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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1930-01-01 · 5 (1.1930) · p. Seite 177

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
8 (1929-1930)
Issue
5 (1.1930)
Date
1930-01-01
Page
Seite 177 (sequence 5)
Language
German
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Uebersetzung; Mit dem Beistand Gottes, er sei gesegnet. Der Chawer R. Levi Sohn des R. Schmuel R o s e n zw e i g, geboren in Kassel, heute Lager habend nnd Sitz im Zelte der Thora in der heiligen Gemeinde Frankfurt am Main, Stadt und Mutter in Jissrael, der Höchste gebe ihr festen Grund, Amen: Siehe, nachdem seine Augen ihm aufgegangen sind, sehnte er sich in seiner Seele, Forscher zu werden und die verborgenen Schatzkammern zu betreten, den Garten der Weisheit, um erprüfen und unterscheiden zu können, der Bewandtnis eines Dings und seiner Wirkung nachzuspüren, jeglicher Sache ihren Grund zu erstellen. So forschte er und fragte und suchte, umgetrieben war sein Geist, umherflog seine Seele, bis sie im Bezirk unseres Besitzes, des heiligen Besitzes, eine Stätte fand. Dort war er, und Gott erweckte ihm das Ohr, zu unterscheiden und zu begreifen, zu hören und zu lernen. Er setzte sich einen Meister und ward ein Lernender. Auch um zu lehren gab Er ihm ins Herz ein; da er sah, dass „Zeit ists zu handeln für den Herrn", stand er auf, erhob seine Hand, um die Gesamtschaft Jaakobs durch unser Erbgut zu festigen; er wies Ordnung und Mass in unserem Gebiet, um all denen, die sich auf den Weg machen, zu zeigen, wie sie ihn gehen sollen, mögen sie sich nach rechts, mögen sie sich nach links wenden. So ward er Lehrer in unserer Zersprengtheit, las die Schriftliche und lernte die Mündliche Lehre, um aus den Tiefen unserer Thora verborgenen Vorrat zu heben und er mehrte die Botschaft. ER gab ihm eine gelehrige Zunge, und er rief in die Ohren des Einen Volkes Worte der Freiheit und der Tröstung, um zu verkünden, dass hervorschritt ein Stern aus Jaakob. Er ergriffs und leitete die Vielen zur Bewährung. Darum beschlossen wir, im Einverständnis mit den Ermächtigten, auf sein Haupt Weihemal der Heiligung zu setzen, Diadem der Thora, j Krone des Rabbinats. j i Diese Rolle sei ihm zu Zeugnis vor der Gesamtschaft Jissraels, dass tauglich seine Kraft ist, in der Tempelhalle zu stehn und die Verwahr des Heiligtums zu wahren. ER sein Gott sei bei ihm, dass er erhöht werde, höher und höher, dass sich seine Quellen weit hinaus ergiessen, dass SEIN Begehr durch seine Hand geraten möge, auf dass sich hebe die Stärke der Wissenschaft Jissraels, die Thora gross und gewaltig "werde. Berlin, im dritten Monat, im zehnten des Monats, im Jahre 5683.! Uri Lipmann Baeck Rabbiner der heiligen Gemeinde Berlin Dozent an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums. (Deutsch v. N. Ol.) Ich bleibe doch stets bei dir (73. Psalm, Vers 23-26) Die drei ersten Worte des 23. Verses, die die Ueberschrift wiedergibt, sollen nach dem Wunsch von Franz Rosenzweig auf seinem Grabstein stehen. Ich bleibe doch stets bei dir: meine rechte Hand hast du erfasst. Mit deinem Rat geleitest du mich, danach nimmst du mich in die Herrlichkeit auf. Wen habe ich im Himmel?! aber bei dir begehr ich auch nicht nach der Erde. Ist mein Leib, mein Herz alldahin, der Fels meines Herzens, mein Teil bleibt Gott in Ewigkeit. Deutsch von Martin Buber. Schriftworte In der Woche, in der Franz Bosenzweig von uns ging, wurde als sabbatliche Lesung in den Bethäusern Israels der Abschnitt „Jaakob zog aus" aus der Schrift verlesen. Der Abschnitt beginnt: Jaakob zog aus von Ber-Schaba und wanderte nach Charan. Zu dem Wort „zog aus" sagt Raschi: Es war nicht nötig, dies zu schreiben, sondern nur „und wanderte nach Charan". Warum wird des Auszugs gedacht? Weil dies lehrt, dass der Auszug eines Gerechten aus dem Ort ein Merkmal schafft. Denn solange der Gerechte in der Stadt weilt, ist er ihr Glanz, er ihre Zier, er ihre Pracht; zieht er von dort hinweg, dann schwindet ihr Glanz, schwindet ihre Zier, schwindet ihre Pracht Ebenso, wenn es bei Noomi und Rut heisst: „Und sie zog aus von dem Ort." Weiter heisst es: Er sah, eine Leiter gestellt auf die Erde, ihr Haupt an den Himmel rührend, und sah, Boten Gottes steigen au f ihr empor, hernieder. Hiezu sagt Ramban (Rabbi Mosche ben Nachman): Er liess ihn im Traum die Kündung sehen, dass alles, was auf Erden geschieht, durch die Boten geschieht und alles durch die Entscheidung des Höchsten über ihnen, denn die Boten Gottes, die Gott aussendet, dass sie sich auf Erden ergehen, tun nichts Kleines oder Grosses, bis sie zurückkehren, um sich hinzustellen vor den Herrn aller Erde und sprechen: wir haben uns auf der Erde ergangen und siehe, sie wohnt in Ruhe; oder: sie ist voll von Schwert nnd Blut. Und er befiehlt ihnen, wieder hinabzusteigen auf die Erde und sein Wort auszuführen. Und es ist ersichtlich, dass Er, der Gepriesene, es war, der auf der Leiter stand und Jaakob die grosse Verheissung wissen liess, dass er nicht in der Hand der Boten sein wird, sondern Gottes Teil, und dass Er immer mit ihm sein wird, wie Er gesprochen hat: ICH denn bin bei dir. ICH will dich hüten, wo all hin du gehst. So ist sein Rang höher als der anderer Gerechten, von denen gesagt ist: Seinen Boten wird er befehlen, dich auf allen deinen Wegen zu bewahren. fn der Rede Jaakobs zu Laban heisst es: Hätte ich nicht den Gott meines Vaters gehabt, ihn Abrahams Gott, ihn Jizchaks Erschauern, leer, wahrhaftig, hättest du mich jetzt ziehen lassen. Dies erklärt Raschi : Er wollte nicht sagen „der Gott Jizschaks", weil der Heilige, gelobt sei Er, die Gerechten nicht bei ihren Lebzeiten mit Seinem Namen vereint. Der Schlusss des Abschnitts lautet: Jaakob zog seines Wegs, da trafen Boten Gottes auf ihn. Jaakob sprach, als er sie sah: Ein Heerlager Gottes ist hier! Und er rief den Namen jener Stätte: Machanajim, Doppellager. Hiezu sagt Raschi: Ein Doppellager — die Lager derer von ausserhalb des Landes kamen mit ihm bis hierher, die aber von Erez Israel kamen ihm entgegen. — Diese Deutung leitet hinüber zu dem Gleichnis, das Franz Rosenzweig selbst seinem Leben gab, als er es „Zweistromland" nannte.

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