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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1928-06-01 · 10 (6.1928) · p. Seite 308

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
6 (1927-1928)
Issue
10 (6.1928)
Date
1928-06-01
Page
Seite 308 (sequence 4)
Language
German
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18. Jahrhunderts eine bedeutende Sammlung, die auf Befehl des Papstes Benedikts XIV. durch Assemani katalogisiert wurde. Sehr bedeutend sind die Sammlungen von hebräischen und jüdischarabischen Handschriften und Druckwerken, die sich im Besitz der Pariser Nationalbibliothek und der Wiener Hof-- bibliothek befinden. In Deutschland und der Schweiz besitzt beinahe jede Universitäts-, Stadt- oder Staatsbibliothek mehr oder minder umfangreiche Sammlungen von hebräischen Büchern und Handschriften. In erster Reihe steht hier die Berliner Staatsbibliothek, die Münchener Staatsbibliothek, welche das einzige komplette Exemplar einer Handschrist des Talmud besitzt, ferner die Leipziger, Hamburger und die Frankfurter Stadtbibliothek, von der noch welter unten die Rede sein wird. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts fing der katholische Geistliche und Professor der orientalischen Sprachen an der Universität zu Parma, I. B. de Nossi, an, Handschriften der Bibel und ihrer Kommentare zu sammeln, die ihm zu seinen Studien über das Alte Testament dienen sollten. Allmählich entwickelte sich bei ihm eine Vorliebe für seltene hebräische Druckwerke und Handschriften, die er von allen Seiten zusammenkaufte, ohne Geld und Mühe zu sparen. Aber de Rosst war nicht nur ein Sammler, sondern auch ein Kenner. Im Jahre 1813 gab er den dreibändigen Katalog seiner Bibliothek heraus, in dem er 1377 Bände, 5400 Werke enthaltend, beschreibt, die, mit Ausnahme von 70 Bibelhandschriften, sämtlich der nachbiblischen Literatur angehören. De Rossi war in der christlichen Welt einer der größten Kenner und Wohltäter der jüdischen Wissenschaft. Die jüdischen Forscher gedenken seiner stets mit Verehrung und Dankbarkeit. Die Großherzogin Maria Ludovicavon Parma, Witwe Napoleons I., erwarb die Rossische Sammlung für die Parmenser Bibliothek und kurz vor ihrem Tode, 1846, bereicherte sie sie noch durch die Schenkung von 112 kostbaren Handschriften, die sie aus dem Nachlaß von S. G. Stern in Wien angekauft. Die hebräische Bibliothek von Parma ist einzig in ihrer Art und dürfte in mancher Beziehung, sogar die Oxforder übertreffen. Die Universitätsbibliothek zu Oxford, genannt Bodley - ana (nach ihrem 1612 verstorbenen Stifter Thomas Bodleh), besaß schon im Jahre 1787 fünfhundert Bände von Handschriften, die .zirka 3000 hebräische, aramäische und jüdisch-arabische Werke umfaßten (die samaritanischen nicht eingerechnet). Darunter befanden sich die hervorragendsten Werke der jüdisch-arabischen Denker und Forscher. Im Jahre 1829 verschlang die Bodleyana die Oppenheimsche Bibliothek, deren merkwürdige Schicksale eine nähere Erwähnung verdienen. Angelegt wurde diese Sammlung von David Oppenheim, dem Sprößling einer alten, berühmten jüdischen Familie, der im Jahre 1664 zu Worms geboren wurde, in Brest-Litowsk kurze Zeit Rabbiner war und im Jahre 1736 zu Prag als Oberrabbiner von Böhmen und Rosch-Jeschiva gestorben ist. Seine Familie war sehr reich und Oppenheim verwandte einen großen Teil seiner Revenuen auf den Ankauf hebräischer Druckwerke und Handschriften, die er aus aller Herren Länder, besonders aus dem Orient, durch Vermittlung zahlreicher Agenten herbeischaffte. Einer seiner rührigsten Agenten war der berühmte Feldherr Prinz Eugen, der auf seinen Feldzügen gegen die Türken alle hebräischen Bücher, die ihm in die Hände fielen, anstatt zu vernichten, dem Prager Rabbi zusandte