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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1928-09-01 · 1-2 (9.1928) · page 1

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
7 (1928-1929)
Issue
1-2 (9.1928)
Date
1928-09-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Gemeindeblatt devSsvaelttifchen Gemeinde AvmtzHßttvt a.Maw NichtMitglieder 40 Pfg. für die Fahrgasse ^46 Slmtlitbev SlttKeksev bev Gemeittdevevwaltttns 7. Zahrg. Franksutt a. M, Sept./Ott. 1928. Ar. 1/2 Aus dem Inhalt. Amtliche Anzeigen..................14-15 Aus der Gemeindevertretung............... 15 Meyer, Der Semeindefrieohof an der Rat Beilfiraße .... 3—5 Miltner, Die Konzentrationsbewegung und die deutschen Juden . 5—6 Sakhelm, Die Juden in der deutschen Literatur.......7—9 Kracauer, Eheverbote der jüdischen Gemeindevorsteher um die Wende des 5S./19. Jahrhunderts........10—12 Mainz, Ein Gedenktag...............12—13 Hanauer, Die gemeinnützige jüdische Ehevermittlungstelle . . 13—14 Aus den Gemeinden.................. 16 Anstalten und Vereine, Versammlungskalender......17—23 Gottesdlenstlicher Anzeiger...............31—32 Veränderungen im Personenstand............. 30 Literarische Beilage............. . . . . .25-29 ^/e Vttc/en/ Oe/' Vo/^anü? ^65 in Vom grundlosen Haß. Von BLnjamin Segel. Um nichts in der Welt wird an den hohen Feiertagen so heiß gebetet, wie um Bewahrung vor grundlosem Haß (sinain ckinnam). Dabei ist weniger die Erduldung als das Empfinden des grundlosen Hasses gemeint. Gott möge uns vor grundlosem Haß schützen, aber uns helfen, den grundlosen Haß gegen den Nächsten zu überwinden. Ausfällig ist diese Bitte, da es sonst als unstatthaft gilt, die Hilfe Gottes gegen die Verlockung spezifischer Sünden anzurufen, nur im allgemeinen betet man um Beistand gegen den bösen Trieb und um Bewahrung vor Versuchung, im einzelnen aber kommt eine besondere Bitte um göttliche Hilfe gegen diese oder jene Sünde nicht vor. Der grundlose Haß macht eine Ausnahme. Auffällig ist eZ, ferner, daß. nur der grundlose Haß, nicht aber der Haß im allgemeinen als ein so großes Uebel angesehen wird, daß die Hilfe Gottes gegen ihn stürmisch angefleht wird. In anderen Religionen gilt der Haß schlechthin, ob begründet, oder grundlos als das Böse, vor dem die göttliche Gnade uns erretten solle. Eine nähere Betrachtung wird uns lehren, daß diese Erscheinung mit dem Charakter der jüdischen Gebete zusammenhängt, dessen Grundelement der Aktivismus ist. Das christliche Vcter Unser besteht aus lauter jüdischen Bitten, die meist im Morgengebet enthalten sind. Nur eine Bitte ist nicht jüdisch, ja sogar unjüdisch: „Dein Wille geschehe im Himmel wie auf Erden." Was den Himmel und das darin Geschehende anbetrifft, so läßt ihn der betende Jude lieber ganz aus dem Spiel, sonst aber betet der Jude immer: „Gib uns die Kraft, Deinen Willen zu tun." Das passive, resignierte „Dein Wille geschehe" könnte einem Juden nur schwer über die Lippen kommen. „Heilige uns durch deine Gebote, laß uns Anteil haben an deiner Lehre . . . und läutere unsere Herzen dir zu dienen in Wahrheit . . . Vater unser, barmherziger Vater, gieb uns Einsicht, auf daß wir verstehen und begreifen, gehorchen, lernen und lehren, behüten, vollbringen und aufrecht erhalten alle Worte Deiner Thora in Liebe. Erleuchte unsere Augen durch Deine Lehre, hefte unser Herz an deine Gebote . . . ". Das ist echtes jüdisches Gebet, wie es seit Jahrtausenden aus der Seele des betenden Einzelnen und der betenden Gemeinde quillt. Wie weltenfern ist davon das zage, duldende, man möchte fast sagen uninteressierte: „Dein Wille geschehe!" Mit diesem Aktivismus wäre eine Bitte um Bewahrung vor Haß schlechthin unvereinbar. Wie entsteht denn der Haß unter den Menschen? Doch nur dadurch, daß einer dem anderen etwas Böses tut oder Böses gegen ihn sinnt. Nun, anstatt daß du Gott bittest, daß er dich vor Haß bewahre, gieb dir lieber Mühe, die Gründe des Hasses zu beseitigen, die die Menschen entzweien, entferne

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