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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1927-08-01 · 12 (8.1927) · page 1

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
5 (1926-1927)
Issue
12 (8.1927)
Date
1927-08-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Gemeindevla« devSsvaelttischen Gemeinde Kvanksuvt aSNaw NichtMitglieder 40 Pfg. für die Fahrgasse SlmtllKev Sllttzeisev dev Gemeiudevevwaltuns 5.)ahrg. Frankfutt a. M., August 192? Ar. 12 D/6 »tt^este? ^ttSFaSe t/es 6e?^e//?t/e?s/atts e/'- sc^e/^t am SA. 5e/?te/»Se^ a/s /)o/,/?e//ktt/n/tt6^M^ F6/?/6//2Se?/-/ O^toSe/-. /?6ÄS^//0K6/^6 ^t/tt6//tt/?F6/? tt/eÄ^4/?^6/F6/e S/s Hyälestens 76.5e/?^6/nS6^6/'S6^/k. Aus dem Inhalt. Seite Amtliche Anzeigen S Aus dem Gemeindevorstand............... 50 Aus der Gemeindevertretung............... 54 Dr. Gakhetm, Jüdische Dichtung und Literatur im alten Italien . 2 N. Sapyra, Jüdisches Buchwesen in alten Zeiten...... S Vom philanthropin............. ..... 8 Internationale Musikausstellung.............. 8 Nachrufe . . . . '................. 12 u. 53 Aussprache . . ^. . . ^........^ Gottesliebe und Eros Eine Skizze von Dr. B. May. Ich laß ihn nicht! Ich weiß:^zu Jhm^ gehör ich!" Diese Worte Beer-Hofstnanns in Jakobs Traum charakterisieren in einer Kürze, die nicht mehr zu überbieten ist, unsere jüdische Gottesliebe. Aus Liebe zu ihm konnten alle Versprechungen nicht locken, alle Drohungen und Martern uns nicht abschrecken, denn so sagt an der gleichen Stelle der Dichter: »Tief in mir — wohin Wort nicht mehr dringt, schläft — was dir fremd ward: Seliges Vertrauen." Worauf gründet sich solche Liebe? Gibt es ein Erkennen in der Liebe, kennt Liebe Gründe? Ist denn nicht, wie die Freudsche Lehre uns zeigt, die irdische, ja die irdischste Liebe Sehnsucht nach dem „Ursprünglichen" in des Wortes eigentlichstem Sinne, also auch etwas Unbegreifliches! Wieviel mehr die Liebe zu Gott. Wie wäre die Frage: warum lieben wir Gott anders zu beantworten, denn durch ein Gleichnis? Dieses Gleichnis hinterließ uns Hosea, der in die tiefsten sozialen und sittlichen Verirruugen seiner Zeit und insbesondere seines Volkes hineinleuchtete und noch unter der Asche des in egoistichem Gebahren untergehenden Volkes die Funken glimmen sieht, die nicht erlöschen können, weil Gottes Hauch sie einst entfachte. Mit der ganzen Glut seiner Seele liebte er jeneGomer, die arme aber schöne Tochter aus seinem Volke, und er heiratete sie und war glücklich. Aber nur kurze Zeit, denn sie war nicht treu. Die Eifersucht erwachte in seiner Brust und brachte alle Qualen, deren Liebende fähig sind. Und als sie sein drittes Kind ihm geboren, verließ sie ihn ganz — sie war schon lange nicht mehr sein Weib, und auch ihre Kinder waren nicht seine Kinder. Aber jetzt erst, nach der Trennung, fühlt Hosea die ganze Tiefe seines Schmerzes, so daß er vor sich sebst erschreckend erkennt: das ist die Liebe, die Liebe mit der er auch jetzt noch dieses Weib liebt, trotz allem, was geschehen. Und alZ sie in Not geraten, und man sich an ihn wendet, einer konservativen Gemeindesynagoge interessiert sind, werden geda will er zuerst sich nicht erbarmen und erbarmt sich schließlich doch. Sie war einmal reiner Gefühle fähig gewesen, sprach er zu sich, vielleicht wußte ich nicht genug sie zu festigen. Sicherlich glühen auch jetzt noch die Funken dieser Liebe unter dem Staube, der das Herz bedeckt; warum sie nicht schüren, bis sie zur lichten Flamme werden? Vergessen muß er alles, was gewesen und sich ihr zuwenden mit einer alles verzeihenden, alles Geschehene vergessenden Liebe. Und er holt die Ungetreue in sein Haus zurück und ist gut zu ihr und milde aber abwartend und prüfend und legt ihr Taten auf, bei denen edle Handlung mit reiner Gesinung sich paart, in Werken der Liebe und des Erbarmens sich zu üben. Und er weckt so ihr Vertrauen zu sich selbst, ihre Liebe zu Gott! Spricht der Prophet von sich, von seinem eigenen Schicksal, spricht er von dem, was Gott ihn als Schicksal seines verirrten Volkes schauen ließ? Wäre es nicht das Erlebnis seines Herzens gewesen, es hätte nicht sein Gotteserlebnis werden können. Hätte nicht Gott seine Seele wach geküßt, er wäre der Schwere seines Erleidens, seinem Schicksal erlegen. Nur soweit wir in Gott den Grund alles Schicksalhaften erkennen, sind wir Überwinder des Lebens, erwacht tief in unserem Inneren »seliges Vertrauen." Alle unsere Propheten halten daran fest, daß sie nur davon Zeugnis ablegen, wovon die Seele zeugen kann, von dem, was Gott für ihr Erleben bedeutet. Der Drang nach Liebe und Gerechtigkeit zwingt sie Zur Gottesliebe, macht sie zu Bezwingern des Schicksals, läßt sie auch bei drohendem Untergang, bei der politisch unvermeidlichen Katastrophe, die dem Volke bevorsteht, sprechen: Kehret zurück zu der ursprünglichen Reinheit, in der Gott Euch erschaffen, und ihr werdet gerettet. Hasset das Böse, liebet das Gute, stellet das Recht, das niedergetretene wieder auf; suchet so Gott und ihr werdet leben! Und die Geschichte hat ihnen Recht gegeben. Nie hat sich das Volk der Propheten dem Schicksal ergeben, Schicksalschläge weckten bei ihm entschlummertes Vertrauen und es erstrebte die soziale, die gerechte Tat zu seiner Erlösung. Sein Vertrauen ist nach außen auf das Objektive gerichtet: auf die Gerechtigkeit. Darumkämpft dies Volk und kann nicht sterben. Seine Sünde ist nur die gedankliche Verirrung. Erkenntnis Gottes, wo sie erstrebt wird, führt auch den tiefsten Sünder immer wieder auf den rechten Weg, den Weg des Lebens. In dieser Anschauung stand das Judentum der gesamten heidnischen Welt diametral gegenüber. Mit der Naturhaftigkeit alles Seins war dort auch die Unverrückbarkeit alles Geschehens gegeben, nichts hing hier mehr vom sittlichen Willen des Menschen ab. Man konnte aus dem Bereich der Natur, aus den Linien der Hand, das

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