Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 8 (1929-1930)
- Issue
- 1 (9.1929)
- Date
- 1929-09-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3094266-3094348-3094349--1973-3096710- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
3 verboten worden weil dies unter ihnen nicht als Widerspänsligkeit gegen die Ehre Gottes erachtet wird, solange es nicht den Sinn bekommt, daß sie sich dem Bereiche des Gottes der Götter und des Herrn der Herren entziehen wollen. Wir aber, ein Volk, Ihm verwandt, das Er aus Aegypten, dem Hause der Sklaverei geführt hat, denen Er all die Wunder getan hat, damit wir Ihm ein Volk Seines Erbes und Seines Eigentums unter allen Völkern werden, damit Er König sei über uns, Er selbst in Seiner Herrlichkeit, ohne Mittelung eines Engels, eines Mächtigen oder eines Sternes, — wir also, Seine Diener, wir sind oerpjlichtet, das Joch Seines Königtums und Seiner Herrschaft auf uns zu nehmen, Seine Befenie zu erfüllen; uns aber hat Er befohlen, daß wir keinem dienen außer ihm; uns hat Er in aller Einzelheit die Arten des Dienstes dargetan, der Ihm allein geziemt und keinem sonst, der außer Ihm Dnsein hätte. Und darum geziemt es nidit, daß Ihm eine andere Gottheit zugesellt werde in einem dieser Dienste. Also sagt es die Schrift: „Oder daß du etwa deine Augen gen Himmel hebest, siehest die Sonne, den Mond, die Sterne, das ganze Heer des Himmels und dich oerleiten ließest, sie zu oerehren und ihnen Gottesdienst zu erweisen; da doch der Ewige dein Gott sie für'alle übrigen Völker unter dem ganzen Himmel zwar zugelassen hat; euch aber hat der Ewige genommen, und aus dem. Eisenofen, nämlich aus Mizrajim geführt, daß ihr sein eigentümlich Volk werden mögt, wie ihr jetzt wirklich seid." (V. ß. M. 4, 19. 20.) Also ist das Ausmaß des Schriftworts, das vor uns ist: „Ich bi n" — der Sprediende und Gebietende, „der Ewig e" — der ich war, bin und sein werde, Quellstrom alles Daseins, vorsehend und in Stunde der Not gegenwärtig denen, die mich lieben; „d ein Gott" — stark und allmächtig, von dem her erhofft wird alles Gute und befürchtet alles Böse und auf den hin es geziemt, Gebet und Dienst zu richten; „der ich dich aus dem Lande Mizrajim geführt habe, aus dem Hause der Sklaverei" — ihm Volk seines Erbes zu sein, wie wirs gesagt haben; dir aber kommt es zu, daß du allen Dienst dem Einen Namen widmest. Jetzt wirst du verstehen, warum Er nicht gesagt hat: Ich bin der Ewige dein Gott, der ich die Himmel und die Erde erschaffen habe und der ich dich erschaffen habe. Dies ist auch die trage, die der Meister Rabbi Jehuda Haleoi"), sein Ruhort sei in Herrlichkeil, Rabbi Abraham ibn Esra gefragt hat, und der in seinem Budie Kusari gedacht ist; seine Antwort ist unbezweifelbar; aber der Glaube an die Schöpfung und das Entstehen in der Zeit, sei es, es gibt einen deutlichen Vernunftbeweis, wie es ein Teil der Forscher denkt, sei es, die Vernunft könne nicht entscheiden zwischen diesem Glauben und dem an die Praeexistenz der Welt, nadi der Meinung des Maimonides im Buche „Führer der Verirrten"; wie es dem sei, dies ist nicht dem Volke des Ewigen allein zu eigen, nicht aussdiließlidi sein Eigentum und nicht Grund, das Joch seines Reiches und es ausschließlich auf sich zu nehmen und Zugesellung fernzuhalten; erst die Führung aus dem Hause der Sklaverei, aus Sklaventum in die Freiheit ist der rechte Grund dazu. Und so auch ist es mit der Wahrung der " anderen Gebote der Thora, etwa des Gebotes der Sabbatfeier: obwohl der Sabbat Zeichen ist für die Erschaffung der Welt, „denn in sechs Tagen hat der Ewige den Himmel und die Erde gemacht, am siebenten Tage aber hat er gefeiert und . sein Ziel erreicht" (II. B. M. 31, 17), — ward doch dem Noachiden nicht geboten, an ihm von allerlei Arbeit zu feiern. Und deshalb ist in der Wiederholung der Gebote23) gesagt: „Denn du mußt bedenken, daß du auch Sklave gewesen bist in Mizra jim, und der Ewige dein Gott hat dich von da herausgeführt mit starker Hand und ausgestrecktem Arme, darum gebietet dir der Ewige dein Gott, den Ruhetag zu halten" (wie wir dessen noch zur Stelle mit Gottes Hilfe gedenken werden), — denn nur deshalb gab uns Gott, der Erhabene, die Thora, Gebote, Gesetze und Rechte, weil er unser König, unser Gesetzgeber ist. Uns aber obliegt es, seine Gesetze und Zeugnisse zu währen, seis wie Kinder, seis wie Diener.'*) Und so ist in der Mechilta25) gesagt: „Der ich dich aus dem Lande Miz- 22.) 