und sich glänzend dasür honorieren ließ. Die österreichische Regierung war engherzig genug, nicht zuzulassen, daß diese Bibliothek im Bereiche ihrer Herrschaft aufgestellt wurde. Oppenheim hielt sie in Hannover, wo viele Lernbegierige und Forscher sie benutzen durften. U. a. bediente sich ihrer I. Ch. Wolff bei der Abfassung seines monumentalen Werkes Bibliotheca Hebraea in vier Bänden. Im Jahre 1711 gab Oppenheimer' ein Verzeichnis seiner Desiderata heraus, d. h.'jener ihm bekannten Werke, die er nicht besaß, und die er zu kaufen begehrte. Noch nicht volle hundert Jahre nach feinem Tode befanden sich seine Nachkommen in derart traurigen pekuniären Verhältnissen, daß sie die merkwürdige Sammlung nicht nur nicht vermehren, sondern auch nicht zu erhalten imstande waren. Bedeutende christliche Gelehrte bemühten sich bei den deutschen Regierungen um den Ankauf der Bibliothek, jedoch vergebens. In den Kreisen der reicheren deutschen Juden herrschte dazumals eine banausische Gesinnung, der kein Interesse für eine hebräische Büchersammlung Abzugewinnen war. So wanderte denn die Oppenheimeriana nach Oxford gegen den unglaublichen Spottpreis von neuntausend Talern, und wurde der Bodleyana einverleibt. Die Prachtausgabe des Talmud auf Pergament, ein Unikum, wurde allem auf tausend Pfund Sterling geschätzt. Als die Bodleyana sich im Besitz der reichsten, hebräischen Büchersammlung jener Zeit sah, dachte sie daran, einen kritischen Katalog herauszugeben. Diese Arbeit wurde Moses Steinschneider übertragen, der nach dreizehnjähriger rastloser Arbeit seinen bewunderungswürdigen L!sta,Ic>?U8 librvruin Iikbra-yorum in Boldeyana (1860) herausgab. Dieser Katalog ist eine ebenso unerschöpfliche wie unentbehrliche Quelle für alle Forschungen aus dem Gebiete der jüdischen Literatur- und Kulturgeschichte und wird für alle Zeiten ein ehrenvolles Denkmal unvergleichlicher Akribie, Gewissenhaftigkeit, scharfsinniger Kritik und allseitigen Wissens bleiben. Der Bodleyana folgte das British Museum. Schon im Jahre 1759 vermachte der in London ansässige Portugiesischholländische Jude Jsaac da Costa dieser Institution eine Anzahl von 180 sehr kostbaren hebräischen Büchern. Seither wuchs die Sammlung, aber nur sehr langsam. Im Jahre 1846 umfaßte sie 600 Bände, darunter sreilich sehr kostbare Unika, „weiße Raben", Pergamentdrucke, Inkunabeln. Aber als S. van Str aalen seinen Katalog im Jahre 1892 abschloß, belief sich die Zahl der hebräischen. Werke des British-Museums schon auf die imponierende Ziffer von 22 550, darunter sehr viele mehrbändige. Auch das British Museum hatte, gleich der Bodleyana, seine hebräische Büchersammlung mit einem Schlag ungeheuer bereichert, indem es die Bibliothek des im Jahre 1846 zu Hamburg verstorbenen Chajjim Josef Michael erwarb. Michael war ein Wohlhabenoer Kaufmann, der seine freien Stunden dem Studium der Wissenschaften widmete. Michael stand in regem brieflichen Verkehr mit den großen jüdischen Forschern seiner Zeit, denen er mit größter Bereitwilligkeit Abschriften und Notizen aus seiner reichhaltigen Sammlung alter Druck- und Handschriften mitteilte. Zunz und andere erwähnen in ihren Werken häufig diese Bibliothek und deren freigebigen und hilfsbereiten Besitzer. Auch mit Radsport hat Michael 'Briefe gewechselt. Um seltene Bücher zu erwerben, bediente er sich der ausgebreiteten Beziehungen seines Handelshauses. Bücher kaufte er auf allen seinen weiten Reisen, die ihn beinahe durch ganz Europa führten, Nach seinem Tode wanderte seine Bibliothek nach dem unersättlichen England. 