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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1929-10-01 · 2-3 (10.1929) · p. Seite 91

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
8 (1929-1930)
Issue
2-3 (10.1929)
Date
1929-10-01
Page
Seite 91 (sequence 43)
Language
German
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Quelle aus dein Staatsarchiv Nürnberg erschließt M. Freu- I denthal. Auf die großen Beiträge folgen Rezensionen, No-! tizen, sowie eine von Professor Heinrich Loewe sorgfältig | zusammengestellte Biographie, die fortgesetzt wird. Der i Ertrag des ersten Heftes der neuen Zeitschrift kann also als sehr vielversprechend bezeichnet werden. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums. Das Augustheft zeichnet sich wieder durch besondere Reichhaltigkeit des Inhalts aus. Als erfreulich darf insbesondere hervorgehoben werden, daß zahlreiche der gründlichen und gediegenen Abhandlungen auch für einen weiteren Leserkreis verständlich und anregend sind. Abhandlungen von A. Lewkowitz über „Moses I Mendelssohns Stellung zur Religion", von Holzmann über die Wiedergabe unseres „Höre Israel" in den verschiedenen Uebersetzungen, sowie Beiträge zur Erklärung mittelalterlicher Dichtungen und hebräischer Worte (u. a. der Namen Israel und Zion) seien hervorgehoben. Schriften der Zentral wohlfakrtsstelle der d e ut s c h e n Juden. 1. Schafft jüdische Jugend- und Gemeindeheime, 31 S. RM. 0.50. 2. Jüdische Bevölkerungspolitik, 100 S. RM. 1.—. In kurzen Aufsätzen von Paula Ollendorff, Alfred Goldschmiert, Fritz Schwarzschild, Paula Kronheimer, Georg Lubinski und Friedrich Ollendorff wird die wichtige Frage der Schaffung jüdischer Gemeindezentren, die zugleich Heimräume für die jüdische Jugend enthalten sollen, mich den verschiedensten Richtungen erörtert. Vielleicht hätte es sich empfohlen, in die Untersuchung auch das in einer Reihe nordamerikanischer Gemeinden zu großer Bedeutung gelangte „Community centre" einzubeziehen. Die kle ue Schrift bietet wertvolles Material für die in einer großen Reihe deutscher Gemeinden, auch in Frankfurt a. M„ im Vordergrund stehenden Erörterungen. Eine schematische Grundrißskizze des bekannten Architekten Dr. Gutkind- Berlin, sowie ein Literaturverzeichnis sind der Schrift beigefügt. Das zweite Heft enthält einen eingehenden Bericht ü )er die Tagung des bevölkerungspolitischen Ausschusses des Preußischen Landesverbands jüdischer Gemeinden vom 24. Februar 1929. Der Anhang gibt eine Reihe interessanter Einzelmaterialien, sowie ein Verzeichnis einschlägiger Literatur. Bei der im wahren Sinn des Wortes brennenden Bedeutung, die das Bevölkerungproblem für die deutsch-jüdischen Gemeinden erlangt hat, und die leider keineswegs in ihrer vollen Schwere erkannt wird, darf dieser Bericht auf besondere Beachtung rechneu. Es ist sehr zu wünschen, daß ihm bald eine von sachkundiger Seife und auf Grund zuverlässiger Angaben bearbeitete Zusammenstellung des Ziffernmaterials, mindestens für die am meisten bedrohten Gemeinden..folge. Jedenfalls hat sich die Zentralwohlfahrtsstelle das Verdienst erworben, mit der Herausgabe dieses Berichts die erste Grundlage einer allgemeinen Erörterung geschaffen zu haben. M. E. Ravage, Five M e n o f F r a n k f o r t, T h e Story of the R o t h s c h i 1 d s. 341 Seiten. New York, 1929. Preis 5 Dollar (dasselbe, London 1929. 532 S., 10 sh. 6 d.) Der gut ausgestattete Band lehnt sich im Titel an den des weltbekannt gewordenen Lustspiels „Die fünf Frankfurter" und im Inhalt an zwei früher erschienene Bücher über das gleiche Thema an: das vortreffliche Werk Berghoeffers „Meyer Amschel Rothschild" und das ins Englische übersetzte Buch über die Rothschilds von Coiite Corti. Während das Werk des verdienten langjährigen Leiters der Frankfurter Rothschild-Bibliothek Dr. Berghoeffer in knapper Form nur die wichtigsten Momente aus dem Werden des Hauses Rothschild zusammenfaßt, läßt Corti die Schicksale der berühmten Familie bis zum Jahre 1850 in ausführlicher, an das Romanhafte streifender Schilderung an dem Leser vorüberziehen. Auch das nunmehr erschienene Buch Ravages verleiht dem fortlaufenden Fluß seiner Erzählung den Reiz des Romans. Dazu ist die Sprache klar, die Anordnung wirkungsvoll, das Zeitkolorit sowohl wie auch die einzelnen Charaktere sind lebendig und überzeugend herausgearbeitet, die deutsamen Momente im Schicksal der Familie zeigen sich trefflich belichtet. So bietet Ravages Werk dem Leser Genuß und Spannung, die sich besonders während der Schilderung der Napoleonischen und der Exils-Zeit des Landgrafen Wilhelm von Hessen zu dramatischen Höhepunkten steigert. Umso bedauerlicher wirkt daher der Umstand, daß das neue Material, das Ravage herbeiträgt, ohne seine Quellen anzugeben, zum Teil den Eindruck willkürlicher, eigener Schlußfolgerungen hervorruft, für die keine sicheren Grundlagen vorhanden sind. So z. B.