserer Religion und bezeichnete das Judentum als Religion der Zukunft, Religion des Menschen und Religion des Lebens. In dieser Dreiheit begründet und zusammengefasst klingen die hohen Gedanken des Judentums zu einer feierlichen gewaltigen Friedenssyniphonie zusammen. Eine Religion der Zukunft nennen wir unser Judentum: denn es soll uns den rechten Weg zeigen, das Ziel des Völkerfriedens. Schon in Zeiten, in denen die Juden ein grosses" kriegstüchtiges Volk waren und heroische Freiheitskämpfe gegen Nadibarvölker, gegen Hellenismus und Römer führten, hatte der Prophet die grossen Worte von dem kommenden Messias gesprochen, der Zeit des ewigen Friedens. Von damals bis in unsere Tage hat sidi das Judentum immer wieder auf's neue mit dem Friedensgedanken beschäftigt. „Der Friede ist die Hefe im Teige". Aus diesen Worten des Talmud klingt die tiefe Erkenntnis, dass nur auf der Grundlage des Friedens ein Fortschritt möglich ist. Aehnlich sprach Maimonides, das Judentum strebe nicht nach Herrschaft, sondern wolle durch Frieden zu höherer Kultur. Lazarus und Steinthal, Führer des Judentums unserer Zeit, bekennen sich in ihren Werken zu dem hohen ethischen Ziel der Zukunft: Verbrüderung der Menschheit. „Krieg ist der Satan der Weltgesdiichte", so ruft ein jüdischer Gelehrter in die Welt hinaus. Wir sehen in unserem Judentum eine Religion des Menschen. Jeder Mensch, jeder Einzelne aber auch, soll seinen Wert, seine Bedeutung für die Welt, die Menschheit und seine Religionsgemeinschaft haben. Messias ist eine Idealgestalt, der Künder ewigen Friedens: aber diese messianische Zeit wird uns nicht als ein Geschenk Gottes beschert werden ohne unser Zutun. Jeder Jude muss tätig mit eintreten in die Phalanx derer, die für den Weltfrieden kämpfen. Hier erst zeigt sich wahres Heldentum, hier kann man den Menschen nach seinem sittlidien Werte erkennen. Wenn man jüdische Religion in diesem Geiste auffasst, so offenbart sich Religiosität nicht nur in den Religionshandlungen, sondern im ganzen Tun des Menschen. Wenn den Führer des Staates, den Führer der Wirtschaft, der Gottesgedanke durchgeistigt, so ist Politik keine Formalität mehr, so wird aus dem profanen Staatsleben eine moralische und religiöse Angelegenheit mit gesteigerter Verantwortung des Führenden der Menschheit gegenüber. Religion des Lebens ist das Judentum, fest verwurzelt in dem brausenden Diesseits. Das Judentum vertröstet nicht den Menschen, der in hartem Lebenskampfe ringt, auf ein besseres Jenseits im Fortleben nach dem Tode, sondern ermahnt ihn, im Leben Frieden mit sich selbst und Frieden mit seinem Nächsten zu erstreben. Für die jüdische Religion gibt es nicht nur ein Feld der Ehre, sondern das ganze Leben ist der Kampf, in dem sich wahrer Heroismus erprobt. Heilig ist nicht der Tod, heilig ist nicht der Krieg, heilig ist das Leben. Judentum ist nicht Selbstzweck, sondern es soll Richtung geben für die ganze Menschheit. Juden haben für Ideen zu sterben verstanden, jetzt aber gilt es für Ideen zu leben. So erscheint hell und rein das Ziel jüdischer Jugend, der Menschheit den Weg zum ewigen Frieden bereiten zu helfen. Dieser hohe ^Wunsch tönt in den Dreiklang aus: für Zukunft, Menschentum, Leben. Juden haben sich an den Gedanken des Weltfriedens nicht nur erbaut und sie verherrlicht, sondern auch an der Verwirklichung mit ganzer Kraft mitgeholfen. Ein jüdischer Rechtsanwalt aus Chicago gab die Anregung zum Kelloggpakt; Alfred H. Fried Schumann-Theater Ab Januar großes internationales Variete - Programm mit Fritz Servos dem bekannten Komiker mit seinem Ensemble und ein Programm der Attraktionen Täglich abends 8.15 Uhr. Sonntag Nachmittag 4 Uhr Fremdenvorstellung (kleine Preise, volles Programm)

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