Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 6 (1927-1928)
- Issue
- 9 (5.1928)
- Date
- 1928-05-01
- Page
- Seite 289 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3094266-3094324-3094332--1394-3096118- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
289 Von der Ortsgruppe des Jüdischen Frauenbundes. Die von der Ortsgruppe Frankfurt a. M. des J.F.B, in der ersten Maiwoche geplante Bezirkstagung wird eine Bundesversammlung des I. F. B. in kleinstem Rahmen sein. Wie alle Bundesversammlungen bietet sie den sozial arbeitenden Frauen — diesmal denen von Frankfurt und Umgebung — einige Stunden der Rast in ihrer Arbeit, einen Haltepunkt, der Muße gewährt zu Ausschau und Rückblick. Solche Zusammenkünfte gleichen in gewisser Beziehung einem Ruhetag, der aber nicht trägeni Nichtstun gewidmet ist, sondern den Geist vom Alltag frei macht, um der Seele die Möglichkeit zu geben, die Erhebung und Vertiefung zu finden, die chr der Alltag mit seinen unendlichen Ansprüchen notwendigerweise nur iu den seltensten Fällen gewährt. Auch den sozial arbeitenden Frauen vergehen die Jahre iu gleicher nnd stetiger Erfüllung ihrer Pflichten. Um diesen voll und ganz gerecht werden zu kouuen, haben sie sich schon seit vielen Jahrzehnten zn Vereinen zusammengestylossen. Und diese über ganz Teutschland verstreuten jüdischen Frauenvereine knüpften ein festes Band; in der Erkenntnis, daß in unserer so kompliziert gewordenen Zeit aus mancherlei Gründen der Einzelne schwach ist und uur die Gesamtheit stark, vereinigten sie sich zu dem „Jüdischen Frauenbund". Ter „Jüdische Frauenbun d", der sich aus kleiueu Ansaugen feit dem Jahre 1904 stetig entwickelt hat, stellt heute die Vertretung von über 400 Vereinen, von 50 000 in diesen Vereinen organisierten Frauen dar. Sie alle arbeiten Haud iu Hand sür die großen Ziele des Bundes. Alle zwei Jahre findet eine Telegiertentagung statt, die den einzelnen Bereinen Gelegenheit gibt, einerseits ihre Leistungen an denen anderer Arbeitsgenossen prüfend zn messen, andererseits neue Anregungen zu empfangen und zu gebeu. Ewer solchen Tagung, bei der im Austausch der- Meinungen und Erfahrungen sich neue Ausblicke eröffnen, ueue Möglichkeiten erwogen werden, verdankt der Gedanke der Ortsgruppen sein Entstehen. Mit dem immer größeren Wachsen des Bundes war die absolute Zentralisation der Arbeit schwierig geworden; es galt zu dezentralisieren, damit die Bundesarbeit nicht uuter der Schwerfälligkeit leide, die ein allzu weit verzweigter Betrieb naturgemäß mit sich bringt. Die Ortsgruppe Frankfurt a. M. wurde von der maßgebendsten unserer Frauen, Bertha Pappenheim, gegründei. Ihrer Persönlichkeit gelang es schnell, einen Kreis von Mitarbeiterinnen für die Bundesidee zu begeistern. Aber auch nachdem diese Führerin sich mehr zurückgezogen hat, arbeitet die Ortsgruppe nach Kräften für den Bund und hat viele Frauen nnd Frauenvereine gewonnen und ihm angeschlossen. Eigentlich sollte jede jüdische Frau Frankfurts Mitglied der Ortsgruppe sein; denn durch sie ist sie direkt dem jüdischen Frauenbund angeschlossen, erhält die monatlich erscheinenden „Blatte r" und ist dadurch immer auf dem laufenden über alles das, was die moderne jüdische Frau außer ihren nächsten Bernfspflichten interessiert. Die Teilnahme an den Arbeiten der Ortsgruppe kann sich auch die Frau gönnen, die sonst nicht Zeit und Muße übrig hat, Praktisch sozial zu arbeiten. Denn das Ausgabengebiet ist hier in Frankfurt so abgegrenzt, daß die praktisch soziale Arbeit von der weiblichen Fürsorge geleistet wird, während die geistigen und kulturellen Gebiete die Domäne der Ortsgruppe bedeuten. Und wer sich diesen Dingen widmen will, ist nicht an Ort und Zeit gebunden. Die allmonatliche Arbeitssitzung nimmt nur einen halben Vormittag in Anspruch und gibt reiche Anregung; denn die Ortsgruppe verfolgt naturgemäß alle die Ziele, denen der Jüdische Frauenbund zustrebt. Sie