( erklärt der Verfasser die bereits von Berghoeffer angeführte, aber -nicht erläuterte Tatsache, daß Meyer Am- . schel unter seinen Glaubens- und Ghetto-Genossen den Spitznamen „Bäuerche" führte, und auch seine Vorfahren mit den Beinamen „Bauer" belegt wurden, durch die Mutmaßung, diese seien als Hausierer auf den Dörfern umhergezogen — eine xlnnahme, für die eine quellenmäßige Begründung nicht gegeben wird. Wenn Ravage weiterhin die Geschichte des Hauses Rothschild bis zu seinem Niedergang verfolgt und über die Niederlassung der fünf Söhne Meyer Amschels in verschiedenen Ländern und Großstädten sehr Interessantes in bester Form zu berichten weiß, stellen wir dennoch einigen seiner Mitteilungen skeptisch gegenüber, da sich darunter solche befinden, die jeder ältere Frankfurter noch aus eigener Erinnerung berichtigen könnte. Erzählt z. B. Ravage, es sei dem Baron Willy von Rothschild eine schmerzliche Enttäuschung gewesen, sechs Töchter, aber keinen Sohn zu besitzen, so weiß man in Frankfurt, daß es nicht sechs, sondern zwei Töchter waren, deren eine Herrn Max von Goldschmidt-Rothschild, die andere den Baron Edmond de Rotschild in Paris heiratete. Auch öffnet der wissende Frankfurter erstaunte Augen bei dem Bericht des Amerikaners über eine völlige Liquidation des Frankfurter Hauses nach dem Hinscheiden des Barons Willy. Dazu soll der Schwiegersohn Max von Goldschinidt- Rothschild sowohl das Frankfurter wie das Berliner Hans pietätvoll wieder aufgerichtet haben, und dieses soll ..nach seinem Tode" unter der Führung seiner Nichte, Frau Frahnburger weiterbestehen. Demgegenüber ist allgemein bekannt, daß das Frankfurter Geschäft Goldschmidt-Rothschild nur noch als Vermögensverwaltung des Eigentümers fortbesteht und das Haus in Berlin nur ein kleineres Bankgeschäft ohne internationale Bedeutung ist. Und was den „verstorbenen" Herrn von Goldschmidt-Rothschild anbetrifft, so steht zu hoffen, daß er erst nach vielen in Gesundheit verbrachten Jahren von uns scheiden möge. B. II. Pierre Benoit, Der Jakobsbrunnen. Berechtigte Uebertragung von Marcel Golle, Selbstverlag des Uebersetzers, Territet-Montreux 1929, 265 S. Die Bücher des Verfassers dieses Romans erfreuen sich in Frankreich großer Verbreitung, auch das vorliegende Buch scheint es auf eine Riesenaullage gebracht zu haben. Dieser Erfolg ist wohl zum großen Teil auf die seit Jahren gerade im literarischen Frankreich hervortretende „jüdische Mode" zurückzuführen, über deren tiefere Zusammenhänge Ahne Palliere soeben (im Juli/August-Heft der Nouvelle Revue Juive) einen sehr bemerkenswerten Aufsatz veröffentlichf. Der von solcher Mode nicht beeinflußte Beurteiler muß den — übrigens vollkommen unzureichend übersetzten — Roman ,Jakobsbrunnen" ablehnen. Das Aufbauwerk im Heiligen Land ist eine zu ernste Angelegenheit, um die Folie für die an sich nicht übermäßig interessante, wenn auch recht spannend erzählte Lebensgeschichte einer jüdischen Tänzerin abzugeben. I) as Jahr des J ü d i s ch e n Frauen b u n d es (RM. 3.25 mit Metallunterlage zum Auswechseln). Der in diesem Jahr vom Jüdischen Frauenbund (Berlin N. 24, Monbijouplatz 10) herausgebrachte Kalender weist wiederum eine sehr ansprechende Gestaltung auf. Das jeweils eine Woche mit den deutschen und hebräischen Daten zusammenfassende Kalendarium ist durch literarische und künstlerische Beiträge ergänzt. Unter jenen befindet sich neben üblicher Kalenderweisheit manches wertvolle und tiefe Wort. Die gut gedruckten Bilder zeichnen sich in diesem Jahr durch eine besonders hübsche Grundidee aus: die Wiedergabe von Gebäuden und Städteansichten, die in irgende' er Beziehung für Juden von Interesse sind. Dem Kalender s'ml zu den alten viele neue Freunde zu wünschen. Kalender der Israelitischen Waisen a nst a lt. Die segensreich wirkende Frankfurter Anstalt v.--s; " ' -t zu den Feiertagen einen Wochenkalender für das Jahr V)0 mit den hebräischen und deutschen Daten. Die hübsch ausgestattete und praktische Gabe wird hoffentlich Woche um Woche recht viele Gönner der Anstalt zu entsprechenden Gegengaben veranlassen. Die deutsche Mark von 1914 bis 19 2 4. Verlag E. Schuster, Nürnberg. Preis RM. 1.—. Das kleine Werkchen bringt im ersten Teil verkleinerte Abbildungen aller vor dem Krieg und während der Inflation erschienenen Banknoten mit genauen Beschreibungen, ferner Nachbildungen der Briefmarken des Deutschen Reichs von 1914 bis 1924 und eine ausführliche Tabelle über die Dollarkurse von 1919—1925. W e s t e r m a n n s Monatshefte. Die ZusanunensVlung des September-Heftes bildet die beste Empfehlung ihs neuen Jahrgangs dieser für unsere bürgerliche Gesellschaft in mancher Hinsicht repräsentativen Zeitschrift. Neben de \ sorgfältig behandelten literarischen Teil, der u. a. einen Roman von Rudolf Pres her bringt, erhalten die Hefte eine he-

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