Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1929-09-01 · 1 (9.1929) · p. Seite 28

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
8 (1929-1930)
Issue
1 (9.1929)
Date
1929-09-01
Page
Seite 28 (sequence 28)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3094266-3094348-3094349--1998-3096735
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

28 Für das Jahr 1241 wird in allen Quellen die Seelenzahl auf über 200 angegeben, mit der Begründung, daß in den jüdischen wie in den nichtjüdisehen Berichten über die „erste Judenschlacht" dießes Jahres erzählt wird, es seien 180 Menschen umgekommen und 24 Personen zum Christentum übergetreten. Ferner nimmt man an, daß einige sich durch die Flucht gerettet haben. Ueber das Jahr der Rückkehr' der Juden nach Frankfurt sind die Meinungen geteilt. Naeh Bücher5) sind sie 1281 wieder in Frankfurt nachweisbar. — Von 1311—4370 wurden die Juden in die Bürgerbücher eingetragen. Bücher8) rechnet für jeden in der Steuerliste angeführten Haushalt 7—8 Personen; ferner nimmt er an, daß drei bis fünf Haushaltungen, die von der Steuer befreit sind, nicht in der Steuerliste enthalten sind. Es ergeben sich bei Berücksichtigung dieser Momente für das Jahr 1346 ca. 235 Personen und in gleicher Weise die in der Tabelle angegebenen Zahlen für die Jahre 1349 und 1387. Jedoch sind für die letzten Jahre die Bestimmungen der Haushaltungen so ungenau, daß Bücher selbst es nicht wagt, aus ihnen die Seelenzahl zu berechnen. Ueber die verschiedenen Ansichten, wann die Juden nach der .,Zweiten Judenschlacht" zurückgekehrt sind, vergleiche man bei Horovitz9). der den Untersuchungen Büchers entgegentritt. Für die Jahre 1431, 1447 und 1473 gibt Bücher10) die genaue Gliederung an Hand der Haushaltungsverzeichnisse an. "Von 1463 bis 1500 sind, wie Bücher11) berichtet, die Rechenbücher vollständiger geführt, und es läßt sich aus ihnen mit Hüfe des von ihm angegebenen Koeffizienten die genaue Seelenzahl berechnen. Der große Zuwachs am Ende des 15. Jahrhunderts erklärt sich dadurch, daß aus einzelnen Städten Deutschlands vertriebene Juden zum großen Teil nach Frankfurt flüchteten. Besonders erwähnt wird, daß die im Jahre 1498 in Nürnberg Ausgetriebenen in Frankfurt eine neue Heimstätte fanden.12) Die Zahlen für die Jahre 1556—1690 erscheinen im allgemeinen in der Tabelle nach Durchschnittswerten von je 10 Jahren. Sie sind von Dietz13) nach folgender Methode errechnet worden. Er legt den Sterblichkeitskoeffizienten von 20,7°/oo der Bevölkerung zugrunde, den Bleicher1*) angibt. Er baut seine Berechnungen auf die von Horovitz16) angegebenen Zahlen der Toten eines jeden Jahres auf. Auffallend ist hier vor allem der große Aufschwung zu Ende des 16. Jahrhunderts. Es hat sich nämlich in den ca. 20 Jahren von 1569—1590 die Bevölkerungszahl um 900, d. h. auf das Doppelte erhöht. Nach Bothe16) ist dies darauf zurückzuführen, daß um diese Zeit der Münzhandel und das Wechselgeschäft in höchster Blüte standen. Insbesondere kam das Aufkommen des Münzhandels den Juden sehr zu gute, weil dies ja der Berufszweig war, in dem man ihnen die größte Freiheit gelassen hatte. Die Blüte war ihrerseits hervorgerufen durch die „industrielle Hochkonjunktur", die von Bothe an Hand der Steuerlisten nachgewiesen wird.17) Die Bevölkerungszahlen am Ende des 17. und zu Beginn des 18. Jahrhunderts sind aus den Jahren 1694, 1703 und 1709 erhalten.18) In der Visitationsliste von 1690, die Kracauer19) erwähnt, scheinen keine Angaben enthalten zu sein, aus denen in zuverlässiger Weise die Seelenzahl zu berechnen wäre. Die Visitatoren hatten die Aufgabe, zu prüfen, ob die Juden die Vorschriften beobachteten, die der Rat für sie erlassen hatte. Diese Verordnungen bezogen sich besonders auf die Zahl der Juden und auf die Bauart ihrer Häuser. Die Visitationen fanden nicht regelmäßig nach bestimmten Zeitabschnitten statt, sondern immer dann, wenn die Juden bei dem Rat angeklagt wurden, die Bestimmungen nicht eingehalten zu haben; oder wenn der Rat eine dahingehende Vermutung hatte. Für das Jahr 1709 stehen sich die Angaben von Bothe20) und Kracauer 21) gegenüber. Letzterer hat in der Visitationsliste 3024 Personen gefunden, ersterer hingegen nur 3019 Personen. Infolge der Ver- Bchiedenartigkeit der Klassenbildung bei beiden ist es nicht möglich, zu finden, über welche Gruppen sie verschiedener Meinung sind. Die meisten Abweichungen in den verschiedenen Quellen finden sich für das 19. Jahrhundert. Hier zeigen sich die verschiedensten Zahlen, und es muß nun versucht werden, an Hand des Materials, das den einzelnen Aufstellungen zugrunde liegt, die Unterschiede zu verstehen und die wahren Zahlen zu finden. Wir haben hier drei Arten von Quellen zu unterscheiden: 8) S. 564 9) ß. Inschriften, Einleitung. S. XXTTI ff. 10) ß. 562 ff. 1J) S. 548. 