Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 6 (1927-1928)
- Issue
- 7 (3.1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 214 (sequence 10)
- Language
- German
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214 Etatberatung auf diese Angelegenheit zurückzukommen. Ein weiterer Bericht der Finanzkommijsion befürwortet die vorläufige Anwendung der neuen Reichsbesoldungsordnung ab 1. Januar 1923 auf die Gemeindebeamten mit der Maßgabe, daß Die Zustimmung oer Gemeindevertretung vorbehalten bleibt und Verrechnung für den Fall erfolgt, daß die endgültige von den Gemeindebehörden zu beschließende Regelung auf der Preußischen Besoldungsordnuug aufgebaut wird oder sonst abweichende Ziffern ergibt; von diesem Zeitpunkt ab ist auch die Zahlung der seit Oktober 1927 gezahlten Vorschüsse einzustellen. Ferner wird die Abgeltung der örtlichen Sonderzuschläge in der gleichen Weise wie bei den Staatsbeamten ebenfalls unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Gemeindevertretung sowohl für die Gemeindebeamten als auch für die Lehrer des Philanthropins beschlossen. Die Gemeindevertretung nimmt alsdann zur Kenntnis, daß die erste Gemeindeversammlung mit einem Vortrag des Herrn Regierungsbaumeisters Fritz Nathan über den neuen Friedhof der Israelitischen Gemeinde auf den 27. Februar 1923 anberaumt ist; ferner daß die Stelle des Krankenhausinspektors nochmals ausgeschrieben wird, weil unter den bisherigen Meldungen ein ohne weiteres zur Uebernahme geeigneter Bewerber nicht vorhanden ist. Eine größere Debatte entwickelte sich über den Beschluß des Vorstands, die ursprüngliche Infektionsabteilung des Krankenhauses zur Hälfte ihrem früheren Zweck wieder dienstbar zu machen, für die bauliche Veränderung einen Kredit bis zu M. 6500.— und für die Einrichtung einschließlich der Wäschebeschaffung einen solchen bis zu Mark 12 872.—, insgesamt also bis zu M. 19 372.— zu bewilligen. Herr Dr. Geiger ist grundsätzlich für die Wiederinbetriebnahme der alten Infektionsabteilung, kann aber nicht einsehen, warum diese nur zur Hälfte wieder eingerichtet werden soll, da bei Inbetriebnahme der ganzen Abteilung die Kosten sicher verhältnismäßig geringer seien, als bei der beabsichtigten Einrichtung nur der einen Hälfte. Er regt ferner an. zu Prüfen, ob die Stadtgemeinde nicht um Zahlung eines Zuschusses zu den Kosten dieser Abteilung des Krankenhauses angegangen werden könne, da sie reckilich zweifellos zur Versorgung von Jnfektionskranken verpflichtet sei. Herr S.-R. Dr. 'Ettlinger begrüßt die letztere Anregung und gibt für die neu eingetretenen Gemeindevertreter einen kurzen Rückblick über die historische Entwicklung der Angelegenheit, von der durch die Inflation bedingten UnWirtschaftlichkeit und Schließung der früheren Infektionsabteilung, von den gescheiterten Verhandlungen wegen Unterbringung von Jnfektionskranken im Städtischen Krankenhaus bis zur Errichtung der neuen kleinen Infektionsabteilung in dem früheren Leichenhalls, der Vermietung der alten Infektion bis zu deren nunmehrigen Räumung. Die noch bestehende kleine Infektionsabteilung im früheren Leichenhaus sei nun vollkommen unzureichend, sie sei zwar das Jahr hindurch nicht voll belegt, weil im Sommer verhältnismäßig wenig Jnfektionskranke kämen, während in den Wintermonaten infolge Ueberbelegung zahlreiche Fälle abgewiesen werden mußten, das sei aber ein der Gemeinde unwürdiger Zustand. Dazu komme, daß für Patienten I. und II. Klasse keine Einzelzimmer vorhanden seien, und daß keine Möglichkeit zur Vornahme von Operationen bestehe. Wenn auch zahlenmäßig eine geringe Frequenz (1926 