will die jüdischen Frauen aller Richtungen zusammenfassen, die Kulturforderungen des Judentums und der Frauenbewegung verbinden und die jüdischen Frauen, die jüdische Jugend zu aufrechten jüdischen Menschen erziehen. Sie will das geistig-jüdische Kulturgut der Vergangenheit den Frauen wieder nahebringen und sie für jüdische Gegenwartsfragen interessieren. Diese Ziele will die Ortsgruppe auch dadurch erreichen, daß sie in monatlichen A b e n d z u s a m m e n k ü n f t e n allgemeine und religiöse Gegenwartsfragen zur Sprache bringt. Dabei wird großer Wert darauf gelegt, daß die vom Bunde geübte Neutralität streng gewahrt wird. Anhänger jeder Richtung kommen zu Worte. Nur zwei praktisch-soziale Arbeiten betreibt die Ortsgruppe: die Bah nhofshilfe und in neuester Zeit die nachgehende Fürsorge für Jugendliche. Für dieses letztere so hochwichtige Gebiet hat sie die Geschäftsstelle des Bundes für ganz Deutschland übernommen. Diese Arbeit steckt zunächst noch in den Anfängen; aber sie wird sich immer mehr auswachsen, je mehr in weiten Kreisen das Vorhandenfein einer solchen Stelle bekannt und gewertet werden wird. Trotzdem der Mindestbeitrag inkl. Bezug der „Blätter des Jüdischen Frauenbundes" nur 5.— Mark beträgt, sind noch nicht alle jüdischen Frauen Frankfurts Mitglieder der Ortsgruppe. Es wäre wünschenswert, daß alle die, die ihr noch ferne stehen, zu den Werbetagen am 6. und 9. Mai erscheinen. Das Programm der Veranchaltungen ist im Anzeigenteil bekannt gegeben. Die Werbetage sollen weite Kreise auf den jüdischen Frauenbund, besonders auf die Ortsgruppe Frankfurt a. M. aufmerksam machen. Sie sollen werben für die Idee der jüdischen Frauengemeinschaft, werben sür die Betätigung der weiblichen Eigenart, im Hause, iu der Erziehung, in der Gesamtheit. Naris Lloxtsr. Weibliche Fürsorge, Langestratze 3V. 1. Arbeitsnachweis, Sprechzeit tägl. 10—12 und 3-^Z4 Uhr, Sonntag 9^—11 Uhr. Gesuchte Stellen ^) für Kontoristinnen, Stenotypistinnen, Verkäuferinnen, Lageristinnen und Lagerarbeiterinnen; d) für Lehrmädchen mit Volks-, Mittel- und höherer Schulbildung per sofort und zu Ostern; e) für Kochaushilfen, Näherinnen, Hausdamen und Haushälterinnen in frauenlosen Haushaltungen, Haustöchter uud Stützen mit Familienanschluß. Sprechzeit für Lehrmädchen: Montag und Donnerstag von 3)4-^ Uhr. Offene Stellen für tüchtige Wirtschafterinnen, gut empfohlene Köchinnen, Alleinmädchen und einfache Stützen sind gemeldet. -2. Zimmervermietung. Der Arbeitsnachweis vermittelt billige Zimmer jeglicher Art, möbliert und unmöbliert, mit nnd ohne Kochgelegenheit, mit und ohne Pension; Sprechende: Mittwoch von 10^—12 Uhr. 3. ü r s o r g e st e l l e. Uns liegen soviel dringende Bitten um K ollern vor, daß wir sie der Öffentlichkeit zur Kenntnis bringen wollen. Wir sind gern bereit, auf Anruf Hansa 3723 die Koltern abholen zu lasten. Palästina-Lugendfahrt 192S. Zum ersten Male nach dem Kriege wird im Herbst dieses Jahres, sofort nach den Feiertagen, eine Reise der jüdischen Jugend nach Palästina stattfinden. Im Rahmen einer großen und billigen Ferienfahrt, die irn wesentlichen den Charakter einer Wanderfahrt haben soll, wird ganz Palästina bereist, alle Punkte, die in landwirtschaftlicher und historischer, religiöser, wirtschaftlicher und politischer Hinsicht bedeutsam sind, werden besucht. Die Reise wird veranstaltet von einer Reihe Jüdischer Jugendoerbände in Deutschland, Palästinensischer Organisationen etc. Die Vorbereitung und organisatorische Durchführung liegt in den Händen des Palestine Lloyd Grn. b. H., Berlin-Charlottenbrug, 2, Joachimsthaler Straße 38. Erholung für Jugendliche. Das Erholungsheim in Seesen des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbände wird am 1. Mai 1928 wieder eröffnet. Wir haben die Möglichkeit, besonders für die Monate Mai und Juni und den Monat September Jugendliche beiderlei Geschlechts im Alter von 14—25 Jahren