Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 7 (1928-1929)
- Issue
- 9 (5.1929)
- Date
- 1929-05-01
- Page
- Seite 304 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische Leihkasfe E. v. Die Geschäftsstelle dieser gemeinnützigen Einrichtung befindet sich Eschersheimer Landstraße 29, 1. Stock. Geschäftsstunden: Dienstag und Donnerstag, nachmittags von 4—L Uhr. Die Leihkasse bewilligt selbständigen Gewerbetreibenden und Handwerkern Darlehen in mäßigen Beträgen gegen Bürgschaft zahlungsfähiger Personen. Einkleidung Bedürftiger. Wir benötigen dringend für die von uns Betreuten gebrauchsfähige Wäsche und Kleidungsstücke aller Art. Die Sachen können abgeholt werden. _ Jüdische Wohlfahrtspflege Frankfurt a. M. Anruf: H. 9548 Arbeitsnachweis der Weibl. Fürsorge. Langestr. 30, N. Sprechzeit täglich 10—12 und 3—4,30 Uhr, Sonntag 9,30—11 Uhr. Gesuchte Stellen: a.) für Kontoristinnen, Stenotypistinnen, Verkäuferinnen, Lageristinnen und Lagerarbeiterinnen d) für Lehrmädchen mit Volks-, Mittel- und höherer Schulbildung zu Ostern, ») für Kochaushilfen, Näherinnen, Hausdamen und Haushälterinnen in frauenlosen Haushaltungen, Haustöchter und Stützen mit Familienanschluß. Sprechzeit für Lehrmädchen: Donnerstag von 3—5 Uhr. Offene Stellen für gut empfohlene Köchinnen, Alleinmädchen und einfache Stützen sind gemeldet. Konzert. Die Vereinigung Berliner Synagogenchöre gab am 15. April ein Konzert, dessen scheinbar guter Besuch nicht darüber läuschen konnte, daß der Veranstaltung nicht dasjenige Interesse entgegengebracht wurde, auf das sie wohl Anspruch gehabt hätte, gleichviel, wie man grundsätzlich zum Vortrag von Kultgesängen im Konzertsaal stehen mag. Das Programm gliederte sich in zwei Teile, von denen der erste, dem synagogalen Gesang gewidmete, den der Vereinigung vorausgehenden Ruf vollauf rechtfertigte. Die vorgetragenen Werke waren mit gutem Geschmack aus der sehr umfangreichen Literatur ausgewählt, von?,er sie ausnahmslos wertvollste Proben gaben. Der Chor verfügt, vor allem in den Frauenstimmen, über ausgezeichnetes Material und ist unter seinem Dirigent Alexander Wein bäum zu einer sehr hohen Stufe musikalischer Disziplin gelangt. Besonders eindrucksvolle Leistungen waren das Iln'ss^ne rauket von Milner und das l^ol niärs von Weintraub mit seinem meisterlich gestalteten Ausklang. Kunstausstellung. Eine Gruppe ungarischer Maler, meistens Juden, stellt zur Zeit eine Auswahl ihrer Werke in Frankfurt, Goethestraße 20, aus. Ein erster Rundgang hinterläßt den Eindruck einer imponierenden, wenn auch ungleichwertigen Leistung. Ein Teil der Künstler ist in durchaus konventioneller Malweise befangen, wogegen andere sich um die Probleme von Licht, Raum und Farbe ernsthaft bemühen. Von diesen letzteren sei an erster Stelle Nagely mit Marinestücken und einem italienischen Hos von leuchtender Farbigkeit genannt, ebenso Cserni mit einer marokkanischen Straßenszene. Eine starke Begabung zeigt die Malerin Sandor, von der das schön ins Licht gestellte Bildnis eines lesenden Mädchens und eine spanische Tänzerin mit aparter Verwertung von schwarz und hellgrau hervorgehoben sei. Auch die ländliche Szene von Grünwald mit ihren scharf gegen den Himmel stehenden Figuren und ein helldunkles Interieur von Polya sind hervorzuheben. Besonders erfreulich sind einige der graphischen Blätter von Csok, Koszta (ein Milletmotiv) und Perlmutter (geneigtes Mädchen). Auch unter den nicht hier besonders erwähnten Werken zeugt manches von starker Begabung, und der Besuch der kleinen Ausstellung kann umsomehr empfohlen werden, als die Werke zu recht mäßigen Preisen zum Verkauf stehen und die Lage der bildenden Künstler hier wie anderwärts nicht gerade rosig ist. Theateraufführung. Am 29. April 1929, abends 22.15 (10.15) Uhr, findet als Nachtvorstellung'im Neuen Theater zugunsten des Heimes des Jüdischen Frauenbundes, Neu-Isenburg, als Erstaufführung „Umkehr" von Arnold Zweig statt. Der Karten- Vorverkauf (1.50 bis 12 Mark) hat an der Theaterkasse Wronker begonnen. Preußischer Landesverband jüdischer Gemeinden. (Amtlich.) Subventionsansschuß. Am Montag, den 8. April, tagte zu Berlin unter dem Vorsitz des Herrn Rechtsanwalts Dr. Alfred Klee der Subventionsausschuß des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden. Wie