Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 5 (1926-1927)
- Issue
- 9 (5.1927)
- Date
- 1927-05-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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devSsvaelttissGen Gemeinde SvanSfuvt «.Mai« Di« Gemeindemitglieder erhalten das Blatt unentgeltlich. Bezugspreis für NichtMitglieder 40 Pfg. für die Nummer. Zustellung durch die Post. Schnftleitnng und Verwaltung: A.Jühkg. Fahrgass« 14b ÄMtlitbev Attseisev der Gemeiudevevwsltttsss Frankfurt a. A!., Mai 1927 Är. 9 Anzeigenpreis für die b-gespaltene Nonpareillezeile 40 Pfg. Bei Wiederholungen Rabatt. Anzeigcnverwaltung: GcmeindehaltS Fahrgasse I4S. Erdgeschoß. Fernsprecher Hanta 152? und 708Z Die Schriftleitung übernimmt für den Inhalt des Gemeindeblatts nur die preßgesetzliche Verantwortung. / Nachdruck nur mit Erlaubnis gestattet. Aus dem Inhalt. Amtliche Anzeigen Seite (u. a. betr. Kultusfieuer 192I/2S)......... s Aus der Gemeindevertretung............... S Haushaltplan der Gemeinde............... 3 K. S., Bemerkungen zum Haushaltplan.......... 4 Gut, Von altjüdischer Erziehungswelsheit......... 2 Jubiläumsfeiern..................... Vereins- und Versammlungskalender............ its Bücherschau...................... il6 Gottesdienstlicher Anzeiger................. itS U Sittels Antwort an den Heiden. Von Gemeinderabbiner Dr. Lakob Horovih. Franz Delitzsch schreibt in seiner Schrift „Hillel und Jesus" Seite 19 ff: „Dies ist eben das Eigenartige und Neue der christlichen Lehre, daß sie die Religion nicht aus ein Sittengebot allein zurückführt, sondern auf das Gebot der Gottesliebe zugleich. Durfte Hillel dern fragenden Heiden, dem vor allem Erkenntnis des einen lebendigen Gottes nottat, das „Und Du sollst lieben den Ewigen, Deinen Gott", das ein Bestandteil des täglichen Gebetes Israels geworden, verschweigen? Seiner Antwort nach gewinnt es den Anschein, als ob die Gebote der ersten Tafel des heiligen Gesetzes minder heilig und notwendig seien als die der. zweiten .... Hillel ist Vorgänger jener vielen, welche den armseligen Spruch: „Tue recht und scheue niemand" als die höchste Weisheit, ja als den Inhalt der ganzen Bibel bezeichnen und alles andere, was in der Bibel steht, als unwesentliche Beigabe ansehen." Bedarf es erst des ausdrücklichen Hinweises, daß der überzeugte, eifervolle Christ die berühmte Antwort loslöst von der gesamten Persönlichkeit des Gesetzeslehrers und ' Gesetzesüberlieferers, der sie gegeben hat? Nicht nötig, Hillel, den Stolz des pharisäischen Judentums, gegen den Verdacht Zu schützen, daß er eine armselige Sittenregel als den, einzigen Inhalt der heiligen Schrift angesehen habe, daß er Vorläufer aller jener sei, die sich umso fortgeschrittener dünken, je mehr sie das Religiöse aus der Religion entfernen! Delitzsch hat dazu vollkommen unbeachtet gelassen, daß Hillel schließt: „Alles andere ist die Erklärung: Gehe hin lind lerne!" Vor allem hat er aber vergessen, daß Hillel dem Heiden das Gebot der Gottesliebe, das für das Judentum der selbstverständliche Mittel- und Quellpunkt seiner Religion und Sittlichkeit ist, nicht erst zu nennen brauchte. Daß der Glaube an einen einzigen unsichtbaren, rein geistigen Gott und die alles bereite Liebe zu ihm der Unterscheidungspunkt ist zwischen Heidentum und Judentum, dies hatte der Heide gewußt, ehe er zu Hillel kam. Bei all seiner Weisheit hätte der Meister ihm in einem kurzen Worte in diesem Betracht nicht mehr sagen können, als ihm ohnehin schon bekannt war. Was jener nicht wußte und was allein Hillel ihm zu sagen hatte, war, daß eben aus diesem Gottesglauben, wie ihn das Judentum hat, sich das rechte Verhältnis des Menschen zum Menschen ergibt, daß, während Götterglaube und Sittlichkeit nichts miteinander zu tun haben, ja, wie Tenophanes einst bekannt hat, von vornherein einander widersprechen, Gottesglaube, Sittlichkeit und Menschenliebe eine untrennbare Einheit bilden. Dem Hohn des Heiden, der die vielen Gesetze so schnell und so kurz kennen lernen wollte, als er auf einem Fuße sich aufrecht zu halten die Möglichkeit hätte, stellte Hillel seine Auffassung gegenüber. Die Bitte, die in einer solchen Form vorgebracht wurde, bedeutete eine Herausforderung. Diese kommt nicht so sehr in den Worten selbst „lehre mich das Judentum so kurz, als ich auf einem Fuße zu stehen vermag" zum Ausdruck. Einer solchen Redeweise kann gewiß das Horazische stans in peäe uno u. dergl. an die Seite gesetzt werden. Der Hohn liegt hier darin, daß sie in diesem Zusammenhang gebraucht wird von jemandem, der an der Vielheit der Gebote mit in erster Linie Anstoß nimmt. Kein Zweifel, daß so mancher Heide, der schon innerlich mit dem Heidentum gebrochen hatte und dem Judentum nahegekommen war, doch noch nicht die Kraft fand, mit einem Schlag von der Zucht- und Gesetzeslosigkeit seines heidnischen in die strenge Zucht des jüdisch-religiösen Lebens ihnüberzutreten. Als eine Herausforderung hat jedenfalls Schammai jene Worte empfunden, weswegen er auf den groben Klotz einen groben Keil setzte und den Mann mit der Bauelle, die er in der Hand hatte, davonjagte, genau wie denjenigen, der so anmaßend war, als Bedingung für seinen Eintritt in das Judentum die H'ohepriesterwürde für sich zu verlangen. Bei dem ersten Heiden, von dem der Talmud am gleichen Orte spricht, begnügt sich Schammai mit einem scharfen Verweis.