Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 7 (1928-1929)
- Issue
- 4 (12.1928)
- Date
- 1928-12-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Gemewdeblatt dev SfvaelttifGen Gemeinde Frankfurt a.Sttaw Die Gemeindemitglieder erhalten das ÄUI^IIthKVÄtIKSlAKV ______„ Blatt unentgeltlich. Bezugspreis für Ztz FZS^ — ^^«»^»»»HOG^SA — O»^ Nonpareillezeile' 40 'Pfg.', "im "Text NichtMitglieder 40 Pfg. für die V v V TV v M V S N V v v v v tp « T U DJ II S und auf der letzten Seite bv Pfg. Nummer. Zustellung durch die Post. Bei Wiederholungen Rabatt. Schnftl-itung und Verwaltung - ^ahrg. Frankfurt a. M, Vezember 1928. Ar. 4 -' "'Lh!^ Fayrgane I4b " Femsprecher Hansa ^527 und 7085 Die Schriftleitung übernimmt sttr den Inhalt deS Gemeindeblatts nur die preßgesetzliche Verantwortung. / Nachdruck nur mit Erlaubnis gestattet. Aus dem Inhalt. Amtliche Anzeigen................. 101—102 Aus der Gemeindevertretung.............102—10Z Salzverger, Wiederaufbau.................9Z Abraham-, Die Keldzilge der Makkabäer.........94—96 Goiteln, In der Frankfurter Iudengafse vor 300 Iahren. . 96-99 Wolfsberg, Nobels jüdische Gedankenwelt.......99-101 Aus den Gemeinden................10I-104 Anstalten und Vereine, Versammlungskalender.....104—110 Bücherschau...................112-115 Sottesdtenstlicher Anzeiger..............115—118 Veränderungen im Personenstand............. 115 Katalog der Gemeindebibliothek............116-117 Wiederaufbau. Bon Gemeinderabbiner Dr. Georg Salzberger. W erde n?" fragt der Prophet. Und wenn ein Volk nicht, wieviel weniger die Gesamtheit der Völk^ die Mens^ Trümmer sinken sehen. Und dies Ereignis ist von so ^weltgeschichtlicher Größe, daß es Pflicht ist, seinen tieferen Ursachen Anttvort, scheint' uus,^ gibt ein bekanntes ^Psalmwort: „Einen I. „Wir hatten gebauet ein stattliches Haus." Am letzten Gipfel der Erde hatten wir die Maße^für die Höhe, alles war so Meckmäßig lwie nur >del?kbar angelegt und eingerichtet. Tie Kunst hatte ihr Bestes hergegeben. Prunksäle gab es da, deren ^Wä^a^ geschmückt waren mit ^nsterblilhell ^Gemäl^ tief hinab ^Meeresgrunds Die ^s^i^cht^ der ^Völker, ihre Gebäude hatte die W?lt>weisheit dank dem Tiefsinn großer Denker ein Kuppeldach gewölbt, das alles umfaßte und zidgleich krönend die entlegensten Ecken nnd Winkel hatte man für Licht gesorgt, kein Rätsel mchr.^ Und We Hausbewohner? So verschiedenartig aus tiefen KellergeNwlben der' Wutschrei Unterdrückter und Ausbrach das gattze Gebäude wie ein Kartenhaus zusammen. Ungeandern die Schuld an der Katastrophe zu, bis auch die Trümmer Mail begann nach den Ursachen zu forschen.^ Es mußte doch ein Wirtschaft? War es die kurzsichtige Politik? War es die zerentdeckten, daß der Grund- und Eckstein fehlte: die Religion. Das war der Stein, auf dem Moral und Philosophie, Kunst und Wissenschaft einstmals sich aufgebaut hatten, auf dein das Fundament des ganzen Baues der Zivilisation und der Kultur geruht hatte. Zwar geredet hatte man Viel vom Glauben, man hatte ihm auch inmitten des Hauses einen Tempel gebaut, zu dem sie alle kamen, die Bekenner der verschiedenen Religionen, aber die Statue darinnen, die sie göttlich verehrten, trug näher besehen die Züge einer Frau und hieß: Vernunft. Ja, die Vernunft, sie herrschte in all den unzähligen Gemächern, sie lehrte an Altären knieen, um Königsthrone zu stützen. Sie predigte von Liebe und Friedeil, um dann die mörderischen Wafsen zu segnen, die in das Blut des Menschenbruders getaucht wurden. Im kühlen Verstände und ans höflichen Lippen trug man die Religion, die man als treibendes Motiv des Handelns, als bewegende Kraft des Lebens, verschmähte. Einen Stein hatten die Bauleute verworfen, der war zum Eckstein bestimmt gewesen, nnd weil man ihn morsch hatte werden lassen, war der ganze Bau der Welt nber ihm Zusammengestürzt. Jetzt bauen wir die Welt mühselig wieder ans. Vor wenigen Monden sind die Verantwortlichen Staatsmänner der führenden Kulturvölker zusammengetreten, um jenen weltgeschichtlichen Pakt zu unterzeichnen, durch den der Krieg in Acht und Bann erklärt wird. Tie Männer und Frauen, die das Vertrauen ihrer Völker in deren Parlamente entsandt, haben nach Jahren sich wiedergesunden und zu festerem Bunde die Hände gereicht. Die Forscher aller Zungen im Reiche der Geschichtswissenschast wie der Rechtskunde haben unter Zurückstellung alles dessen, was sie noch bis vor kurzem trennte, die gemeinsame Grundlage und das gemeinsame Ziel ihrer hohen Wissenschaften auf bedeutsamen Tagungen bekannt. Junge Menschen ehemals feindlicher Nationen haben auf einem Weltjugendtresfen die Fahne einer in Frieden geeinten Menschheit der Zukunft entrollt. Nun bauen wir die Welt allmählich wieder auf. Daß wir nur den alten Fehler nicht wieder-