stets, war auch dieses Mal eine umfangreiche Tagesordnung zu erledigen, da stch eine große Anzahl von Gemeinden und Einzelpersonen mit der Bitte um Unterstützung an den Landesverband gewandt hatte. Es kann mit Genugtuung festgestellt werden, daß es möglich gewesen ist, in einer ganzen Reihe von Fällen den Anträgen stattzugeben. Einer Lehrerwitwe wurde eine laufende Beihilfe gewährt, einer anderen die Weiterbewilligung der laufenden Unterstützung zugesichert. Zwei Witwenpensionen wurden erhöht. Einer besonders leistunaAchws.chM. Gemeinde wurde eine lausende Unterstützung bewilligt. Einem Lehrer wurde eine Summe zur Deckung von Verpflichtungen zur Verfügung gestellt. Die Weiterbewilligung mehrerer Stipendien wurde in Aussicht genommen. Ferner bewilligte der Ausschuß einem Lehrer die notwendigen Mittel zur Ausbildung, um ihn in den Stand zu fetzen, im Provinzialverein israelitischer Gehörloser in Gelsenkirchen Gottesdienste abzuhalten. Einem anderen Lehrer wurde eine Erholungsbeihilfe gewährt. Die Bewilligung eines Zuschusses für die Durchführung eines 'Fortbildungskursus, den eine Arbeitsgemeinschaft jüdischer Lehrer eingerichtet hat, wurde beschlossen. Auch dieses Mal lagen verschiedene Gesucbe um Baubeihilfen vor. Eine Gemeinde erhält zur Instandsetzung ihrer Synagoge eine Beihilfe sowie ein zinsloses Darlehen, eine andere Gemeinde zur Errichtung eines Beetsaales, in einem dritten Falle dient die Bewilligung der Wiederherstellung eines alten jüdischen Friedhofes. Auch zur Fertigstellung eines im Bau begriffenen Ritualbades wurde eine Summe ausgesetzt. Es fand sodann eine längere Aussprache über die Erhöhung der Ruhegehälter an Kultusbe-amte a. D. und Hinterbliebene statt. Obwohl sich alle Mitglieder des Ausschusses darüber einig waren, daß die zur Zeit festgesetzten Beträge an und für sich unzulänglich sind, mußte man mit Rücksicht auf die-geringen noch zur Verfügung stehenden Mittel von einer Erhöhung im laufenden Rechnungsjahr absehen. Tagung des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens. Am 14. April wurde iu Offenbach a. M. der vierte ordentliche Gemeindetag der israelitischen Religionsgemeinden Hessens abgehalten. Außer den Mitgliedern des hessischen Oberrates waren mehr als 100 Delegierte der hessischen Gemeinden anwesend. Im ganzen sind dem Verband etwa zwei Drittel aller hessischen Gemeinden angeschlossen. Vor Eintritt in die Tagesordnung hielt Rabbiner Dr. L e w i t, Alzey, eine kurze Ansprache, um für den Geist wahren und ehrlichen Friedens als Leitstern der Verhandlungen einzutreten. Der größte Teil des Tages war der Besprechung der finanziellen Fragen gewidmet. Wie der Bericht des Borsitzenden, Kommerzienrat Mayer, Mainz, zeigte, haben im vergangenen Geschäftsjahre zahlreiche angeschlossene Gemeinden den Mitgliedsbeitrag (0,70 Rm. resp. 0,35 Rm. pro Kopf) nicht entrichtet. Der Zuschuß des Preußischen Landesverbandes zum Lektorat an der Universität Gießen in Höhe von 600 Rm. war abgelehnt worden, ebenso ein Beitrag des Reiches von Rm. 1500 für Kulturzwecke im besetzten Gebiete, die bisher der Gemeinde Alzey zugeflossen waren. So entstand ein erheblicher Ausfall. Die vorhandenen Mittel waren in erster Reihe für Zwecke des Religionsunterrichtes, zur Anstellung von Wanderlehrern sowie zur Durchführung eines Schächter- und Vorbeterkurses verwandt worden. In Heidesheim und Schwaben- Heim wurden vom Verbände Begräbnisstätten erworben. Die finanzielle Lage ist deshalb so unsicher, daß der Weiterbestand des Verbandes ernstlich gefährdet ist. Das am 31. 3. 1929 zu Ende gehende Geschäftsjahr schließt mit einem Defizit von 9000 Rm. ab. Davon sind 3000 Rm. von den Gemeinden Mainz, Worms und Offenbach vorgelegt und 1200 Rm. von einer als Vermögensgeld bestimmten Zuweisung der Gemeinde Kirchenbrombach in den Etat 1928 übernommen worden. Trotzdem bleibt noch ein Fehlbetrag von 1792,08 Rm. Eine Kommission, bestehend aus den Herren Kommerzienrat Dr. K r o n e nb er g e r-Mainz, Iustizrat Dr. G o ld s ch m i d t - Offenbach, Eb er t-Ofthofen, Kahn- Alsfeld und Rosenthal - Oppenheim, wird beauftragt. ^üäiscke ^VokILakrtspfle^e k^rankkurt a. Abteilung IV: ^Vandertürsorge I^nterkurikt und Verpflegung 6er Ourcnvanderer, Ausgabe von k^akrkarten, produktive ^rbeit8iursorge