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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1927-04-01 · 8 (4.1927) · page 1

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
5 (1926-1927)
Issue
8 (4.1927)
Date
1927-04-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Gemeiudeblati X devSsvaelttifchen G inde Svankfttvi a.SNain Die Gememdemitglieder erhalten das Blatt unentgeltlich. Bezugspreis für NichtMitglieder 40 Pfg. für die Nummer. Zustellung durch die Post. Schriftleitnng und Verwaltung: 5. Jahrg. Fahrgasse AmtliGev Anzeiger dev Gemekttdevevwaltttns Frankfurt a. A?., April 1927 Ar. 8 Anzeigenpreis für die S-gelpalMre Nonpareilkzeile 40 Pfg. Bei Wiederholungen Rabatt. AnzeigenverrvaUung: GemeindeharrS Fahrgasse l4k». Erdgeschoß. Fernsprecher Hanta »52? und 7085 Die Schriftleitung übernimmt für den Inhalt des Gemeindeblatts nur die preßgesetzliche Verantwortung. / Nachdruck nur mit Erlaubnis gestattet. Aus dem Inhalt. Amtliche Anzeigen................. Seite S Aus der Gemeindevertretung............. „ 6 Sr. Grunwald, pessachbräuche............ „ 2 Karl!V. verpfändet die Frankfurter Luden....... „ 4 Kürsorge für den Gottesdienst in den kleinen Gemeinden. „ 4 Aus der Tätigkeit des preußischen Landesverbands ... „ 8 Vereins- und Versammlungskalender.......... /, ^t2 Aücherschau.................... „ 13 Gottesdienstlicher Anzeiger.............. „14 Literarische Beilage: Seder in der Fremde........... Die Hagada in geschichtlicher Beleuchtung Von Rabbiner Dr. Lamvel, Schwedt a. O. ' Die biblische Geschichte ist eine Religionsgeschichte, in der die Überzeugung von Gottes Allmacht und Allwissenheit die Feder geführt hat. Daher werden in ihr historische Begebenheiten nur soweit behandelt, als dies der Stärkung jener Überzeugung dienlich erscheint; was dagegen jenen religiösen Gedanken nicht direkt berührt, wird oft übergangen, unbekümmert um seine sonstige historische Wichtigkeit. So erscheinen die Erzählungen der Bibel, zumal in ihren älteren Partien, dem geschichtlich interessierten Leser zuweilen lückenhaft, und so oft er ein vollständiges Bild zu gewinnen sucht, sieht er sich genötigt, nach anderweitigen historischen Ergänzungen sich umzusehen, um diese Lücken auszufüllen. In einer solchen Lage befindet sich der Jude, der seine Sederabend-Lektüre in historischem Lichte betrachten möchte. Schon allein das Fehlen der Eigennamen der hier in Betracht kommenden ägyptischenPharaonen empfindet erschmerzlich; denn eine fast unübersehbare Literatur, die seit Josephus jene Pharaonen zu eruieren sucht, wäre überflüssig, wenn auch nur einer dieser ägyptischen Könige mit Namen aufgeführt wäre. Es gereicht uns daher zur Freude, daß die Fortschritte der Ägyptologie es uns heute ermöglichen, die biblischen Exodus-Erzählungen in den Rahmen der ägyptischen Geschichte einzufügen und zwar mit einer Sicherheit, wie sie für jene frühe Zeit kaum größer sein kann. Dies vermögen wir bereits seit geraumer Zeit. Wenn jedoch gerade in den letzten Iahren diesen Feststellungen von vielen Gelehrten eine andere Wahrscheinlichkeit entgegengestellt wird, so hat man es in Wirklichkeit lediglich mit einer neuen Kombination zu tun, an der weniger ihr historischer Wahrheitsgehalt, als vielmehr ihr sensationelles Aus.sehen verlockend wirkt: es ist der Jnschriftenfund von El-Amarna, der hier verwirrend