12) Bleicher, S. 558, aus I. La.tom.us bei Froning: Chronik, S. 103. 25. 18) Stammbuch, S. 433. **) Bleicher, Statistische Beschreibung, 2. Band. S.247. Anm.281. 15) Inschriften, Einleitung S. XXXII ff. s. a. Sterbestatistik (später). 16) Besteuerung, S. 231. 17) Daselbst. ,8) Stadtarchiv, Ugb. D. 7. s. a. Bücher, S. 570, und Kracauer, Festschrift, S. 322. 18) Festschrift, S. 322. Anm. 1. 20) Beiträge S. 70 f. 3173 u. 3117 3117 3237 1. Die für die Zwecke der israelitischen Temeinde aufgestellten Listen. Solche sind erhalten aus den Jahren 1806—07, 1808 und 1817. In den ersteren sind die Gemeindemitglieder verzeichnet ohne Rücksicht darauf, ob sie die Stättigkeit erlangt haben oder nicht und ohne Berücksichtigung des Wohnortes. Die entsprechenden Angaben finden sich in besonderen Spalten. Am Ende des letztgenannten Buches finden sich summarische Zusammenstellungen als Ergebnisse der Volkszählungen vom 1. Januar 1848, vom 1. September 1852 und vom 1. Juli 1858. Die Originale scheinen nicht mehr yorhanden zu sein. Die 2. Quelle ist die amtliche Statistik. Sie finden wir in den Quellenwerken der Statistik der Stadt Frankfurt. 3. finden sich häufig einzelne Ergebnisse in Spezialarbeiten^— Um nun die Art der' Unterschiede leichter zu übersehen, seien im folgenden zuerst die Angaben nach den verschiedenen Quellen einander gegenübergestellt: Jahr: Israel. Gemeinde: Amtl. Daten: Einzeldaten: 1806/07 2939 1808 3114 3104 1810 1811 2214 1817 3298 4309 1823 4530 1847 1848 3262 1852 3474 1858 3989 5733 1864 7620 (Quellenangabe zu Einzeldaten: Für 18 08: Hanauer. Statistik. S. 1. und Bothe, Beitrage, S. 70 nach Ugb. D. 18. 1810: Angabe von Kracauer, Festschrift, S. 395, aus einer Eingabe der Vorsteher an das Großherzogtum'(aus Geiger, Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland, Bd. 5 S. 56). 184 7: Stricker, Neuere Geschite, S. 236. und Oppenheim, S. 177. Die Angaben in der Rubrik „israelitische Gemeinde" finden sich zum Teil auch in Stricker, Neuere Geschichte, S. 236 f.) Der Unterschied zwischen den Gemeindelisten und der amtlichen Statistik ist wohl der, daß erstere den Teil der Fremden einbezieht, der in die Gemeinde aufgenommen ist, ohne das Bürgerrecht erworben zu haben. Es scheint, daß die Zahl der Juden im Jahre 1817 unvollständig ist, da hier bei der Gruppe Permissionisten, im Gegensatz zu 1811 und 1823, keine Unterteilungnach Konfessionen gegeben ist.22) Man muß wohl annehmen, daß auch ein Teil der Permissionisten des Jahres 1817 Juden sind. Oder sollte vielleicht den Juden in dieser Zeit der Permissionistenschein verweigert worden sein? — Die Zählung von Bothe für 1808 unterscheidet sich nur von der jüdischen Aufstellung um 3 Männer. Die gleiche Zahl findet sich auch bei Kracauer bzw. Geiger, dessen Arbeit Kracauer anführt. Daß die Judenvorsteher im Jahre 1810 die Zahl von 3117 angeben, ist wohl so zu erklären, daß man die letzte authentische Feststellung anführte. — Woher Hanauer 23) die Zahl 3173 für 1808 entnommen hat. ist ganz ungeklärt, zumal er die Angabe von Bothe für 1808 anführt.24) Ebenso unverständlich ist die amtliche Zahl 2214 im Jahre 1811, da doch vorher schon eine größere Zahl von Gemeindemitgliedern bekannt ist, und auch 6 Jahre später von der amtlichen Statistik über das Doppelte angegeben wird. — Welche Folgen die Gesetze, das Bürgerrecht der Juden betreffend, auf die Zahl der Juden, insbesondere hinsichtlich des Zuzugs Fremder hatten, ist nicht festzustellen. Es sind uns hierzu zu wenige Zahlen überliefert. 22) s. Bleicher, Statistische Beschreibung, 2. Teil, 1. Heft, S. 7. ") Statistik, S. 1. 24) Das. S. 3. Es soll dort 1808, nicht aber 1806 heißen. Friseur und Parfümeric RICHARD STOCK Frankfurt a. M., Kaiserstr. 61, Tel. Hansa 1462 Erstklassige Salons für Damen und Herren Gute Bedienung von tüchtigem Personal für Schönheitspflege Daueru. Wasser-Wellen, Heneu. anderen Haarfärbungen Maniküre :: Pediküre :: Elektrische Kopfu. Gesichtsmassage mit Dampfbadbehandlung. Anfertigung sämtlicher Arten von Haararbeiten zu soliden Preisen. Verleihung von PerrUcken zu mäßigen Preisen. Reichhaltiges Lager In allen Toilette-Artikeln, deutschen und ausländischen Parfdmerien zu Originalpreisen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.