Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 7 (1928-1929)
- Issue
- 6 (2.1929)
- Date
- 1929-02-01
- Page
- Seite 183 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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183 gegeben, ihnen Rechnung zu trägen. Der Hauptwort der Beratung liegt deshalb in der gegenseitigen Fühlungnahme und der Aussprache über die gemeinsamen Angelegenheiten. Zu förmlichen Beschlüssen ist es daher nicht bei allen Punkten der Tagesordnung gekommen. Die Beratungen betrafen zunächst das Gesuch des Pro- Falascha-Komitees, ihm für seine Zwecke eine Unterstützung zukommen zu la/sen. Die Meinungen waren geteilt, so daß ein zustimmender Beschluß nicht gefaßt wurde. Sodann wurde beichlossen, die Anregung, eine A u s ste u e r a n st a l t für jüdische Mädchen zu schaffen, einer einzuberufenden Konferenz als Material zu übergeben. Lebhaftes Interesse fand der Gedanke, die Bestrebungen zur Erhaltung jüdischer Kunstdenkmäler zu unterstützen und zu vereinheitlichen. Die einzelnen Landesverbände sollen zunächst für die Inventarisierung der Kunstschätze sorgen und dann ihre Verzeichnisse nebst den Berichten und ihren eigenen Erfahrungen fortlaufend dem Preußischen Landesverband mitteilen, bei dem die Frage weiter bearbeitet wird. Die Bekämpfung der Mischehen bildet wegen der mit ihnen verbundenen Gefahr für die Erhaltung des Judentums den Gegenstand ernster Sorge aller Landesverbände. Neben den praktischen Mitteln, die hier in Frage kommen,' besonders der Schaffung von Stätten zu gemeinsamer Belehrung und Unterhaltung der Jugend, soll versucht werden, in einer mit den anderen großen Organisationen gemeinsam veranstalteten Konferenz die Wichtigkeit der Bekämpfung der Mischehen weitesten Kreisen zum Bewußtsein zu bringen. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten veröffentlicht in seiner Zeitschrift „Der Schild" fortlausend ein Verzeichnis jüdischer Gefallener. Nach Abschluß der Veröffentlichungen will er ein Gedenkbuch herausgeben, für das er eine Unterstützung der Landesverbände erbittet. Es wurde beschlossen, sich hierzu erst schlüssig zu machen, wenn das Endergebnis der Feststellungen des Reichsbundes vorliegt. Ueber die Möglichkeit, die Baulichkeiten der Tains onschule in Wo l f e n b ü t te l, welche ihren Betrieb hat einstellen müssen, für andere jüdische Zwecke zu verwenden, wurde beraten, die Beschlußfassung zunächst vertagt. Ueber die künftige Ausbildung der jüdischen Lehrer, insbesondere das Schicksal der in Köln und in Würzburg bestehenden Anstalten, wurde eingehend beraten. Seitens der süddeutschen Landesverbände wurde darauf hingewiesen, daß Zum Zwecke der Erhaltung des Würzburger Seminars eine Unterstützung auch durch die norddeutschen Landesverbände, hauptsächlich den Preußischen Landesverband, dringend notwendig sei. Von. anderer Seite wurde betont, daß angesichts der geringen Mittel des Preußischen Landesverbandes die Zurverfügungstellung größerer Beträge immerhin fraglich sei. Die Aussprache führte zu reinem Beschluß, wohl aber kam es zu einer Annäherung der entgegengesetzten Standpunkte, die eine Entscheidung im Sinne einer alle berechtigten Wünsche befriedigenden Lösung wahrscheinlich erscheinen läßt. Die Erziehungsanstalt, welche der Deutsch-Israelitische Gemeindebund in Repzin unterhält, muß wegen der ungenügenden Räumlichkeiten verlegt werden. Es ist bereits ein Grundstück angekauft worden. Es wird beschlossen, den Landesverbänden >i! empfehlen, die dazu erforderlichen Kosten, soweit der D. I. G. B. ie nicht aufbringen kann, nach Möglichkeit zu bewilligen. Ueber lie ursprünglich von der Süddeutschen Arbeitsgemeinschaft geplante Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland, an deren Herausgabe sich der Preußische Landesverband nach dem in seiner letzten Ratssitzung gefaßten Beschlüsse beteiligen will, wurden nähere Mitteilungen gemacht. Sie soll unttr allen Umständen völlig unparteilich und rein wissenschaftlich aelettet werden, ohne daß irgend eine außenstehende Seite auf die Herausgabe einen Einfluß ausüben kann. Das ursprünglich von dem D. I. G- B. in Verbindung mit der Grotzloge U. O. B. B. gegründete Gesamtarchiv der deutschen Juden bedarf zu seiner Erhaltung und. Weiterführung neuer Geldmittel. Es Wuvde beschlossen, den Landesverbänden zu ^empfehlen, dem Gesamtarchiv die erbetene Unterstützung zuteil werden zu lassen." Nachdem schließlich noch über den Stand -einiger, anderer Angelegenheiten Mitteilungen gemacht worden waren, wurde die Sitzung abends um 7 Uhr geschlossen. - Wohlfahrtsausschuß. Am Sonntag, den 6. Januar 1929, hielt der Wohlfahrtsausschuß des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Türk seine Wintersitzung ab. Ein kleiner Rest der ihm für die materielle Förderung von Organisationen und Anstalten zur Verfügung gestellten Mittel wurde an