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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1927-06-01 · 10 (6.1927) · page 1

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
5 (1926-1927)
Issue
10 (6.1927)
Date
1927-06-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Gemeindeblatt devSsvaelttischen Gemeinde Kvansfmtt a-HNai« NichtMitglieder 40 Pfg. flic die Fahrgast« ^ühkg AmtlkGev Slnseisev dev SemeiudeveewaltttttS Frankfurt a. M., Zum 192? Ar. 10 Fahrgasse!4b. Erdgeschoß. Aus dem Inhalt. Seite Amtliche Anzeigen (u. a. betr. Kultussteuer 1927/2S) ... 4 Aus dem Gemeindevorstand............... 6 Aus der Gemeindevertretung...............? Grunwald, Schavuoth als Volksfest............ 2 Levy, Tage für jüdische Musik.............. 4 Anstalten und Vereine, Versammlungskalender....... Bücherschau......- -............. Veränderungen im Personenstand............. 2^l Gottesdienstlicher Anzeiger................ 22 ^0<^enke8t. Von /eQlida I^sle^i Übersetzt von 8. k-Ieller Kann mein k^er? vor 6ir vestenn, oei clessen Ln^el Stenn um 6icn voll Ltaunen, ^lenscnen Das religiöse Recht. Von Rabbiner Br. Max Grünewald (Mannheim). Man kann nicht gerade behaupten, daß dieHagada abdankt, aber das Interesse an der Halacha nimmt ständig zu. Man beginnt der „Perle der Gesetzeskunst" mehr Beachtung zu schenken als dem „Allerweltskram" der erbaulichen Vorträge. Es ist ein Interesse eigener Art: Es geht zunächst nicht auf das „Lernen", wie es überlieferungsmäßig und überlieferungsgemäß im Schwünge war, sondern es haftet am Prinzipiellen. Das prinzipielle Denken bemächtigt sich der Halacha als eines so nur im Judentum vorkommenden Stoffgebietes. Dabei mag doch wohl im Hintergrund aller sachlichen Bemühungen um die Halacha der Wunsch nach Werterhöhung stehn, nach Werterhöhung für ein Gebiet, das seit geraumer Zeit etwas kümmerlich behandelt wurde. Mit dieser Feststellung räumen wir ein, daß das erwachende Interesse an der Halacha von Bewegungen unserer Zeit abhängig ist und nur aus der Zeitlage heraus verstanden werden kann. Diesen Nachweis in wenigen Zeilen lückenlos zu führen, ist unmöglich. Es ist auch ein schwieriges Geschäft — bei Menschen wie bei Bewegungen — sie in ein System von lauter Abhängigkeiten zu zwängen, zumal dann, wenn die bedingenden Faktoren zum Teil doch auch nur „in der Luft" liegen, und es ist schließlich eine undankbare Aufgabe, einer Sache, an der wir unmittelbar interessiert sind, und an der wir unsere Freude haben, auf diese Weise die Originalität zu nehmen. Indessen wollen wir uns nicht mit der allgemeinen Angabe begnügen, daß die erneute Beschäftigung mit der Halacha als solcher auf Erkenntnissen und typisch-populären Urteilen unserer Zeit beruht. Wir wollen im Einzelnen wenigstens einige der Ursachen nennen. So fremd es auch klingen mag: der Zug nach Sachlichkeit und die Ablehnung eines wirklichkeitsfremden Pathos, die den Nachkriegsmenschen charakterisieren, verringern die Distanz, die er ZMTr Gesetz had urrd lassen ihn leichter den Mut zu der Erkenntnis aufbringen, daß das Gesetz die einzige Möglichkeit ist, das Leben praktisch zu bewältigen' Von Einsichten aber,die gradenwegs der Neubelebung der Halacha zugute kommen, hebe ich zwei besonders heraus: die Erkenntnis, daß auch die Gesetzlichkeit eine Form der Frömmigkeit zu sein vermag, daß also die Werterniedrigung der Gesetzesreligion gegenüber der mehr oder weniger „freien" Liebe anderer Religionen von vornherein nicht am Platze ist. Schriften wie die von Gerhard Kittel über Urchristentum, Spätjudentnm und Hellenismus zeigen, daß auch die Religionswissenschaft beginnt, mit Vorurteilen aufzuräumen, die der „Würde der Wissenschaft" nicht entsprechen und überdies nicht erklären, sondern verdunkeln. Einen anderen wesentlichen Moment, der der Halacha günstig ist, sehe ich darin, daß im Kampfgebiet der Apologetik eine Beruhigung eingetreten ist. Es ist nicht mehr so nötig, bei jeder Gelegenheit mit den Ideen des Judentums herauszurücken, um zu beweisen, daß wir uns vor den andern nicht zu schämen brauchen; es ist nicht mehr so nötig, ein „Wesen" des Judentums an die Wand zu malen, in dem die großen Ideen des Judentums leuchtend hervortreten,, während seine weniger zugkräftigen und konkurrenzfähigen Züge etwas blafser ausfallen. So zu verfahren, ist das gute Recht der Apologetik. Aber es läßt sich nicht leugnen, daß der Wissenschaftler und auch der Theologe an Bewegungsfreiheit zunimmt, wo der Apologet nicht bemüht wird. Hier gewinnen wir wieder den Anschluß an die Unterscheidung, von der wir ausgegangen sind. Die Hagada ist, wenn nicht entstanden, so doch kräftig gefördert und zur Blüte gebracht worden durch die Auseinandersetzung mit den „andern". Diese ihre Vorgeschichte ist ihr heute noch anzumerken. So ist es auch geschichtlich verständlich, daß die Halacha an Boden gewinnt, wo die Hagada sich bescheidet.

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