Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 6 (1927-1928)
- Issue
- 4 (12.1927)
- Date
- 1927-12-01
- Page
- Seite 99 (sequence 11)
- Language
- German
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99 für die Gewinne der Kriegs- und Nachkriegskonjunktur eine neue A n l a g e m ö g l i ch k e i t gefunden werden. Diese doppelte Aufgabe war es^ die das Haus Rothschild unter Ueberflügelung der alten Bankhäuser löste und die vor allem seine Größe begründete und befestigte: aus einem Wechselhaus wurde die Firma in den Jahren zwischen dem zweiten Pariser Frieden und der Julirevolution das europäische E m i s s i o n s h a u s pa-r sxoellsnos. Die preußische Anleihe von 1317 war die erste bedeutende Anleihe dieser Art, die das Haus an der Spitze der Haute kinanes zeigte. Ihr folgten eine Reihe von großen Staatsanleihen, von denen die österreichische Losanleihe von 1819 deshalb von besonderer Bedeutung geworden ist, weil sie einen neuen Typ der Staatsanleihe schuf und vor allem das spekulative Element stark in den Dienst der Emission zog. Bei ihrer Durchführung wurde es zweckmäßig, datz Solomon Rothschild nach Wien übersiedelte. Mit ihr begannen die finanziellen Beziehungen zu Oesterreich und seinem allmächtigen Staatskanzler Metternich, die auch die politische Bedeutung des Hauses und die gesellschaftliche Position seiner Mitglieder auf das stärkste festigten. Schon 1816 waren diese geadelt worden, bereits sechs Jahre später wurden sie in den Freiherrnstand erhoben. Es führt im Rahmen dieses Aufsatzes zu «weit, auf Einzelheiten hinzuweisen, in denen sich , der politische Einfluß des Hauses bewies. Nur ein Kapitel aus der. Geschichte seiner politischen Wirkung mag an dieser Stelle angeführt werden: die Rolle, die Rothschild in dem E m a n z i P a t i o n s k a m P f der F r a n kfurter i ü di scheu Gemeinde spielte. Es ist bekannt, wie die Regierung der Freien Stadt Frankfurt bemüht war, nach dem Wiener Kongreß, gestützt auf jenen Artikel 16 der Bundesakte, den Juden das Bürgerrecht wieder zu nehmen, das ihnen die Regierung Dalbergs verliehen hätte. In dem 'hartnäckigen Kampf zwischen dem Senat und der jüdischen Gemeinde fand diese lebhafte Unterstützung durch Hardenberg und Metternich, die Kanzler der beiden mächtigsten Staaten des deutschen Bundes. Corti zeigt, daß es vor allem der Einfluß der Rotbschilds war. der die Haltung dieser bestimmte und so für die Frankfurter jüdische Gemeinde ein im allgemeinen günstiges Kompromiß zustande kommen ließ. Conte 'Corti schildert die Macht und den Einfluß. des Hauses in einer äußerst interessanten und ausführlichen^ Darstellung, und es ist ihm gelungen/aus den österreichischen und Preußischen Archiven eine große Anzahl von Dokumenten ans Licht zu ziehen, die nicht nur für die Geschichte des Bankhauses, sondern auch für die europäische Geschichte und Wirrschaftsentwicklung von großer Bedeutung sind, so daß er in vielen Punkten unsere historischen Kenntnisse außerordentlich ergänzt und erweitert. Man wird daher feststellen können, daß in der Tat endlich ein Werk vorliegt, das den fast unerklärlich raschen Aufstieg jener Familie, aus dem Frankfuraer Ghetto zn internationalen Torys darstellt, ihre wirtschaftliche Bedeutung, ihren politischen Einfluß. Zeigt, ohne aus dem Rahmen einer objektiven Geschichtsbeschreibung herauszufallen, was bei dem heiklen Thema wahrlich nicht leicht ist. Diese Bedeutung des Werkes für die historische Literatur muß vor allem festgestellt werden, auch wenn im einzelnen kritische Bemerkungen nicht unterdrückt werden können. Es wird nämlich dem Leser des Buches auffallen, daß die Geschichte, die Corti schreibt, allzusehr von Wien aus gesehen