Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 8 (1929-1930)
- Issue
- 2-3 (10.1929)
- Date
- 1929-10-01
- Page
- Seite 87 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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87 gen eines Psalms in zwei verschiedenen Uebersetzungen von Mendelssohn zu Gehör gebracht. Diese Kompositionen dürften sich nur noch in vereinzelten Bibliotheken vorfinden, und sie wurden wahrscheinlich überhaupt zum ersten Male aufgeführt. Die Kompositionen, von denen eine von dem Kammermusikus und Theoretiker Joh. Ph. Kirnberger, dem zeitweiligen Musiklehrer Mendelssohns, die andere von dem Abt Vogler komponiert wurden, entsprechen wohl dem heutigen Geschmack nicht mehr völlig und sind nur durch Kürzungen annehmbar. Diese nahm Herr Erich Itor Kahn in geschickter Weise vor, und er verstand es auch, unterstützt von seinem kleinen Chor wohlklingender Stimmen, das Ganze vorteilhaft zu Gehör zu brigen. Am Flügel wirkte in anzuerkennender Weise Herr R e b n e r. Dem Leben und der Bedeutung Mendelssohns war der .Festvortrag gewidmet, den Herr Rabb. Dr. C. Seligmann in dankenswerter Weise übernommen hatte. Eine historische Einleitung schilderte die Zeitverhältnisse und das geistige Milieu der Judenheit vor 200 Jahren. Von diesem Hintergrund trat die Gestalt und die Leistung des jüdischen Philosophen, den man zuweilen mit Sokrates verglich, leuchtend hervor. Sein harter Lebensweg, seine schicksalshafte Begegnung mit Lessing, die Bedeutung des Mendeissohnschen Phaedon für die von Werther-Stimmung ergriffenen Zeitgenossen, die aus diesem Werk über die Unsterblichkeit der Seele neuen Mut schöpften, verstand der Vortragende ebenso meisterhaft darzustellen, wie den Wert der Bibelübersetzung, die den Juden den Zutritt zu deutscher Sprache und deutscher Kultur eröffnete. Auch über das "Werk „Jerusalem", das nicht nur Grundlegendes über das Verhältnis von Staat und Kirche zu sagen wußte, sondern auch vor allem zum ersten Mal das Wesen des Judentums nicht als geoffenbarte Religion, sondern im Gegensatz zu früheien großen Interpreten als geoffenbarte Gesetzgebung formulierte, hörte man kenntnisreiche Ausführungen. Die Frage einer parteimäßigen Festlegung des Mendelssohnschen Wirkens lehnte der Redner ab, ebenso ab wie die Angriffe auf das Historische in Mendelssohns Werken. Seine historische Sendung, die ja auch in der Neuorientierung des jüdischen Schulwesens bindend verankert ist, erstand so vor den Augen der aufmerksamen Zuhörer. Reicher Beifall lohnte die gelungene Darbietung, mit der die Gesellschaft ■eine beachtliche Leistung vollbracht hat. —tz. " Mensa Academica Judaiea. Seit Mitte Juni dieses Jahres wird den von auswärts nach Frankfurt a. M. kommenden Studenten Gelegenheit gegeben, in der Mensa academica judaiea rituell zu essen. Wie eifrig von dieser Einrichtung Gebrauch gemacht wird, ersieht man am besten daraus, daß — während es im Juni und Juli etwa 30 Studenten waren — heute bereits gegen 50 Kommilitonen dort essen. Ein Rundgang durch die Räume der Mensa zeigt uns, daß die Gründer bestrebt gewesen sind, dem jüdischen Studenten nicht nur ein „Restaurant", sondern ein gemütliches Heim zu schaffen. Im ersten Stock des Hauses Kettenhofweg 26 treffen sich täglich von 12 h. bis 22 h. die jüdischen Studenten der Universität und der Pädagogischen Akademie. Durch einen kleinen Vorraum, in dem der Gast den äußeren Menschen würdig herrichtet, gelangt man in die für die Studenten bestimmten Räume. Zwei außerordentlich freundlich eingerichtete Zimmer empfangen den Besucher, dem beim Betreten besonders die Sauberkeit und Gemütlichkeit der Räume auffallen. Trotz großer Einfachheit in der Einrichtung hat sich die Mensa in der kurzen Zeit ihres Bestehens unter den Studenten viele Freunde erworben. Die Mensa wird von den meisten Kommilitonen nicht nur als Gelegenheit zum Koscher-Essen betrachtet, sondern vielmehr als ein Mittelpunkt der jungen jüdischen Akademiker aller religiösen und politischen Richtungen. Schon heute können wir uns kaum mehr vorstellen, wie es ohne die Mensa gehen sollte. Jedem von uns ist es Bedürfnis, wenigstens einmal täglich dort gewesen zu sein, im Kreise der jüdischen Kommilitonen. Die Verwaltung der Mensa ist bestrebt, den Anforderungen der Studenten soweit wie nur irgend möglich Rechnung zu tragen. Durch Auslegen von Zeitungen, Schachspielen etc. soll der Aufenthalt auch nach dem Essen angenehm gestaltet werden und zum Verweilen einladen. So ist zu hoffen, daß mit der Zeit hier ein Zentrum aller jüdischen Studenten entsteht. Zu dieser Hoffnung berechtigt jetzt schon die allgemeine Zufriedenheit mit der Kost, denn letzten Endes geht auch die Liebe zur Mensa durch den Magen. Herbert Böhm-Münsterberger cand. rer. pol. N AU M ANNS KERNSEI FE MIT GARANTIE-STEMPEL E#%"i"ivÄ Ist das beste Waschmittel, für das es keinen Ersaty gibt. Für jeden Pfennig, den Sie das Stück gute Kernseife mehr zahlen, sparen Sie ebensoviel Mark durch Minderuerschleifi der Wäsche. ] Zum Jahreswechsel herzlichen Glückwunsch. j HAU & HOFMANN i Rechneigrabenstr. 13