Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 7 (1928-1929)
- Issue
- 7 (3.1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 217 (sequence 9)
- Language
- German
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217 Aus der Gemeindevertretung. Sitzung vom 13. Februar 1929. Sitzungsbericht von Bürodirektor I. Meyer. In Anwesenheit von 26 Gemeindevcrtretern und fünf Mitgliedern des Vorstands eröffnet der stellvertretende Vorsitzende, Herr Naphlali Fromm, die Sitzung. Die in der letzten Sitzung vertagte Wahl für -drei von fünf ausgeschiedenen Vorstandsmitgliedern wird vorgenommen. Tie Wahlvorschlagskommission hat die Herren Julius Goldschmidt, Willy Mainz und Dr. Hugo Emmerich vorgeschlagen. Tie Zettelwahl ergibt die Wahl der Herren Goldlchmidt und Mainz mit 23, des Herrn Dr. Emmerich mit 22 von 23 abgegebenen Stimmen. Somit sind die Genannten zu Mitgliedern des Vorstands für die Tauer von sechs Iahren, d. i. bis Ende 1934. gewählt. Ter Vorsitzende spricht hierauf dem aus dem Porstand ausgeschiedenen Herrn Prof. Dr. Frei mann den Dank der Gemeindevertretung für seine außerordentlich wertvollen Dienste aus und hofft, daß Herr Prof. F., sobald eine Vakanz vorliegt, wieder in den Vorstand zurückkehren werde. Es folgt die Neuwahl der Kommissionen und Delegationen gemäß dem Vorschlag der Wahlvorschlaaskommission. (Ueber ihre Zusammensetzung wird in der nächsten Nummer berichtet werden. Red.) Tie Finanzkommission der Gemeindevertretung hat gemäß dem ihr erteilten Auftrag die Vorlage des Vorstands betr.. di" Errichtung eines Betsaals in der Liegenschast Eschersheimer Landstraße/Gervinusstraße geprüft und beantragt, den Vorstandsbeschluß abzulehnen und den Vorstand zu ersuchen,' das Haus Eschersheimer Landstraße 65 den Zwecken eines Gemeindehauses zuzuführen und alsdann, wenn die Gemeindeverwaltung dorthin verlegt und das Bedürfnis noch vorhanden ist, in Erwägung darüber einzutreten, ob für die Einrichtung eines Betsaals in dem neuen Gemeindehaus Räume entbehrt werden können; den Vorstand ferner zu ersuchen, den Jugendorganisationen geeignete Räume schleunigst zur Verfügung zu stellen. Im Anschluß an den von Herrn Dr. Geiger erstatteten ausführlichen Kommissionsbericht spricht Herr Felix Meyer sein Bedauern über den Antrag der Finanzkommission aus und äußert insbesondere sein lebhaftes Befremden darüber, daß von liberaler Seite die Erfüllung eines im konservativen Teil der Gemeinde seit Jahren empfundenen Bedürfnisses nach Errichtung einer Betstätte im Norden der Stadt, durch die Fassung des Kommi'sionsantraas auf unbestimmte Zeit verschoben, d. h. abaelehnt werde, so daß sich für ihn und seine Freunde die Veranlassung ergebe, nunmehr mit allem Nachdruck die Errichtung einer aroßen konservativen Synagoge zur Abhilfe des gekennzeichneten Notstands zu verlangen. Hiergegen wendet sich Herr Rechtsanwalt Simon mit dem Hinweis darauf, daß in der Kommission keineswegs parteimäßig abgestimmt, sondern ohne Rücksicht auf die religiöse Richtung des einzelnen Mitglieds, rein sachlich und rechnerisch geprüft worden sei. Man sei zu dem Ergebnis gelangt, daß den berechtigten konservativen Wünschen an dieser Stelle nicht gedient werde, daß die Boraussetzungen für die Er-, füllung des von allen Seiten anerkannten Bedürfnisses in keiner Weise gegeben seien, umsoweniger als die hoffentlich bald verwirklichte Eingemeindung, der Synagoae Unterlindau an dieser Stelle für den Bedarf einer gemeindlichen Betstätte vollauf genüge. Was hingegen die Errichtung einer großen Synagoge betreffe, so werde man ohne weiteres zustimmen, sobald ein geeigneter Bauplatz gefunden sei. Dr. Schönberg gibt Kenntnis "von an ihn herangekommenen Aeußerunaen konservativer Kreise, die darin gipfeln, daß man es um so weniger verstehe, daß die Liberalen gegen die Vorlaae gestimmt hätten, weil die mit der Einrichtung des Gottesdienstes verbundenen finanziellen Lasten ihrer Höhe nach keinen Grund zur Ablehnung der Vorlaae abgeben. Man glaube, daß lediglich politische Gründe für die Stellungnahme der'Kommission maßgebend gewesen seien, die letzten Endes eine glatte Ablehnung des konservativen Antrags auf Errichtung der Betstätte bedeute. Die Gewährsleute des Herrn Dr. Schönberg befürchten angesichts der Ablehnung Austritte aus der Gemeinde. Tr. Geige r weist die Ausführungen des Vorredners als den Talsachen widersprechend zurück, insbesondere erklärt er es für unrichtig, daß Liberale jemals konservative Wünsche abgelehnt haben oder