70, 1927 66 Patienten) verpflegt worden seien, so müsse doch die bei Jnfektionskranken notwendige längere Verpflegungsdauer berücksichtigt werden, so daß man doch von einer guten Belegung sprechen könne. Nachdem der lang gehegte Wunsch der Gemeindevertretung auf Freimachung der Infektionsabteilung nunmehr erfüllt sei, habe man die Pflicht, für eine würdige Unterbringung von Jnfektionskranken zu sorgen. Die Anlage der alten Abteilung sei eine mustergültige, sie sei für andere Zwecke nicht zu verwenden, solche seien zurzeit auch nicht zu befriedigen. Durch die vom Vorstand beantragte Einrichtung der östlichen Hälfte der Abteilung werde die innere Abteilung des Krankenhauses, die bisher leichtere Jnfektionsfälle, wie Halsentzündung usw., aufgenommen habe, wesentlich entlastet. Man möge deshalb den Vorstandsbeschluß annehmen und abwarten, wie sich die Frequenz gestaltet. Für die Einrichtung und Inbetriebnahme auch der übrigen Hälfte sei zunächst, wie aus der bisherigen Belegungszifser ersichtlich, kein Bedarf. Was die Kosten der Wäschebeschafsung angehe, so sei diese dadurch bedingt, daß die frühere Jnfektionswäsche nach Desinfektion auf anderen Abteilungen des Krankenhauses verwandt worden sei. Herr Goitein wünscht Verwendung der westlichen Hälfte der Infektionsabteilung für andere Zwecke, etwa für Nervenkranke oder für die jetzt unzweckmäßig untergebrachte Röntgenabteilung, während Herr Dr. Freimann für Wiedereröffnung der gesamten Infektionsabteilung ist. da die Räume im Erdgeschoß vorzügliche Liegehallen besäßen, während diejenigen im ersten Stock, abgesehen von der geringen Zahl, auch klein und ohne Liegehallen seien. Ueberdies müsse man die teuren Betriebskosten für zwei voneinander abgetrennte Geschoßteile berücksichtigen. Zur weiteren Klärung dieser Frage müsse auch geprüft werden, wieviele Jnfektionskranke abgewiesen werden müßten. Bei der Anregung des Herrn Dr. Geiger betr. Zuschuß^ahlnng der Stadt sei auch die Tatsache der Verpflegung nichtjüdischer Patienten wichtig. Die Gemeindevertretung beschließt, dem Vorstandsbeschluß zuzustimmen, ihm die Frage der Inbetriebnahme der gesamten Infektionsabteilung zur Erwägung anheimzugeben und die Stadtgemeinde um Zablung eines Zuschusses in gebührender Höhe zu veranlassen. Weitere Vorlagen betreffen kleinere bauliche Veränderungen und Anschaffungen im Krankenhaus. Die Vorlage über die Verlegung der'Krankenhaussynagoge wird zwecks nochmaliger Prüfung der Anaeleaenheit vom Vorstand zurückgezogen. Ein Antrag" auf Bewilliannq von weiteren M. 2000.— für die Ieschiwä des Herrn Rabbiners Dr. Hoffmann wird zwecks Vorbereitung an die Finanzkommission verwiesen. Die Gemeindevertretung nimmt Kenntnis von der Zuwendung eines goldenen Bechers durch eine Franenaruppe zur Erinnerung an Rabbiner Dr. Nobel s. A., einer Geldspende der Hinterbliebenen des Herrn Michael Moses Mainz für den Rekonvales^entenfonds und eines Vermächtnisses des verstorbenen Bankdirektors Jacob Marr für die dauernde Unterhaltung seines Grabes und schließt sich dem bereits vom Vorstand ausgesprochenen Dank an die Geber an. Es wird ferner zur Kenntnis gebracht, daß an Stelle '»es zurückgetretenen Herrn Rabbiners Dr. Seliamann Herr Rabbiner Dr. Lazarus mit Wirkung vom 1. April 1923 zum Referenten für das Religionsunterrichtswesen ernannt worden ist. Im Anschluß hieran wird zwecks Prüfung der Frage, ob die Religionsunterrichtskommission eine selbständige M^LSSLSSW U!Z Erste Frankfurter Oampswaschu. Platt-Anstalt A Fernsprecher Hansa 4825 G. Trabinger, Frankfurt am Main Gutleutsiraße 5S. 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