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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1927-09-01 · 1-2 (9.1927) · p. Seite 29

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
6 (1927-1928)
Issue
1-2 (9.1927)
Date
1927-09-01
Page
Seite 29 (sequence 29)
Language
German
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29 Und visionär sind kast alle Werke aus der letzten 2sit. Da ist im Osmesndsmussum im Haag' (lsikweiss aus Privatbesitz!) sin Bild vom 81Ml^rigen Neister gemalt: „Der Wandsrer". Diu Alter Herr im koken Xvlinder wandelt langsam xwiselisn den Bäumen des?arks im Morgengrauen. I^andsobakt und (Gestalt sind sing-sliüllt in den wie?srlmutt glän/sndsn Norg-ennebel — versonnen und wsltsntrüekt —, sebon sobsint die irdisebs Hülle abgsstrsikt und nur dsr Osist wandelt in seliger Betrachtung. Nenseb und I^andsobakt, Himmel und Krde sind eins geworden, und alles ist gättlieb. Lo ist doxek Israels' Seele. Israels Asels! Nie ist sebliobt uncl einkältig, wie die eines Kindes, darum ist sie pantbeistiseli, darum spürt sie in allem und Hedem den lebendigen Haueli der (^ottbsit. lind sie lsbt uncl atmet in bollänclisebsr l^ukt, atmet dieselbe l^.ukt, die ein Rsmbrandt, die ein Kpinoxa. geatmet — mit ibnsn liat sie clen ^uZ- 2um I^antlisistiselwn gemein, varum aueli ist sie so eekt kolländisob, spinnt sie k'eiertagsstimmung aueb um das .^lltäxliobs, erküllt sie mit Weibe ieg-lisbes Werk, lind sie ist seblieklieli tisk im Innersten gan?. Hüclise b. I^arum werden Loböpkungen wie Laul uncl David, cler Lobn cles alten Volkes, cler l'Iiorasebreiber vor allem xu seinen Hauptwerken, die aus cler (^anöbsit seines Uesens, aus dsm Urquell seiner Lssle geboren sind. Israels ist nient nur cler Naler cles bolländiselien k^isobervolkes, er ist aueli dsr Naler jüdiseben Wesens. Wenn Riebard Nutbsr von ibm sagt: „Lin dude spricht, der das Lrbstto in cler Brust trägt, 6er in clsn Niedrigen und Leladenen seine eigne dugenclgesebiebts uncl clie Ossebiebte seines Volkes malt," so ist damit niobt alles gesagt. (ZewiL, die Hüdiseben (Gestalten, die er gesebakken, sind erküllt von ergebenem Dulden und von milder Wsisbeit — aber sie waebssn von innen lieraus xu beroiselier (tröste. l?s liegt in ibnen der Zeitlose Heroismus des ewig dauernden (Aottssvolkes. Oer ^korssckreider. Vordsmerknn». 55u dem Bild von Israels 5uk Leite 28, dessen Entstellung der Meister selbst in seinem Lpanienbueb reizvoll -reseldldort bat, sei eins Ltelle aus der ,,l?rxäldung vom?borasobreiber" von L. .1. .^gnon wiedergegeben. vis Sebriktl. 3o war sein bsiliger Weg: Ilm Nitternaebt stellt er auk uncl sit2t auk der Urde und iut ^Vsebe auk sein Haupt und weint und trauert über die 55er- Störung' Jerusalems und über das Lterbsn der (Asrsebtsn und cien Brand des Heiligtums und die I^änge des Qalutb und das Oalutl^ der Oottesglorie und die Härte der llnterwsrkung unter clie Völker und alle ^Vrten seliwsrsr, grausamer Vsrbängnisse, -die über Israel verliängt werden, neue an Hedem Uorgen, und über unseren gerechten Nessias, der clurek clie Künde des ^eit- Alters noek in eiserne Ketten geseldagen ist. Hsrnaeli lernt er l>is 2um Norgenlielit den „^Vsg des Redens", den 8okar und die 1°ikkunim, knüpkt dann die Weiss des?ages an clie Weise <ler Xaelit und steigt?u einem Rsinigungsdade kerad und tauelit seinen dureksekeinenden Körper ins Wasser und listet das Uorgengsbst und kskrt naeli Hause ^urüsk und kostet ein ^tüekenen IZonigkuelisn, in süüsn Branntwein getunkt, und stärkt seinen seliwaeden Körper ein wenig mit einem diLoksn lsioliter öpsise und tauekt adermals unter uncl kegt sein Her? von allen Wsrktagsverrioktungen rein, lind er sitxt clen ganzen 1?ag in seinem Hause und ist einsam mit seiner Lesle, verscmlossen und aliAsriegelt mit vier lallen l'ora, uncl misekt siek nielit unter NenseUen und ist vor allen Lünden xwiseksn einem Älenselien undseinem 5!aei>sten dewalnt, und dlsibt lieilig' in Rede uncl in (bedanken und in l'at, und ist dewalirt vor I^ust und Wollust, und sitöt eing^e^ogsn und vsrsoldosssn, uncl keiner ist mit ikm als allein Oott, er sei xelodt, uncl er lernt einen ^.dsoinntt Nisekna und (Femara, um die münlieds?ora mit der sekriktlielien xu verdinden, und vollxielit alle lieiligsn Rioktung-sn, die in den Lokrikten angedeutet sind, und sit?t üder der lora uncl üder der Prosit und nimmt siel^ in aekt, den neiligsn Flamen nielit olme köi-perlieke Reinigung?u selirsiden. lUnd dssliald sedrisd er manelnnal ein ganzes Pergament und lisk den?Iat2 kür die lieiligen Namen leer, und seliriso sis naelvder, naelidem er abermals in ein Rsinigungsbad getane!it war: Vergls-iobdar einem Neister, der eine Krone kür einen König maelit. Nackt er niebt xuerst die Krone, uncl naekker setst er die Edelsteins und?erlen ein? Und so saL er und sebrieb?age auk l'Age, von Norgen bis ^Vbencl, bis der Lebulcliener kam uncl ans l^enster klopkte und risk: „(bekommen ist die Tsit des Ninebagebets!"

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