ablehnen werden. Ferner entspreche es nicht den Tatsachen, wenn gesagt werde, daß eine geschlossene konservative Front für die Vorlage gestimmt hätte. Mindestens zwei führende Mitglieder der konservativen Fraktion seien dagegen, und sogar der Vertreter des Vorstands bei den Kommissionsberatungen "habe sich persönlich in ablehnendem Sinne ausgesprochen. Für die Kommission habe es sich aber weniger darum gehandelt, einen konservativen Wunsch zu erfüllen, sondern um eine Prüfung, ob eine bestimmte Einrichtung an einer b e st i m m t e n Stelle zweckmäßig und vom finanziellen Gesichtspunkt aus zu empfehlen sei. Daß selbstverständlich jedem liberalen Gemeindevertreter diese Prüfung überlassen werden müsse, bedürfe unbeschadet der Taisache, daß die Liberalen die konservativen Wünsche immer erfüllt hätten, keiner besonderen Feststellung. Herr Tr. Geiger verliest alsdann den Passus des Kommissionsproiokolls, laut welchem er erklär: habe, weder gegen die Einrichtung eines konservativen Betsaüls noch gegen die Erbauung einer aros'en konservativen Synagoge zu sein; daß er aber die Errichtung einer Synagoge an dieserStelle auch nicht aus dem Umweg über den Beiiaal zulassen wolle. Ter Grund sür diese Feststellung sei hauptsächlich das Bestreben, neue Kosten für ein Gemeindehaus zu vermeiden, die sicher kommen würden, wenn die Svnagoge an dieser Stelle zur Tatsach? werde. Was die Ausrritrsgefahr, von der H?rr Dr. Schönberg gesprochen habe, betreffe, so schrecke dieie nicht," sie sei auch auf der linken Se>te in weit höherem Maße vorhanden, man könne aber mit derartigen kleinlichen Rücksichten auf Gruvpen und Grüppchen keine zielsichere Gemeindepolitik treiben. Dr. Hoffmann wünscht unter allen Umständen Zurverfügungstellung von Räumen für die Inaendorganisationen. Herr Goitein weist darauf hin. daß die Gemeindebehörden ihre Zustimmung lediglich zur Errichtung einer großen konservativen Gemeindesynagoge erteilt hätten, nicht aber zur Einrichtung eines Betsaals, dessen Zweck insofern verfehlt sei, als er an Wochentagen zweifellos nur mangelhaft besucht werde: an Samstagen sei für die Reflektanten in der fraglichen Gegend genügend Platz in der Svnagoge Un^erlindau. In be^ug auf die Kosten des Belsaals sei noch zu bemerken, daß in der Kostenaufstelluna die Anstellung eines Kantors nicht berücksichtigt sei. Damit müsse jedoch gerechnet werden, weil sich ehrenamtliche Vorbeter nicht leicht finden lassen. Wer der Bolkspartei anaehöre. trete Wesen des Zustandekommens eines kleinen Betsaals nicht aus der Gemeinde aus. sondern sei sich dessen bewußt, daß er als Mitglied der Einheitsaemeinde d>i ihr zu verbleiben habe. Dr. Freimann weist die Ausführungen des Herrn Goitein in bezug auf die Frage des Kantors als den Tatsachen nicht entsprechend zurück. Es seien in der Gemeinde selbstverständlich Persönlichkeiten zur ehrenamtlichen Uebernalime kantoraler Funktionen verfügbar. Außerdem seien die Kosten für einen anzustellenden Kantor in der Berechnung enthalten. Aber selbst wenn dadurch eine Kostencrhöhuna eintreten sollte, sei diele sür die Schaffung von etwa hundert Svnanogcnpl^tzen fnr konservative Reflektanten nicht zu hoch. Dr. Freimann hält es für durchaus möglich, im neuen Gemeindehans einen Beisaal einzurichten, auch wenn die Räume sonst für ander? Zwecke aebraucht werden. Auch die Un^erbringuna der Iuaendoraanisationen hält er für möglich. Wenn einzelne konservative Kemeindevertreter, deren Interesse der Svnagoge Unterlindau gehöre, für die Vorlage nicht eintreten, so sei demaeaenüber zu betonen, daß die weitaus größer-- Zahl konservativer Gemeindevertreter für die Vorlaae stimmen. Man möae die Angelegenheit nochmals prüfen und alsdann d^n Vorstandsbeschluß annehmen. Herr 55 romm nimmt für seine Person und kür d?n abwesenden Herrn Werner die An^rkennuna in Ausdruck» daß si? jederzeit die konservativen Interessen aesördert haben. In der Frage der Errichtung einer konservativen Synagoae sowohl als auch der eines Netsaales lasse erwie Herr Werner sich leinolich vom Gesamiinteresse leiten. Dies nötige in dem vorliegenden Fall, sich gegen die Vorlage zu wenden, WKQtt^LZIKUItt l_UVWl(Z n u - v!Vl s k u 7 e n kepkkkl-Ukett sllerkrt 8en waiM-s L 8 c Mk UH> k LNI'VVäSSeKUWQeN I voi-M f^ snopss? I «Z0L7»«e. esngsng ß.ug»nslsni> 2 Nk»«55 S3S (2 l-l! 1°!^ »< 1° ttkULVL r?wa!.7UNQ?n einsekl. sller Steueru. t-Ivpotkeken-Ks ge l u n g >?4ettlV!. Sekä'fUNQ S/w-un6 tVIlLl'SkeN^ «50L7»e. Lingsng ^uginsisn«ß 2?ei>. »5N5Zz 2S 5ZS