Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 6 (1927-1928)
- Issue
- 9 (5.1928)
- Date
- 1928-05-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Gemeindeblatt devSsvaelMMen Gemeinde Svansffuvt a.5Naw Blatt unentgeltlich. Bezugspreis für ÄtIt^II<^KVÄUKO!AOV Nonpareillezeile^40 ^Pfg^,?m Text NichtMitglieder 40 Pfg. für die Htz O HZ M O M S l U t> S V S v tv Ü l t tt tt S ""^^ der letzten Seite 60 Pfg- Nummer. Zustellung durch die Poft. V » - V » V »V » » » AnIgen^rw^ Schriftleittmg^und Verwaltung: H Zahtg. FrÜNtfUtt Ü. M., Ml 1928 . Rt. 9 I^d^Is Aus dem Inhalt. Amtliche Anzeigen...................278 Aus der Gemeindevertretung...............279 Aus den Gemeinden..................281 Wilhelm, Zur Reform des Religionsunterrichts ....... 274 Posen, Jüdische Volkskunde................275 Sabbatheillgung....................276 Aus der Geschichte der Gemeinde.............277 Anstalten und Vereine, Versammlungskalender .... 282—291 Gottesdienstlicher Anzeiger................292 Veränderungen im Personenstand.............291 Gebetbuch für die Synagoge Königfieinerstraße. Bearbeitet von Rabbiner Dr. <?. Selkgmann. Der 1. Teil (für Sabbat, die drei W allfahrts feste und Buch kostet Mk. 5.50 und ist bei Synagogenwar/Löllbach und Offenbarung. Von Hermann Lohen. Am 4. April jährte sich zum 10. Mal der Todestag ^eipM 1919^ S. 9? ff^Me" Schriftl" bentums Die Griechen unterschieden die „ungeschriebenen Gesetze" von den geschriebenen. Die letzteren sind Satzungen von Menschenhand. Es kommt nicht darauf an, daß sie geschrieben seien, obzwar die höchste Beglaubigung dem geschriebenen Rechts- und Staatsgesetz beiwohnt. Sogar die positiven Gesetze bedürfen zu ihrer tieferen Beglaubigung der Konformität mit den ungeschriebenen. Wenn nun gar der jeweilige Herrscher ein Gesetz erläßt, wie Kreon, so ist Antigone daran nicht gebunden, und sie weiß sich von dem Frevel der Gesetzesverletzung srei, weil sie auf die ungeschriebenen Gesetze in ihrer Schwesterliebe sich beruft. In diesen ungeschriebenen Gesetzen liegt die Sittlichkeit des griechischen Volksgeistes, bevor; diese von den Philosophen formuliert und motiviert wurde. Indessen hat die philosophische Ethik dennoch keinen Schutz gebildet vor der Sophistik, die in den Reihen der Philosophie selbst-ausbrach. Was nun aber später durch den Ausdruck „von Natur" im Gegensatz zur Konvention, der »Satzung" bezeichnet wurde, das ist im Grunde nichts anderes als jenes „an sich", jenes Ewige, jenes Ungeschriebene, welches eben aller Schriftlegung, gleichsam aller Kultur voraufgeht, voraufgehen muß, weil es erst den Grund legt zu aller Kultur. Was die Griechen das ungeschriebene Gesetz nannten, das nannten die Juden die geschriebene Lehre. Sie wollten hier den sonst behaupteten Zusammenhang mit der Vernunft übersehen, weil ihr Blick, ihr Interesse auf die Folgezeit gerichtet ist, die sie im Zusammenhangs halten. wollten mit der Vergangenheit. Daher legen sie diese fest als geschriebene Lehre, um die mündliche Lehre als Lehre zu befestigen. Der Grieche richtet von vornherein seine Kritik an die Gegenwart, der er daher den Grund legen muß in der Vergangenheit. Der Jude dagegen will die Gegenwart nicht durch Kritik vertiefen, sondern vielmehr durch die Herstellung ihres Zusammhangs mit dem Ewigen, dem geschriebenen Gesetze. Dieses Ewige, als die Grundlage der Vernunft für allen Inhalt der Vernunft, nennt der Jude Offenb arung. Ist der Name wirklich ein gebräuchlicher, ein traditioneller? Diese Frage ist zu verneinen. Der technische Ausdruck ist: „Die Gabe der Thora" (N"NN Diese Gabe birgt kein Mysterium in sich. In allen Segenssprüchen über die Thora heißt es: „der uns die Thora gegeben hat", und Gott wird „Geber der Thora" in der liturgischen Formel genannt. Da ist von keinem Geheimnis, von keiner Entschleierung (Kevelstio) die Rede. Gott gibt die Thora, wie er alles gibt, das Leben und das Brot, wie auch den Tod. Die Offenbarung ist das Zeugnis der Vernunft» die nicht tierische Sinnlichkeit ist, sondern von Gott kommt, mit Gott verbindet. Was die Griechen das Ewige später nannten, ^im Anschluß an das Ungeschriebene, das benennt die Philosophie alsbald, nämlich schon bei Platon und Aristoteles in einer ähnlichen Zweideutigkeit, wie die Theophanie. in der man die Vorder- und die Rückseite Gottes mißverstanden hat. priori und s pOZtenori enthalten dieselbe Zweideutigkeit in Beziehung auf die Zeit, wie dort auf den Körperraum. Wenn jedoch unter dem a priori von Anfang an dasjenige verstanden wurde, was aller' sinnlichen Wahrnehmung und Erfahrung vorausliegt und zu Grunde liegt, so erkennen wir den geistigen Zusammenhang, den hier die Vernunftforderung mit dem der Offenbarung verbindet. Ebenfo wie die Philosophie allem vermeintlich berechtigten Interesse an der Entwicklung der Begriffe und alles Inhalts des Bewußtseins mit der Forderung entgegensteuert, daß die Entwicklung nicht restlos durchgeführt werden könne, daß ein Fundament ausgezeichnet werden müsse, welches der Analyse standhält, halten soll, weil ein Ewiges zu fordern ist, in welchem aller Wechsel des menschlichen Bewußtseins mit allen seinen Schätzen einen Urgrund habe, der ihm Bestand sichert, so wird auch die Religion vermöge ihres Anteils an der Vernunft von diesem Problem bewältigt, von diesem Interesse