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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1930-01-01 · 5 (1.1930) · p. Seite 174

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
8 (1929-1930)
Issue
5 (1.1930)
Date
1930-01-01
Page
Seite 174 (sequence 2)
Language
German
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174 Segenssprudi für Chanucka, italienisch, 77. Jahrh. (Aus der Klisdiecsammhing der Gescllsdiaft zur Erforsdiung Jüd. Kunsldenkmäler) zug auf die biblisdien Opfer sagt das-schon der Talmud, und später entwickelt Maimuni diese Idee sehr eingehend. Die Steine des entweihten Altars ließ Jehuda Makkabi aus Pietät nicht wegwerfen, sondern sie in der nordwestlichen Halle des Tempels aufbewahren, wo sie bis zum jüngsten Tag ruhen sollten, da der Prophet Elia kommt und bestimmt, was mit ihnen zu geschehen hätte Hier werden wir schon vom Geist der Sage umwittert. Die Sage erzählte, daß nach der Einweihung der Stiftshütte unter Moses ebenso wie nach der Einweihung des Salomonischen Tempels das Feuer vom Himmel in der Gestalt eines Löwen herabkam und sich auf den Altar niederließ, wo es immerdar brannte, bis es der frevlerische König Manasse verlöschte. Die Sage erzählte weiter, daß man im Tempel nur ein kleines Krüglein Oel fand, das mit dem Siegel des Hohepriesters verschlossen, also nicht verunreinigt worden war und zum Entzünden des goldenen siebenarmigen Leuchters gebraucht werden durfte, aber nur für einem Abend reichte. Nun dauerte der Weg bis zu der Ortschaft, wo das Oel hergestellt wurde, vier Tage. Andererseits.waren alle jüdischen Männer, da sie vom Kriege heimkehrten, verdächtig, mit Leithen Gefallener in Berührung gekommen und somit unrein, also auch unfähig zu sein, Oel für den Tempeldienst zu bereiten. Man hätte daher acht Tage auf frisches- Oel warten müssen. Da geschah ein -W u n d e r : der Inhalt des kleinen Krügleins reichte für volle acht Tage, so daß das Licht im Tempel nicht ausging. Zur Erinnerung an dieses Wunder wurde das Entzünden der Lichter an acht Abenden angeordnet, die das Chanucka-Fest dauert. Acht Tage hatte ja auch die Einweihung des Salomonischen Tempels gedauert. Die acht Chanucka-Tagc sollten zugleich dem Volke die acht Suckoth-Tage ersetzen, die es diesmal in der stürmischen Kriegszeit zu feiern verhindert gewesen war. Man glaubte auch gerne, daß die wunderbare Entzündung des Altarfeuers des zweiten Tempels unter Nehemia ebenfalls am 25. Kislew erfolgt war. Der Volksglaube griff noch weiter zurück und wollte wissen, daß die Stiftshütte unter Moses ebenfalls an diesem Monatstag vollendet, wurde, doch mit ihrer Einweihung wartete Gott bis zum Monat Nissan, dem Monat, in dem der Sage nach die Erzväter Abraham, Isaak und Jakob geboren waten. Im Chanucka-Fest nahm nun der Monat Kislew sozusagen seine Revanche. An den acht Tagen des Chanucka-Festes wird beim Morgengottesdienst das Kapitel aus der Thora abschnittsweise vorgelesen, das die Einweihung der Stiftshütte erzählt. (Numeri 7) N a c h m anitles überliefert in seinem Kommentar zu Numeri 8 nach einem alten Midrasch folgende liebenswürdige Sage: Als bei der Einweihung der Stiftshütte alle Stämme mit Opfern und Weihgeschenkeii nahten und der Stamm Levi, — der schon damals nicht mitzählte, da er für den Tem- . peklienst ausgesondert war, — allein nicht herangezogen wurde, da fühlten sich die Leviten gekränkt. Gott aber sprach zu Moses: seid nicht betrübt, Ich habe ein anderes Chanucka bereit, da werde ich Wunder tun an meinem Volk und meinem Tempel durch die Angehörigen deines Stammes. (Die Makkabäcr waren Kohanim, also vom Stamme Levi). So schlang die'Sage eine Wunderkette von der ersten Einweihung über die zweite und die dritte bis zur vierten. Der Grundgedanke, der das vormalige Naturfest mit dem nationalen und religiösen Chanucka-Fest verband, war die Wiederkunft des heiligen Lichtes. Früher war es die Sonne, jetzt symbolisiert das bescheidene Oellämpchen das Licht der Thora, das Antiochüs auszulöschen drohte und das die Hasmonäer wieder entzündeten. Längst schon fiel es auf, daß das Chanucka-Fest in den Augen der Weisen des Talmud ungleich weniger galt, als etwa das P u r im - Fe st. Von letzterem handelt ein besonderes biblisches Buch, die Esther-Rolle. Die Geschichte und die Namen der eigentlichen Helden des Chanucka-Festes verewigt keine in hebräischer Sprache verfaßte Schrift, nur die griechisch geschriebenen Makkabäer-Bücher, da das hebräischa Original, wenn es je existiert hat, verloren gegangen ist. Und dabei knüpft das Purimfest an ein Vorkommnis an-, das sich, nicht einmal historisch genau feststellen läßt und jedenfalls keine größere Bedeutung in der Geschichte des jüdischen Volkes beanspruchen darf, während die dem Omni icka-Feste zugrunde liegenden Tatsachen gewaltige Ereignisse waren, eine neue Epoche in der Geschichte des jüdischen Volkes einleiten und einen welthistorischen Hintergrund haben. Die .sogenannte „Me g i 11 a t A n t i o c h o s", die zuweilen am Chanucka privatim gelesen wird, ist eine im Mittelalter aramäisch "verfaßte und nachher ins. Hebräische übersetzte mehr legendarische Darstellung der Ereignisse, die Jüdische Wohlfahrtspflege Frankfurta.M. Abteilung I: Allgemeine Fürsorge /; Unterstützungen, Mietbeihilfen - Krankenhäusfürsörge, ErholungsfüTsorge Langest^ 30 . Postscheckkonto 54893 Tel. Hansa 9548:

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