wirkt. Diese klassische Entdeckung verdankt ihre stürmisch wirkende Überraschung in erster Linie ihren Berichten von den palästinensischen Kämpfen der Chabiru- Ebräer unter Pharao-AmenhotepIV. Man begreift es, daß der Reiz, diese eroberenden Chabiru-Ebräer mit Israels Einfall in Palästina zu identifizieren, bis heute noch an Kraft nichts eingebüßt hat. Dabei muß aber der Exodus um GMerationen hinaufgeschoben werden, und ganz andere Pharaonen treteil dann auf die Vildsläche. Aussprache. Vielfachen Anregungen Folge leistend stellen wir die Spalten unseres Blattes den Gemeindemitgliedern für Anfragen und Aeußerungen über Angelegenheiten der Gemeinde zur Verfügung, soweit im Gemeindeinteresse eine öffentliche Erörterung möglich ist. Zuschriften, die für diese nsue Rubrik bestimmt sind, bitten wir bis zum 20. jeden Monats an uns gegangen zu lassen. Die Schviftleitung des Gemeindeblatts. Wie verhält es sich aber in Wirklichkeit mit diesem Problem? Wenn man das unschätzbare Amarna-Archiv für die biblische Geschichte verwerten will, ohne sich von verlockenden Hypothesen einfangen zu lassen, so bietetuns die Episode von den Chabiru-Ebräern der Amarna-Briefe eine erwünschte Ergänzung zu der ägyvtolvgischen Beleuchtung der Exodus-Erzählungen, wiesie sich bei ruhiger Vergleichung der biblischen mit den ägyptologischen Berichten geradezu zwingend ergibt. Dies sei hier in gedrängter Kürze dargetnn. Tie 18. ägyptische Dynastie, durch den großen Befreier Ägyptens von der syrisch-palästinensischen Hyksosherrschaft begründet, hatte die siegreichsten Pharaonen aufzuweisen. Ihr gehörte auch der ruhmreiche Pharao Thotmes III. an, der mehr als ein Dutzend Mal mit seinem Heere über Palästinas Boden marschiert ist. Daß die israelitischen Stämme, die unter den semitischen HyksoSherrschern angesiedelt wurden, von den Pharaonen der 18. Dynastie, die Ägypten von jener Semitenherrschaft befreithaben, sehr scheel angesehen und auch zum Sklavendienst angehalten wurden, ist nicht nur selbverständlich, sondern wird auch von jenen Pharaonen inschriftlich mehrfach gemeldet, worin die Israeliten in der Regel als Palästinenser, zuweileu auch als Ebräer bezeichnet werden. Gegen Ende der 18. Dynastie aber ist Ägyptens Herrschaft in Syrien und Palästina innner lockerer geworden, im letzteren Lande besonders infolge der Unruhen der Chabiru-Ebräer,^ so daß Amenhotep IV. der Schwiegervater des in den letzten Jahren so populär gewordenen Tutankamon und einer der'letzten Könige der 18. Dynastie tatsächlich dieser Chabiru-Aufstände nicht mehr Herr werden konnte. Die 19. Dynastie, die nrm sür den biblischen Exodus hauptsächlich in Betracht kommt, hat somit eine sehr schlechte Erbschaft angetreten. Nur noch der Süden Palästinas war in ihrem Besitz, sonst aber hatten sich in diesem Lande die „Cheta", welche uns aus der Bibel als die,, Söhne Chet" bekannt sind,vonKleinasien kommend, ausgebreitet, und wenn sich die Pharaonen auch friedlich mit ihnenzu einigen suchten, so blieben immer noch die unruhigen Chabiru, die den Pharaonen das Leben isaüer machten^ Diese Sorge bringt Sethos I., der Mter^des. Ramses II., des Pharaos der Bedrückung, in seiner Inschrift am deutlichsten zum Ausdruck. Begreiflich genug, daß die 19. Dynastie die einerseits die Gewalt über Palästina fast eingebüßt hat,

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