einige Altersheime, Waisenhäuser und Erholungsheime verteilt. Für das neu gegründete Erziehungsheim in Marburg Wurde mit Rücksicht darauf, daß die Anstalt im Anfang nur eine kleine Zahl von Zöglingen ausnehmen solle und sich dsher noch nicht wirtschaftlich selbst erhalten könne, ein erhöhter Zuschuß bewilligt. Es wurde der Wunsch ausgesprochen, daß Rabbiner, Lehrer und Aerzte,. an die sich erfahrungsgemäß die tatlWHürfttLM Eltern schwer erziehbarer Kinder wenden, auf das erste jüdische Heilerziehungsheim himveisen möchten. Die Begründung von Beobachtungsstellen für psychopathische Kinder wurde empfohlen. — Bei der Verteilung der Subventionen stellte sich heraus, daß in manchen Gegenden zu viele gleichartige Anstalten, besonders Waisenhäuser, vorhanden sind. Eine Zusammenlegung solcher Anstalten wird in Betracht gezogen werden müssen. Der Wohlfahrtsausschuß sprach sein Bedauern darüber aus, daß ihm bei der Etatsfestsetzung von Jahr zu Jahr die Mittel für seine sozialen Aufgaben verkürzt werden. Er faßte ferner folgende Resolution: „Der Wohlfahrtsausschuß bedauert, daß der Rat des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden bisher die Schaffung der geplanten Arbeiterkolonie nicht ermöglicht hat und bittet dringlich, die erforderlichen 30 000 Rm. baldigst zu bewilligen." Bevölkerungspolitik und die Begründung von Haushaltungsschulen bildeten den Mittelpunkt der allgemeinen Verhandlungen. Der bevölkerungspolitische Ausschuß hat beschlossen, zur Klärung der Probleme und der Möglichkeit praktischer Maßnahmen eine Konferenz von etwa 40 bis 50 Personen einzuberufen, für die ein Programmentwurf vorliegt. Von theoretischen Erörterungen soll abgesehen, und nur solche Borschläge sollen besprochen werden, die von seilen der Verbände und Gemeinden wirklich durchführbar, sind. Der bevölkerungspolitische Ausschuß wurde beauftragt, das gesamte Programm noch einmal durchzuberaten und die Themen und die Redner zu bestimmen. Für h a u s w i r t s ch a f t l i ch e s A u s b i Id u ng s w e s e n wurde von Fran Ollendorff ein ausführliches Programm" entwickelt. Eine Gesetzesvorlage über Einrichtung der hauswirtschaftlichen Berufsschulpflicht steht in Aussicht. Daraus habe der Wohlfahrtsausschuß sich vorzubereiten. Es soll in jeder größeren Gsmeinoe eine Haushaltungsschnle eingerichtet werden. Die Schulen sind bei der in Deutschland bestehenden Arbeitslosigkeit von größter Wichtigkeit. Jüdische Hausfrauen werden sich eher entschließen, iüdiiches Personal anzustellen, wenn dieses eine gründliche Vorbildung erhalten hat. Für hauswirtschaftlich gut vorbereitete Mädchen werden sich die Heiratsaussichten mehren und die Zahl der Mischehen wird dadurch verringert werden. Zur Leitung einer Haushaltungsschule soll eine staatlich geprüfte Gewerbelehrerin berufen und die Schulen müssen nach staatlich genehmigtem Plane geführt werden. Städtische und staatliche Subventionen müssen angestrebt werden. Die Vorarbeiten soll der jüdische Frauenbnno, verstärkt durch einige Sachverständige, übernehmen. Es wurde ferner in Aussicht genommen, das 'vegen mangelhaften Besuches geschlossene Kinderheim Bad Ems in ein Erholungs- und Genesungsheim für Kantoren, Prediger und Lehrer umzuwandeln. Ein Antrag, einen Stipendien- Fonds für Studierende sowie für Handwerker zu schaffen, wurde bis zur Beendigung der mit Vertretern der jüdischen Studierenden schwebenden Verhandlungen zurückgestellt. In bezug auf die Dieystanweisung für die Gefangenen-Zeel sorge und -Fürsorge wurde darailf hingewiesen, daß in diesem Jahre der Slrafvollzugsgesetzentwurf unÄ der Entwurf für Strafentlassungsfürsorge zur Annahme gelangen und unmittelbar danach die LanHesaussührungsbestimmungen erlassen werden. Diese r. ... . , wirklich helfen der sozialen ... .... . . . „________ in öffentlichen und privaten Anstalten sich die erschreckend große Zahl von 1068 Geisteskranken befindet, Tie Gründung einer eigenen jüdischen Anstalt wird erfolgen müssen, sobald die Mittel "dazu Vorhanden sein werben. Einstweilen werden Schritte getan werden, um da, wo es möglich ist, eine geordnete Seelsorge zu schaffen. Amstourkinemstosrspkss! Ikre Ntern, '.Kincier unä fsßuncle liimen ......._ ZU« »SU»»? mit einem Kino ^vpsrst von 5«t,ttls?p»st- 7 ^jsuptvsctie 0!e Emilie im?i>m uncl T«i> LS Konstsdler ^Väcne jst 6i? lehsnäe cZiiroyik Palästinareise. Die-Teilnehmer an der Frühjahrsreise des Deutschen Keren Häjessod werden ein besonders interessantes Erlebnis in Palästina haben. Die mit großem abimah, die soeben ihre erste Neueinstudierung ^------^ ^........ ..... ^j>gF - Erfolg herausgebracht hat, bereitet jetzt eiu zweiu Stück. ,,Die Losen Absaloms" yon, Cgideryn. vor, dlssen Premiere im März stattfinden wird. Es besteht der Plan, ste zu -inn Zeit zu veranstalten^ in der sich die Teilnehmer der Keren Hajessod- Reise/ in Palästülg auMken.