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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1927-01-01 · 5 (1.1927) · page 4

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
5 (1926-1927)
Issue
5 (1.1927)
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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der sie jedesmal beschleicht, wenn sie von der talmudischen Jntersüßen und feurigen (aber damals nicht mehr, verständlichen) Liebes- Liebeslieder wechseln? Und nun erinnere man sich des Passus aus liebst du uns, Ewiger, unser Gott, ein großes, überströmendes Erbarmen hast du für uns, unser König und Vater, um unserer sinnen, zu gehorchen, zu lernen und zu lehren, zu behüten, zu bezeichnend, daß die Kommentatoren zu dem Worte „in Liebe" erringen". Dann noch der Passus aus dem Abendgebet: „Mit ewiger Liebe liebst du das Haus Israel. Lehre und Gebote, Gesetze und Rechte hast du uns gelehrt; darum, Ewiger, unser Gott, Lehre und an deinen Geboten in alle Ewigkeit, denn sie sind unser „Alttestamentliche Religionsgeschichte", von Prof. R. Smend, Plötz- Sedakah. Von Dr. Max Seelig. I. politischen und sozialen Gegensätze im heutigen Judentum betrachtet, wer den Kräften nachspürt, die an dem Bande seiner Einheit zweifeln, daß es überhaupt noch eine jüdische Ge m ein - schaft gibt, die vom Gefühl -innerer Zusammengehörigkeit und Verbundenheit erfüllt ist. Aber das Vorhandensein dieses Gefühls Ist nicht das Judentum vor allem eine Schickfälsgemeinschaft, deren Inhalt in pietätvoller Erinnerung an die gemeinsame Vergangenheit besteht? Und umschließt nicht alle Juden die Hoffnung auf eine messianifche Zukunft, wo „die ga.nze Erde voll ist von der Erkenntnis Gottes" und wo „Hahrheit, Recht und Frieden" herrschen werden? Schwieriger scH^^^es, auch in bezug auf die Forderungen der Gegenun^^er^^ den Antisemitismus erscheint den anderen religiöse Ueberzeugung zwingt nur an wAniAn.^MrMe>M in ihren Bann, und da ist es etwas CMbeAes>'üM zu fühlen, daß zur selben Mnd^M Wss'^M^j^r WMich alle Glaubensbrüder zu ge- ^WNM^W^M MMi^M^^Gottesbekenntms vereinen. DA ^uHwMKnö^^ Lahres Abt es eine Ge- MMMK^j^K ^M^aMHKu.ng^ und Schattierungen, "MMHr^unduM Idee der Zedakah, die Idee der aus der Gotteskindschast und Bruderliebe erwachsenden Wohltätigkeit, die njcht nur um des Heils der eigenen Seele willen, sondern im Dienste der sozialen Gerechtigkeit geübt werden soll. Ein Zweifel taucht hier auf: Ist nicht die altjüdische Zedakah in der heutigen Zeit, wo alles zur Konzentration und Fusion, zur Normalisierung und Rationalisierung drängt, etwas Veraltetes und Ueberlobtes. ein unverständlicher Anachronismus? Wäre es nicht am vernünftigsten, wenn die Zedakah — und mit »ihr die gesamte „freie Lisbestätigkeit" — der staatlich organisierten und gesetzlich geregelten „öffentlichen Fürsorg e" das Feld räumte, statt neben ihr auf den gleichen Gebieten der Wohlfahrtspflege tätig zu sein? Wer unbefangen beide Zweige der Wohlfahrtspflege mitkaritative Fürsorge die älteste Form, die Mutter aller öffentlichen Fürsorge ist, sondern daß gewichtige Gründe dafür sprechen, Naß Arbeit behaupten darf. Ein Engländer hat den. Unterschied zwischen der öffentlichen Fürsorge und der freien Liebestätigkeit, zu derja auch die Zedakah gehört, durch die Worte la^v und lovs, Gesetz und Liebe, treffend gekennzeichnet: Da das Gesetz ohne die Liebe hart und streng, die Liebe ohne das Gesetz weichlich und willkürlich ist, so müssen die beiden harmonisch zusammenwirken. Gerade die karitative Fürsorge, die nicht so stark bürokratisiert, nicht an Instanzenweg, Dienstvorschriften und Paragraphen gebunden ist, kann besser individualisieren und schneller und diskreter helfen als die staatliche Armenpflege, denn sie ist infolge der menschlich näherzutreten, die Not seiner Seele, die sittlichen' Wurzeln seines Elends tiefer zu erfassen, sein Vertrauen eher zu gerung wirksamer zu fördern, als dies bei der mehr aus Zweckausgeübten öffentlichen Wohlfahrtspflege der Fall sein wird. Zur Notwendigkeit wird unsere Zedakah auch wegen der besonderen Wohlfahrtspflege der Konfessionen, Kirchen und Sekten auftritt, der Philanthropie. Auf der Gottesliebe beruhend, ist sie von dem Bewußtsein erfüllt, daß alle Menschen — ohne Rücksicht auf Al> die Aermsten und Elendsten im Ebenbilde Gottes geschaffen sind. Da sie trotz ihrer Armut mit den Besitzenden auf gleicher Stufe wie es auch sittliche Pflicht der Begüterten ist, ihnen Hilfe zu gewähren. So ist der tiefste Sinn unserer Zedakah. die die liebe in sich schließt, das Streben nach ausgleichender Gerechtigkeit. Bruder, schont sie sein Ehrgefühl und demütigt ihn nicht, wie sie religiöse Bekehrung, seine Seelenrettnng zu erzwingen. II. Dem Ideal der Zedakah nachstrebend, hat das jüdische Herz zu allen Zeiten auf dem Gebiet der Wohltätigkeit Leistungen vollstattliche Zahl von Stiftungen, Anstalten und Vereinen aller Art mehr als ausreichend für die jüdische Armut sorgen, und es war ihr Stolz, völlig aus eigener Kraft zu helfen, ohne die Mittel der staatlichen Fürsorge in Anspruch nehmen zu müssen. Der Krieg und seine katastrophalen Folgen haben auch hier die Dinge von

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