Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 6 (1927-1928)
- Issue
- 5 (1.1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Gemeindeblatt devSwaelttischen Gemeinde Svankßuvt a.Mai« Z^^^e^w «milkcksv Äluzelsev - SSl/^'^^^: Blatt '. ncntge.tltch Bezugspre.S für und auf der letzten Seite 60 Pfg. N.chtm.tglr-der 40 Pfg. füc die v K V G S M S t SS V S V S v W 6 l S tt SS S Bei Wiederholungen Rabatt Kummer. Zustellung durch die Post. ^^^^^^_ Anzeigenverwaltung: Gemeindehaus Schriftleitung und Verwaltung:-- Fahrgasse 146, Erdgeschoß. Fahrgasse 14b. 6. Jühtg. FtaNkfUtt Ü. Al., JaNUat 1928 M. 5 Fernsprecher Hansa 1527 und 7085 Aus dem Inhalt. Seite Amtliche Anzeigen................... 143 Hanauer, Stand und Bewegung der jüdischen Bevölkerung. . in Krankfurt a. M................. 136 Mayer, Nehemias Anton Nobel.............. 141 Baer, Mehr Gründlichkeit...........^ .... 139 Israetttisch^ Rettgionsgesellschast.............. 138 Bücherschau ........... 153 Gottesdlenstlicher Anzeiger........ ....... 155 Veränderungen im Personenstand............. 155 Kracauer, Geschichte der Juden in Krankfurt a. M. II. Band (Schlußband), VIII, 553 Seiten. Preis des broschierten Exemplars Mk. 12.50 für die Subskribenten......Mk. 11.— Der erste Band ist noch zum Preis von Mk. 10.— für das Frankfurt a. M., Schlllerstraße 19, übertragen. Das Werk ist Vom Wesen des jüdischen Monotheismus Von Binjamin Segel Über die Psychologie und den Ursprung der jüdischen Religion, namentlich des Monotheismus, ist sehr viel Gelehrtes und Geistreiches gesagt worden. Renan hat die Theorie von einer psychischen Disposition der Semiten für den Monotheismus aufgebracht, die aber unhaltbar ist angesichts der Tatsache, daß nur ein einziges semitisches Volk, die Juden, den Monotheismus als Volksreligion geboren hat und ihm treu geblieben ist. Die Araber haben sich erst eineinhalb oder Zwei Jahrtausende nach den Juden, und zwar unter dem Einfluß der Bibel und einer starken jüdischen Propaganda zum Monotheismus bekehrt. Alle anderen semitischen Völker sind Polytheisten geblieben, nur in Babylonien scheint die höchste Priesterschaft einen Monotheismus als esoterische oder Geheimlehre gepflegt zu haben, was übrigens auch bei den Indern und Aegyptern, vielleicht auch bei Kelten und Germanen der Fall war. Das Geistvollste und Klarste haben wohl in dieser Sache W. Robertson Smith und Pfleiderer gesagt, die den angeblichen „semitischen Hang zum Monotheismus" auf soziale Ursachen zurückführten. In Vorderasien haben terrestrische und historische Vorgänge die Entstehung einer starken despotischen Königsmacht begünstigt, während in Griechenland und im übrigen Europa Ursachen derselben Natur eine aristokratische Regierungsform begünstigten. Da nun für den antiken Menschen Religion und Staatsform zusammenfielen, so" bildete sich bei den Semiten die Neigung zur Anerkennung eines Gottes, während die Jndogermanen dem Polytheismus zuneigten. Das klingt sehr plausibel und hochmodern, ist aber ebenso falsch. Denn das einzige semitische Volk, welches seit Menschengedenken monotheistisch war, hatte für seine Monarchen blutwenig Respekt; die biblischen Geschichten behandeln die Könige ganz wie andere Sterbliche und beurteilen ihren Wert nur nach dem Grad ihrer Befolgung der Gesetze Gottes. Der einzige König, dem sie eine wahre Verehrung widmeten, war David, und dies nicht weil, sondern trotzdem er König war, weil er in der Erinnerung des Volkes als kühner, ritterlicher Held und großer Sänger lebte. Aber seine Streiche vergaß man ihm nicht und noch der Talmud suchte Milderungsgründe für ihn und sagte: „Wer David für einen Sünder hält, irrt sich bloß." Alle diese Gelehrsamkeit ist leider völlig unnütz und philosophiert am eigentlichen Problem nur vorbei. Es ist gerade, wie wenn jemand den Parthenon-Fries, den Apollo vom Belvedere oder den Altar von Pergamon aus der geochemischen Beschaffenheit des Herstellungsmaterials restlos „erklären" zu köRnen vermeinte. Die Hauptbedeutung des Judentums in der Religionsgeschichte der Menschheit liegt gar nicht imMonotheismus. Nicht der Monotheismus ist das Einzigartige, Unterscheidende, Neue, Revolutionierende, welches durch das Judentum in die Welt gekommen ist, sondern die Theophilie, die Gottesliebe ist es. Diese war etwas Unerhörtes, vorher nie Dagewesenes, und auch ganz Unverstandenes. Daß das Weltall von einer einzigen Urkraft beherrscht und gelenkt ist, das wurde, wie schon erwähnt, auch anderwärts erkannt, wenn auch nicht verkündet. Zu diesem Resultat mußte das menschliche Nachdenken über den Kosmos logisch erweise von selber gelangen. Aber daß diese einig-einzige Urkraft eine lebendige Persönlichkeit ist, die man lieben, der man sich in Vertrauen und Hoffnung selbstlos hingeben kann, das hat das Judentum zuerst der Welt verkündet. Es ist verfehlt, zu meinen, daß das jüdische Glaubensbekenntnis sich in dem Verse erschöpfe: „Höre, Israel, der Ewige, unser Gott, der Ewige ist einzig." Jeder kleine Judenjunge weiß, daß dazu auch das nachfolgende Kapitel untrennbar gehört, welches lautet: „Und du wirst lieben den Ewigen, deinen Gott, mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit ganzer Innigkeit", und so weiter. Und schon in ältester talmudischer Zeit interpretierte man dieses Bekenntnis folgendermaßen: mit ganzem Herzen, das heißt, mit beiden Trieben des Herzens, dem altruistischen sowie dem Lusttrieb; mit ganzer Seele, das heißt, auch wenn Gott dir die Seele nimmt, dich sterben läßt oder Leid über