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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1929-01-01 · 5 (1.1929) · page 1

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
7 (1928-1929)
Issue
5 (1.1929)
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Gemeindebla« devSsvaelttischen Gemeinde Frankfurt a.Maw Blatt unentgeltlich. Bezugspreis für NichtMitglieder 40 Pfg. für die Fahrgaste 146 Slmtlkebev Sluzeisev dev SemeiudevevwaltII«» 7. Jahrg. Frankfurt a. M., Januar 1929. Ar. s Anzeigenverwaltung: Gemeindehaut Fahrgasse ,46, Erdgeschoß. Fernsprecher Hansa ,527 und 70S5 Die Schriftleitung abernimmt fitr den Inhalt des GemeindeblattS nur die preßgesetzliche Verantwortung. / Nachdruck nur mit Erlaubnis gestattet. Aus dem Inhalt. Amtliche Anzeigen................. 143 Aus der Gemeindevertretung............. 143 Geiger, Zum Lessing-Oenkmal ............133—134 May, Lessing und die Aufklärung........... 134 Nadt-Strauk, Lessing und seine jüdischen Freunde .... 136-37 Gattiner, Aus den Tagebüchern von Ludith Montefiore . 137—38 Geeltg, Probleme jüdischer Wanderung und Wandersürforge 138-40 Goltein. Ln der Frankfurter Iudengaffe vor 300 Iahren (Schluß)...................140-42 Rothschild, Rechtfertigung eines jüdischen Bürgermeisters. 142 Aus den Gemeinden ............... 144 Anstalten und Vereine, Versammlungskalender.....144—153 Bücherfchau.................... 152 Sottesdienfllicher Anzeiger..............156-157 Veränderungen im Personenstand........... 153 Katalog der Semeindebiblioihek.......... .154-155 ^«/n LOS. <?e?Stt^/s/KF 6ott/k0/Ä Hy/t/ni/n /.essk/rFL am 29. /SSS. Zum Lessing-Denkmal. Ein Aufruf, namentlich an die Juden von Dr. Abraham Geiger. (1862.) dessen edelsten Trägern, seinen großen Männern, solche errichtet; sie lehren es, was es vermag und was es soll, nicht bloß was ehrenden Anerkennung, die es dem großen Manne beweist, liegt die Bürgschaft dafür, daß es ein Verständnis für ihn hat, daß Ausdruck des Selbstvertrauens und der ermutigenden Anregung in dem Entschlüsse, Gotthold Ephraim Lessi-ng neben Andenken dieser beiden Lieblinge der Musen ist längst aller Erdenstaub abgeschüttelt; ihr ganzes Wirken steht vor uns in idealer zuge^ bald mild, wie die Sterne, bald ' Warmend und zeitigend, wie die glühende Sonne herniederleuchten. Selbst der Lebenskampf Schillers ist 'nun, da er in die Ferne Wucht Ms der. Karlsschule, ^n seinem Proteste gegen die fest- Jugeudmu^, .den^M Har- -.monien/au.flöst. Mr begleiten ihn froh auf seiner Lebensbahn, zo.rte Freündschäft, durch huldigende Liebe geebnet. So wird aller LebensMmerz in unseren! Andenken an die großen beiden Dichter zu süßer Wehmut. Der Zauber ihrer Anmut fesselt uns, der ruhige geistige Genuß, den wir aus ihnen schöpfen, erquickt uns. Anders Lessing! Sein Wirken und sein Andenken führt unmittelbar ins Leben ein, aus dem er nicht entführt, um es von der Höhe aus zu beleuchten, das er vielmehr innerlich vergeistigt, in dessen Kampf er mutig eingeht, zu gleichem Kampfe anspornend. Das deutsche Volk liebt Wohl in ihm auch den Dichter, der die Menschennatur tief zu erfassen und ideal darzustellen wußte, aber vor allem liebt es an ihm die Gesinnung, die den Dichter beseelte. In Lessing Prägt sich die mutige Offenheit, der unbezwingbare Wahrheitsdrang mehr aus, den seligen Gärten der Hesperiden, wir durchziehen mit ihm die Hohlheit des eleganten Flitters entkleidete, der faden Nachäfferei den Krieg erklärte und zur Naturwahrheit zurückkehrte. Das deutsche Volk huldigt vor allem seiner letzten größten Tat, mit der er auftrat zu gleicher Zeit gegen die aufgeblähte Borniertgegen ererbtes Vorurteil, es huldigt dem Herausgeber der „Wolfenbüttler Fragmente", dem Helden, der für sie in die Geistesschlacht zog und im „N atha n" den edelsten Schlacht- Sein ganzes Leben ist ein mühseliges Ringen, ein Zerarbeiten der riesigen Kraft an der erbärmlichen Gewöhnlichkeit der Verhältnisse. Sein Leib unterlag dabei; daß er trotzdem in seinem Streben die Unendlichkeit in sich getragen, dafür zeugt die Verehrung, die ihn dauernd umgibt, dafür will sie zeugen. Das deutsche Volk setzt seinem eigenen Genius ein Denkmal, indem es Lessing ein solches errichtet; es zeigt, daß es inne geworden, was es vermag und was es soll. Es sind Schwächlinge auch zu diesem Riesen mühsam hinaufgekrochen und haben ihn zu sich herabzerren.-wollen. Wie sie sich bemüht haben, ihn zu dem Ihrigen zu machen, aus ihm eine überwundene Christlichkeit herauszudeuten; wie sie um ein jedes Wort gemäkelt und jedes „Wenn" und ,Mer" im dialektischen Kampfe auszubeuten oersuchten! Die zaghaften Seelen konnten den freien Mann, der kühn einherschritt, nicht dulden, und zu weichlich, um mit dem traurigen Mute eines Wolfgang Menzel ihn zu verdammen, mochten sie ihn salbungsvoll im Grabe bekehren. Wie der große Mann, wenn er noch lebte, diese „Rettung" mit Entrüstung von sich abgewehrt hätte! Nun lächelt er selig hernieder; er hat sein Friedenswort im Nathan gesprochen. Das deutsche Volk ehrt nicht den geretteten", es ehrt den kämpfenden Lessing. Es zeigt, daß es dazu berufen ist, unverdrossen in die Schachten des Gedankens einzufahren, die Wahrheit herauszufordern; es will sich nicht daran genügen lassen, Erbe zu sein, es will das Gut selbst mehren. Lessings Kamps um geistige Freiheit war nicht inhaltlos. Ihm war der Geist nicht in rohem Materialismus untergegangen, die Freiheit nicht schrankenlose Willkür; aber auch den Materialismus, der die verdorrten Geistesgeoilde, die entgeisteten Leichen zu verehren befiehlt, verwarf er, auch die Will-

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