860 handschriftliche Codices, die 1300 Werke umfaßten, wurden von der Bodleyana erworben, den Rest erwarb das British Museum, 4500 Nummern. Seither kauft diefe Bibliothek ausnahmslos alles, was irgendwo in der Welt mit hebräischen Buchstaben gedruckt wird, sei es Hebräisch, sei es Jargon. Die verhältnismäßig jüngste, aber reichste Sammlung hebräischer Bücher in der Welt ist die des Asiatischen Museums, welche sich im Besitze der vormals kaiserlichen Akademie zu Leningrad befindet.' Noch im Jahre 1860 besaß diese Institution kaum 1500 hebräische Werke, die seinerzeit von Jonas Gurland flüchtig katalogisiert worden sind. Aber schon im Jahre 1892 befanden sich im'Asiatischen Museum nahezu 10 000 hebräische Druckbände, die freilich Wohl zum weitaus größten Teil aus den Pflichtexemplaren aller im russischen Reiche seit 1811 erschienenen Bücher bestanden. Im Jahre 1892 erhielt diese Sammlung einen riesigen Zuwachs durch die Schenkung der großen Fried! an Äschen Bibliothek, die ausführlicher beschrieben zu werden verdient. Moses Löb Friedland, geboren in Dünaburg 1826, war Ehrenbürger der Stadt Petersburg. Seine Familie war am Anfang des 17. Jahrhunderts aus der Stadt Friedland in Böhmen nach dem nördlichen Litauen eingewandert. Moses Löb fing an, alle diejenigen Bücher zu sammeln, welche Beiträge zur Geschichte seiner Vorfahren enthielten oder von manchen seiner Vorfahren verfaßt waren. Allmählich jedoch erweiterte sich sein Horizont und er faßte den Plan, eine große Sammlung von Büchern anzulegen, welche zur Aufhellung der Geschichte nnd Kulturgeschichte "der Judenin Osteuropa dienen könnten. Es bedurste nur noch eines Schrittes, um diese Liebhaberei auf die gesamte jüdische Literatur auszudehnen. Friedland gewann in der Person des Samuel Wiener einen Bibliothekar von seltener Gelehrsamkeit und Umsicht. Mit der Zeit vereinigte er in seiner Sammlung ungefähr 14 000 hebräische Drucke, darunter 32 Inkunabeln (vor 1492). außerdem 300 handschriftliche Codices, die etwa 1000 Werke enthielten. Hierher mündeten einzelne kleinere, aber in ihrer Art hervorragende Bibliotheken früherer Sammler, wie Isaak Ber' Bampi nnd Eliser L. Rabbinowicz in Minsk. Schmearia Zuckermann in Mohilew am Dnjepr. David Slucki in Warschau, Josef Masel in Wiasun bei Wilna, Mendel Landesberg in Krzemieniec Podolski (diese Bibliothek hatte noch Isaak Ber Levysohn benützt), 50 Bände Handschriften aus der Hinterlassenschaft des bekannten Historikers und Publizisten Samuel Josef Fünn in Wilna und die seltene, in ihrer Art vielleicht einzige Kollektion von Bibeln aus dem Nachlaß von Michael Lewi" in Jnnowraclaw. Die kabbalistische und chassidische Literatur soll, wie es heißt, in der Friedlandiana in nahezu lückenloser Vollständigkeit enthalten sein. Es kommt bisweilen vor, daß ein Buch Weyen der Schicksale, die es durchgemacht, der geschichtlichen Ereignisse, deren Zeuge es war, interessanter ist. als wegen seines Inhaltes. Die Randbemerkungen und Aufschriften der ehemaligen Besitzer können wichtiger sein, als der Text. Derartige Bücher besitzt die Friedlandiana eine Menge, manche mit Aufzeichnungen von historischen Persönlich- . leiten, wie Josef Solomon del Medigo, Chajjim Josef David Azulai. Simson Wertheimer. Eliah Gaon von Wilna. Die Duplikate, etwa 1500 an der Zahl, vermachte Friedland dem großen Betb-Hammidrasch in seiner Vaterstadt Dünaburg, die ganze Bibliothek aber dem der Akademie der Wissenschaften zu Petersburg gehörenden Asiatischen Museum, wo sie, im Vereine mit dem bisherigen Besitzstande an hebräischen Büchern, wieauch den neu hinzukommenden, für ewige Zeiten den Namen des Begründers zu sühren hat. Wenn wir noch die etwa 3000 Jargonbücher hinzurechnen, die schon im Jahre 1892 im Besitze der Akademie waren und die für die Sittengeschichte und Volkskunde der Juden so ungeheuer wichtig sind, so wird es Wohl nicht zu hoch gegriffen sein, wenn wir die Zahl der

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