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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1927-03-01 · 7 (3.1927) · page 1

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
5 (1926-1927)
Issue
7 (3.1927)
Date
1927-03-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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GemOwdevlatt devSwaeUMchen Gemeinde FeanSfurt aSNaw AmNkckev Anzetgev .^^.-^^ Nichttnitglieder 40 Pfg. für die HSV O K M S t tt V S V 0 V W <tz l t tt tt S B-r Wi-d-rh°lung.n Rabatt. Schnft,«tnng und V-rwalmng: 5. Zghrg. Frankfurt a. M., ZNärz 1927 Ar. 7 Fahrgasse 14b- / s v . , » Fcmspreche. Hanta ,527 und 7085 Aus dem Inhalt. Amtliche Anzeigen...................5eite 50 Hartmann, Das Buch Esther in der neueren Literatur . . „ 2 I. Krakauer, Die Israelitische Verwaltungsbehörde . . . . „ 4 W. Cohn, Dohm und die Iudenemanzipation......„ A Fr. philippson, Aus der Arbeit der Ica ..........? B. Italiener, Schrift und Handwerk......... „ 9 Vereins» und Versammlungskalender..........„ 53 Nilcherschau..................... „ 54 Licht, Kreude, Würde. Eine Purimbetrachtung. Von Nezirksrabblner Dr. Beermann (Heilbronn.) Von einem jüdischen Künstler gibt es ein mächtig zur Seele sprechendes Bild, ein Werk reinster und reichster Andacht: „David im Gebet." Aus sonnengebräuntem Knabenanlitz schauen suchende Augen verklärt zum weißwolkigen Himmel. Seitwärts von dem seinem Gott völlig hingegebenen Veter steht Goliath, der Riese, zu schattenhafter Winzigkeit zusammen geschrumpft, als hätte ihn schon der Gebetsgeist des gotterfüllten Hirten niedergezwungen. Riesenhaft ist der Judenhaß unserer Tage, riesenhaft, die Feindseligkeit gegen Israel, von der unsere Festgeschichte spricht. Dieser Haman will das „Licht der Welt", das Judentum mit seiner großen religiös-sittlichen Heilssaat mit Stumpf und Stiel ausrotten. Auf diese Formel hat ein alter Lehrer das frevlerische Ansinnen Hamans gebracht, der von einem Juden sich gekränkt wähnte und dann allen Söhnen dieses Stammes tötliche Rache geschworen hatte. Da habe Mordechai mit dem Psalmiften gebetet: „Laß jubeln und fröhlich sein, die Zich suchen", und ein Engel habe Rettung verheißen, indem er ihm einen Pergamentstreifen gab, der drei inhaltschwere Worte enthielt: orah simchaw wikor, das heißt: Licht, Freude, Würde. Drei Gnadengeber, die das kamvfumbrauste Judentum sichern muß, um schließlich in einer Welt des Hasses zu triumphieren. Licht ist unsere gottgeosfenbarte jüdische Weltanschauung. Wir dürfen den stolzen, beglückenden Zuruf auf uns beziehen: „Der Menschheit Güter sind in eure Hand gegeben, bewahret sie". Gott und die sittlichen Werte deuten uns den Sinn des Lebens und der Welt. Nicht die gedankenhafte Annahme, daß alles Sein in einem ewigen, einheitlichen Geiste wurzelt, ist der Wesenszug des Judentums, sondern die leidenschaftliche, bedingungslose Liebe zu diesem Gotte, der nach seinem weisen Erziehungsplan die hellen und dunklen Fäden in unserem Einzelleben zusammenwebt. Darum hat Maimonides der große jüdische Denker, unbedingt Recht, wenn er dem Glauben an die göttliche Vorsehung sür unser Judentum entscheidende Bedeutung beimißt. Gleichsam als ein Musterbeispiel waltender Gotteshut erzählt unser Festbüchlein die Esthergeschichte. Wohl geht alles ganz natürlich zu, kein Wunder geschieht, keine Durchbrechung des alltäglichen Laufs der Dinge wird berichtet, sogar der Gottesname wird in dem Berichte von der Rettung der Juden aus schwerer Gefahr nicht erwähnt, und doch spürt man Gott am Werke: „Der große Meister, wohl bedächtig, sitzt lächelnd hinter seinem Stand und hält die Fäden in der Hand". Aus solchem Gottvertrauen quillt Freude. Nietzsche hat einmal gesagt: „Die meisten Menschen sündigen nicht aus Übermut, sondern aus Verzweiflung". Darum haben auch unsere Weisen der Verzagtheit Fehde geschworen. Gewiß sind schwere, dunkle Zeiten für unser Judentum heraufgezogen. Nicht nur feindselige Verfolgung bedroht unsere Bekennergemeinschaft. Die wirtschaftlichen Nöte stellen vielfach den Bestand unserer religiösen und sozialen Anstalten in Frage. Unsere Gemeinden sehen sich, um ihre Einrichtungen zu erhalten, vor eine große Belastungsprobe ihres Opfersinns gestellt. Aber „Freude ist die Morgenröte großer Taten", freudige Begeisterung für unsere Glaubensschätze wird dem guten Willen einen guten Weg weisen und die Zaghaften und Unentschlossenen mit fortreißen. Die deutsche Sage kennt einen Stein, den Amiant' wenn auf diesen Stein ein Flecken kommt, dann kann nur die Sonne ihn Ausglühen. Nur die warmen Strahlen freudiger Anhänglichkeit an das Erbe der Väter werden uns helfen, in rüstiger Arbeit Schäden und Schwächen an uns und in uns Zu beseitigen, um durch unser Wirken die hehren Ziele der Menschheit zu sördern. Dazu müssen wir Würde wahren und uns selbst treu bleiben. Unsere Führer haben von Anbeginn an der Abwehr die Einkehr an die Seite gestellt. Der Held unserer Erzählung, Mordechai, ist nicht bloß Muster aller Vürgertugend in seinem persischen Vaterlande, der sich müht, dem Staat Aufruhr und Erschütterung zu ersparen, sondern er fühlt sich durchaus auch als jüdischer Mann. Esther, die anmutumhauchte Frauengestalt, bleibt auf des Lebens Höhe schlicht und einsach und hält ihrem Gott und ihrer Glaubensgemeinschaft die Treue. Diesen Lichtspuren müssen auch wir. folgen, treu unserem Vaterland und treu unserer alten jüdischen Ge-

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