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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1927-03-01 · 7 (3.1927) · page 15

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
5 (1926-1927)
Issue
7 (3.1927)
Date
1927-03-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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15 länderischen Schrift wird ums kas alte Rüstzeug >in neuer Form wieder dargeboten. Rießer überführte vor ,allem seine Gegner der groben Unkenntnis hinsichtlich der Mechtsbeschränkun-gen der Juden, welche dieise vor die Alternative stellten, entweder ihr Gewissen oder Hre bürgerliche Existenz in einer unmoralischen Zwangslage zum Opfer zu bringen. Er entkräftet die unsinnige Behauptung, daß, wie Ford es neuerdings wieder behauptet, die Christen von den Juden regiert werden sollten, er weist darauf hin, daß die Rechtsverweigerungen in völligem Widerspruch zu der Erfüllung aller Bürgerpflichten seitens der Juden ständen und er widerlegt die Behauptung, daß Handwerk und Ackerbau den Juden Äberall' freiständen. In schärfster Frontstellung steht er gegen den gefährlichsten Einwand, den die Antisemiten auch heutzutage noch erheben: gegen die Absprechung der deutschen Nationalität, die geradezu den Lebensnerv der deutischen Juden treffen muß. Er faßt seine gesamten Ausführungen gegen die sudenseindliche Propaganda in den Satz zusammen: „Wir wollen dem deutschen Vaterlande angehören. Es kann und darf und mag von uns alles fordern, was es von seinen Bürgern zu fordern berechtigt ist; willig werden wir ihm alles opfern — nur Glauiben und Treue, Wahrheit und Ehre nicht; denn Deutschlands Helden und Deutschlands Weise haben uns nicht gelehrt, daß man durch-solche Opfer ein Deutscher wird!" Bestehen nicht diese kraftvollen und überzeugungstreuen Ausführungen Rießers in unveränderter Geltung noch heute fort und werden sie nicht auch von neuem geltend gemacht werden m'üssen, wenn wiederum die alte Hydra der Judenverlemndung hier oder anderswo «ihr Haupt erhebt? Es ist interessant zu verfolgen, wie Nießer mit 'unermüdlicher Zähigkeit und Aufopferung diesen in seinen Einzelphasen sich über einen langen Zeitraum erstreckenden Kampf in den verschiedenen deutschen Staaten durchführte, bis er schließlich in der deutschen Nationalversammlung in der Paulskirche zu Frankfurt a. M. seinen vorläufigen Abschluß mit der Emanzipation der deutschen Juden in die dort beschlossenen Grundrechte des deutschen Volkes fand. Wenn man einen rückschauenden Blick >an der Hand der FriMänderschen Darstellung Äber den Gang der mit dem Nevolutionsjahr 1848 verknüpften Diskussionen und Schriften über die Judenfrage wirft, so wird man sich einer Beobachtung nicht entziehen können, die nnsere Zeit in Gegensatz zu der damaligen stellt. Es sind auch damals sicherlich erbitterte nnd gefährliche Gegner der Juden aufgestanden und haben ihre Angriffe laut in das Land hineingerufen, aber sie sind niemals in Form und Ausdruck, in Gedankengang und Angriff auf so niedriges Niveau hinabgesunken, wie es ihren Nachfahren von Heute vorbehalten geblieben ist. Es bleibt noch ein Wort darüber zu sagen, wie Friedländer Rießers Kampf um die Rechte der deutschen Juden auffaßt im Zusammenhang mit dem Gesamtverlauf der deutschen Geschichte in der vormärzlichen Zeit, in der Revolutionsepoche und während der nachfolgenden Reaktion. In allen diesen Zeitabschnitten mit ihren stürmischen und wechselnden Ereignissen betrachtet er die Judenemanzipation nur als einen Teilabschnitt in der Entwicklung des deutschen Liberalismus. Wie der Sieg des Liberalismus zu einer vollständigen bürgerlichen Gleichberechtigung der deutschen Juden führen mußte, so siud die Rückschläge auf dieser Bahn mit Sicherheit unter der Herrschaft der Reaktion zu erwarten. Diese geschichtliche Lehre und ihre Nutzanwendung sollten unsere deutschen jüdischen Zeitgenossen auch sür die Gegenwart und Zukunft nicht vergessen! Beachtenswert ist an der Friedländerschen Schrift auch ihre Darstellungsart des biographischen Stoffes. Sie stellt ihren Helden ebensowenig in das Joch der mechanisch-materialistischen Geschichtsauffassung, wie sie ihn als von seiner Umwelt losgelösten Einzelmenschen behandelt, der lediglich seinem eigenen souveränen Willen folgt. Zeitalter, Lebensumstände, Milieu bilden im Zusammenhang mit der Einzelanlage und dem besonderen Charakter ds Geschilderten seine historische Figur. — Für die Frankfurter L o ka l g e s ch i ch r e ist noch zu erwähnen, daß Friedländer anch auf die legislatorischen und vcrivaltungstechnischen Arbeiten hinweist, welche Rießer während seines längeren Bockenheimer Aufenthalts und später noch während seiner kvv fät-berei unl! Lkem. Reinigung ll t.s«tsn in stten 5!s6Neilen? z-iii^l^>ci^^lxi7lIcii>c^^ MWSIS-WWWMN! 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