ist. Corti ist zu stark von seinem Quellenmaterial beeinflußt, das für die Darstellung der österreichischen Geschäfte und Geschehnisse reich floß, während er für die englischen, französischen und deutschen Verhältnisse meist nur auf das Referieren bekannter Forschungen angewiesen ist. Man wird bei der Lektüre nicht vergessen dürfen, daß m der von Corti behandelten Periode das Wiener Haus im Gegensatz zu den Londoner und Pariser Niederlassungen lediglich eine Filiale der Frankfurter Zentrale war und in der Liste der K. K. privilegierten Großhändler ausdrücklich als auswärtiges Großhandelshaus verzeichnet ist, eine Tatsache, die Corti frenich nicht erwähnt. Es ist sehr zu bedauern, daß Corti dieses Verhältnis in seiner Darstellung nicht genügend berücksichtigt, das nicht nur ein juristisches war, sondern auch der zentralen Bedeutung des Frankfurter Stammhauses dadurch entsprach. Erst eine genaue Analyse der Frankfurter Börse in jenem Jahrzehnt nach 1815 könnte die wirtschaftliche Bedeutung des Hauses Rothschild und das eigentliche Geheimnis seines Aufstiegs ökonomisch und somit auch Politisch deuten. Aber eine solche wirtschaftshistorische Betrachtung liegt Corti fern, der eine politische Geschicktsbeschreibung geben will. Es scheint mir, daß hierin ein Mangel des Werkes liegt, denn ohne methodische Fragen zu behandeln, ist es evident, day bei der Geschichte eines Bankhauses die Darstellung der wirtschaftlichen Zustande einer eingehenden Beschreibung bedarf, da aus ihnen die gesamten Geschäfte sich aufbauen müssen. So kommt es, daß Corti zwar ausführlich die einzelnen Verhandlungen bei dem Zustandekommen der verschiedenen Staatsanleihen schildert und genau die Bedingungen mitteilt, zu denen sie emittiert wurden, aber wie diese Emissionen dann aufgebracht wurden, und was sie eigentlich volkswirtschaftlich bedeuteteu, das deutet Corti an. Und doch waren diese Anleihen grundsätzlich etwas ganz anderes als etwa jene erste dänische Anleihe, bei der es sich hauptsächlich darum handelte, für einen grasen Kunden eine Anlagemöglichkeit zu schaffen. So ungeheure Anleihen, wie sie Rothschild in großer Zahl herausgab, wären nicht aus -dem eigenen Kundenkreis des Hauses oder gar von einem einzigen Kapitalisten aufzubringen gewesen, wie es im 18. Jahrhundert allgemein üblich war. Vielmehr mußte hierfür eine anonyme Masse einzelner Geldgeber gefunden werden, die ihr Antagebedürsnis vereinte, so daß ihre Assoziierung das Kapitalbedürrnis der Staaten befriedigen konnte. Als Instrument dieser Konzentration zwischen Kapitalangebot und Nachfrage fanden die Rothschilds die Börse vor, die sich vor allem in Amsterdam als Aktienbörse ausgebildet hatte. Mir den napoleonischen Kriegen winde d e londoner Börse zum Weltmarkt des Kapitalverkehrs. Es ist die große historische Bedeutung Nathans, dies für das Emissionsgeschäft ausgenutzt und London zur europäischen Fondsböi se geschaffen zu haben. Aber die örtliche Konzentration ist nur das eine Problem, das die Börse zu lösen hat, es erwies sich, daß sie auch die zeitliche Konzentration zu vollziehen imstande ist. d. h. den Ausgleich zwischen dem gegenwärtigen Kapital- und dem zukünftigen Anlagebedürfnis und umgekehrt zu schaffen. Dies ist die volkswirt- AMetanntes SpezialHaus feiner Lederwaren, Koffer und Reise-Effetten Loewenherz gegt.1861 Goethestraße 13 gegk.1881 Große Auswahl Billige preise SKIl^NI^N * PMI^Ixl (Z0l.v * Sll^MVV^KLN L.<5. Schlund Sl^IVLNS^K.SS / (ZtKik. 179b l Minute nsclist <Zer ttsuptwscke ^SL^'^/e Vo//-<LMAMeM/?A Ds/??6/?, ^6^6/? 5//?c/ ^7äF//'o5 6/>?FS/?F vc?/? /? 65/6^/6/? 5^7oc/e//en /ö^e/?^ <?sö/7^s/? c/sL 5?5/L/s/?</66 ^06//>6L/>«s/?6 ^s/VanFS» c5/e me/>?e/7 <Ne/önoob/ö-?/vs/?e6/