12. Jahrhundert. — 23.\ Im fünften Bache Moses, 5, 6—19. — 24.) Sprach aus einem Gebete zum Neujahrstag, der sich auf das verschieden gefaßte Verhältnis von Israel zu Gott im V. B. M. 14, 1 und III. B. M. 25, 52 bezieht. rajim geführt habe, aus dem Hause des Dienstfrons": drum allein mußte die Ausführung sein, daß ihr mir Diener werdet. * Ueber die Anordnung des Zehnworts aber, lernen wir in der Mechilta: Wie wurde das Zehnwort gegeben? — Fünf „Worte" waren auf der einen Tafel und fünf auf der anderen; ist geschrieben: „Ich bin der Ewige dein G ot t", so entspricht dem: „Du sollst nicht morden", und so weiter; das sind die Worte des Rabbi Chanina ben Gamliel; die Weisen sagen: Zehn waren auf der einen Tafel und ebendie zehn auf der anderen; und das ist gemeint, wenn, gesagt ist: „Diese Worte redete der Ewige . . . und er schrieb sie auf zwei steinerne Tafeln" (V. B. M. 5, 19), und es ist gesagt: „Deiner Brüste Paar, ein junges Rehepaar, Zwillinge einer Mutter" (Hohelied?, 4), und es ist gesagt: „Seine Hände goldene Walzen, besetzt mit Türkisen29). Aber auch nach der Meinung des Rabbi Chanina ben Gamliel sind die „Worte" in zwei Zwillingsteile geteilt, und die Fünf entsprechen den Fünf, weshalb ja in der Mechilta des Zusammenhangs gedacht wird zwischen einem jeden von den fünf ersten und dem ihm zugehörigen von den letzten. Ferner noch gedenken die Ausleger der Thora dessen, daß jene fünf die der Ehre des Schöpfers gelten, alle Gebote umfassen, die für das Verliältnis zwischen Mensch und Gott gelten, denn auch „Ehre deinen Vater und deine Mutter" betrifft die Ehre Gottes, wie es unsere Weisen, ihr Andenken zum Segen, gesagt haben: „Gleichgestellt ward ihre Ehrung der Ehrung Gottes." Weiter, daß das erste Wort alle Gebote für das Herz, die Sprache und die Tat umfaßt; denn wer in seinem Herzen an den Ewigen nicht glaubt, für den gibt es kein Gebot und keinerlei Herzenspflicht: also ist der Mensch verpfliditet, in jedem Augenblick Sein zu gedenken, zu Seiner Ehre, so daß alles, was er tut, er nur zu Seiner Ehre tut und daß er sich fernhält vom Verbotenen allein um der Ehre Seines Namens willen. Erweist einer einem Armen eine Guttat, so tue ers nicht um der Ehre des Kassenwarts willen, und nicht, daß die Menschenkinder ihn loben; denn dann märe ja der Rang des Menschen höher in seinen Augen als der Rang Gottes, der ihm Habe und des Geldes Ueberschuß gibt, damit ers weitergibt und Lohn empfängt von Gott. Und ebenso: Wer eine Uebertretung im Verborgenen begeht, damit sie dem König oder den Menschenkindern nicht kund wird, da er gering würde in ihren Augen: wer also rechnet, der ist von Sinnen, denn so ist geschrieben: „Soll der nicht sehen, der das Auge bildet?" (Psalm 94, 9). Ja, Gott sieht im Verborgenen das, was die Menschenkinder im Offenbaren nicht zu sehen vermögen; so sind Gott jenes Gedanken und sein Geheimes kund, während er sich vor dem Könige von Fleisch und Blut fürchtet, er würde ihn bestrafen, nicht aber vor dem wahren Könige, in dessen Hand seine Seele ist, in Dieser Welt und in der Kommenden Welt. Wer nun an den Ewigen, Er sei gelobt, glaubt, nicht aber an die Führung aus Aegypten, der wird das Joch der Thora und der Gebote auf sich nicht nehmen können, die jenem Volk zugeeignet ist, das aus Aegypten geführt ward, — Diener des Emigen und sein besonderes Eigentum. Darum fügte Er hinzu: „der ich dich aus dem Lande Mizrajim geführt hab e", wie wirs schon erklärt haben. Das zweite Wort warnt vor Zugesellung, wie wirs geschrieben haben. Der Abfall dessen, der an den Ewigen nicht glaubt, ist größer als dessen, der ihm eine andere Gottheit zugesellt. Zum dritten Wort: Der Abfall dessen, der falsch schwört, ist leichter als des Dieners Fremden Dienstes. Hat er auch Seinen Namen öffentlich verachtet, so geschah es doch vielleicht aus Zorn oder Not, während er in seinem Herzen an seinen Gott glaubt und ihm niemand sonst zugesellen würde. Das vierte W ort ist die Heiligung des Ruhetags: daß durch ihn der Mensch des Schöpfungswerkes gedenke und allezeit bekenne, daß die Welt einen Schöpfer hat und er unsdieses Zeichen geboten hat, wie gesagt ist: „Denn dieses ist ein Zeichen der. Verbindung zwischen mir und euch" (II. B. M. 31, 13), und das ist ein Hauptpunkt des jüdischen Glaubens. 25). Frühes Midraschwerk zum Zweiten Bache Moses. — 26.) Dem Verse der er~ klärt werden soll, werden andere angereiht, die ihm durah ihr Gleichnis entsprechen.