Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 6 (1927-1928)
- Issue
- 4 (12.1927)
- Date
- 1927-12-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Gemeindeblati devSsvaelttischen Gemeinde Svmsefuvt aZNai« Di- G-m-md-mi.gli-der erhalten das «MtttGevSllttSeiSev N?n?a^ ^f.^^t Blatt unentgeltlich. Bezugspreis für ^^^^^^-^«^.^.^^..5.^^^ und auf der letzten Seite 60 Pfg. Nichtrmtglieder 40 Pfg. für die VOV KIUOTNvvVvVVGHTTI?«» Bei Wiederholungen Rabatt. Nummer. Zustellung durch die Post. Anzeigenverwaltung: Gemeindehaus Schriftleitung und Verwaltung: " 5'^^^^^ Fahrgaste ,46. 6. Zahrg. Frankfurt a. ZN., Dezember 192? Ar. 4 Fernsprecher Hansa ^527 und 7085 Die Schriftleitung übernimmt fttr den Inhalt des Gemeindeblatts nur die preßgeseßliche Verantwortung. / Nachdruck nur mit Erlaubnis gestattet Aus dem Inhalt. Seite Amtliche Anzeigen...................^4 Aus dem Gemeindevorstand...............403 Aus der Gemeindevertretung...............404 Guthmann, Die jüdische Lugendbewegung in Deutschland 90 Aussprache über Religionsunterricht............ 93 Heilbrunn, Oer Ausstieg des Hauses Rothschild 97-W0 Aus der Geschichte der Gemeinde............401 Affens, Die Chanukkalichter...............405 Anstalten und Vereine, Versammlungskalender.....^os—551 Nücherfchau.......-............. . N2 Gottesdienstlicher Anzeiger ...............454 Veränderungen im Personenstand.............544 Chanukka — ein Fanal! Von Rabbiner Dr. Gottschalk. Chanukka, das Wort klingt auf — und in uns Kindern der Gegenwart, den Enkeln der einstigen Makkabäer, ertönt eine gewaltige Sinfonie: ein Jauchzen und Klagen, Verzweiflung und Jubel, Demütigung und heldischer Stolz! Chanukka — und uns umbraust der gewaltige Chor eines ganzen Volkes: Greise und Junge, Männer und Frauen, ja, selbst die Kinder vereinigen sich zu einem einzigen Kampfeswort: Nein! Nein! Abermals Nein! Und doch — ist das alles nicht überaus seltsam, alles nicht überaus widerspruchsvoll? Chanukka — und wir gedenken gewaltiger Kämpfe, gewaltiger Siege. Blut steigt wieder auf und Töten und Fallen und Sterben. Mit dem Schwertstreich des Matthatias fings an, der Kampf der 80V war nur ein Abschnitt, Schlachten folgten. Schlachten entschieden. Und doch heute noch die Begeisterung, die von Jahr zu Jahr immer mehr anschwillt? Sind wir also doch nicht die Gemeinschaft des Friedens, doch nicht die Gemeinschaft des sieghaften Geistes, doch nicht die Gläubigen des prophetischen Wortes: „Nicht durch Macht, nicht durch Kraft, sondern durch meinen Geist, spricht der Ewige Zebaoth?" Sind wir doch am Ende die Juden der Rache und nennen uns deshalb gern Makkabäer? Aber wenn dem so wäre, das Wesen des Chanukka im Kriegsgesang läge, müßten wir dann nicht den „jüdischen Krieg", der gleich dem Weltkrieg vier Jahre währte, müßten wir nicht den Barkochba-Aufstand, der ein. Jahr hindurch Triumphe bescherte, ebenfalls jauchzend und jubelnd feiern? Wenn dem so wäre, müßte das Fest nicht ganz anders heißen, Siegesaber nicht Weihefest? Warum die Weichheit dann gegen Arme und nicht ausschließlich der Ton des Triumphes? Wenn dem so wäre, weshalb wird das Wvrt Makkabbi nicht nur durch das Wort „Hämmrer" erklärt, sondern auch durch den Vers „ Michomaucho - wer ist dir gleich, o Ewiger? - .Weshalb auch durch das Ende der Stammväternamen? Wenn dem so wäre, könnte dann grade das Licht das Symbol sein, unter welchem wir unser Fest begehn. das Licht, das ja keine Beute gewesen, sondern an die Tempelreinigung erinnert? Wenn dem so wäre, hätten dann wirklich die katholischen Christen — wie sie es taten — jene 7 Söhne der „Heldenmutter" so bewundern können? Hätten sie ihnen auch dann eine Kirche errichtet? Auch dann die Gebeine der 7 Brüder dort beigesetzt? Auch dann, als die Kirche einstürzte, den Sarkophag nach Rom gebracht? Hätten auch dann einen Tag im Kirchenkalender dem Andenken der Makkabäer geweiht? Nein, dem ist nicht so. Und ohne Bedenken können wir für alle, die damals starben, die gleiche tiefe Bewunderung hegen. Nicht für die Form, in der sie ihre Idee verfochten — im wahren Sinne des Wortes — aber für die Idee, um die sie stritten. Die Form war ihnen aufgezwungen, war zeitgemäß, allein einem Antiochus angemessen^ entsprach der zur hinreißenden Aktivität neigenden Natur des Makkabäergeschlechtes, das sich auf passiven Widerstand nicht einstellen mochte, war noch Zeichen jener unglückseligen Verbindung von Religion und Krieg, über die sich ja viele auch heut noch nicht erhoben — aber die Idee, das war ihr Eigentum, war das Unvergängliche, Bleibende, war das, was ein Antiochus niemals verstand, was ihm höchstens im Gewände der Macht imponierte. Ja. Chanukka ist trotz allem ein Friedensfest, nicht eines müden und feigen Friedens, nein eines Friedens der Seelenidee, eines Friedens, der uns zu dem Kampfruf berechtigt: Chanukka, ein Fanal! Ja ein Fanal in dem dreifachen Sinn, der sich in dem Worte Makkabbi verbirgt: Fanal der Hämmrer! Fanal der gottbegeisterten Juden! Fanal der Enkel heldischer Ahnen. Fanal der Hämmrer — denn auch ohne Säbelgerassel und Blutvergießen: hier liegt die Entscheidung jedes menschlichen Daseins, ob es Hammer oder ob es Amboß sein will, hier ein Symbol unserer ganzen Geschichte. Hämmrer zuerst, Amboß sodann, jetzt aber Hammer und Amboß zugleich! Ja wir waren die Hämmrer der alten Zeit, waren es vor allem in jenem Mose, dessen geistige Funken, dessen geistiges Sprühen, dessen sausende Schläge seines stahlharten Geistes eine Welt des Dunkels in Trümmer geschlagen und wir waren Hämmrer in jedem Propheten, deren Wort mit unwiderstehlicher Wucht Götzen zerschmetterte und das Reich Gottes zusammengeschmiedet. Und dann waren wir Amboß durch lange Zeiten, durch all die Dinge, die jeder kennt, aber freilich ein Amboß — und das ahnte man nicht — aus dem das Eisen, gegen das man gehämmert, nur immer härter und härter wurde. Und jetzt sind und sollen und wollen wir sein: Hammer und Amboß zu gleicher Zeit! Ja hier liegt die Berechtigung und hier der Grund, daß und weshalb uns der Name Makkabbi — auch ohne Blutrausch und Hurragelüste — immer wieder und immer wieder begeistert. Es ist dieser Sturm von